Köllners «Löwen»-Versprechen: FCI kontra Relegationsfluch

24.05.2021 | Stand 26.05.2021, 22:26 Uhr

Armin Weigel/dpa/Archivbild

Im Entscheidungsspiel um Platz drei ziehen die «Löwen» selbst die Aufstiegs-Notbremse. Die Fans feiern ihre Lieblinge dennoch. Der Trainer blickt kämpferisch nach vorne. Die Ingolstädter formulieren vor den zwei Bonusspielen gegen Osnabrück eine klare Botschaft.

Der Rauschebart ist ab. Nach dem «Frustsaufen» im Anschluss an die verpasste Aufstiegschance des TSV 1860 München griff Michael Köllner zum Rasiermesser. Beim Schlussbild nach dem bitteren 1:3 (0:1) im Entscheidungsspiel um Platz drei gegen den FC Ingolstadt, der nun in zwei Bonusspielen gegen den VfL Osnabrück um die ersehnte Rückkehr in die 2. Fußball-Bundesliga kämpfen darf, war der Trainer am Samstagnachmittag noch mit dichter Gesichtsbehaarung vor die trotzdem ihre Mannschaft feiernden 1860-Fans getreten.

Mit einer Flasche Bier in der Hand rief Köllner eine deutliche Botschaft ins Megafon, als er sich vor dem Ingolstädter Sportpark für die gigantische Unterstützung der mitgereisten Anhänger bedankte. «Ihr habt eine geile Mannschaft bekommen. Und die geile Mannschaft wird nächstes Jahr den Weg weitergehen. Das verspreche ich!», schrie Köllner. Keine Frage: Er will 2022 mit 1860 rauf in Liga zwei.

Neben dem Trainer stand Kapitän Sascha Mölders und vergoss bittere Tränen. Auch die 22 Tore des Drittliga-Torschützenkönigs reichten nicht zum Happy End. Mölders war untröstlich. Der 36-Jährige habe «so viel Energie in die Mannschaft gesteckt», rühmte Köllner den Ober-Löwen und sagte: «Es geht darum, dass wir um Sascha wieder ein starkes Team auf den Platz bringen.» Man brauche «auf der einen oder anderen Position neue Spieler», sagte der Coach, um in der kommenden Saison dann auch «den letzten Schritt zu machen». Köllner hofft dann auch wieder auf volle Stadion. Die Fans seien für 1860 «ein Pfund».

Ausgerechnet im Alles-oder-nichts-Spiel gegen den FCI zogen die «Löwen» selbst die Aufstiegsbremse. Torwart Marco Hiller sah in der 9. Minute nach einer Notbremse gegen Fatih Kaya Rot. Dieses Handicap wog trotz einer tollen Energieleistung in Unterzahl zu schwer.

«Das hat die Statik des Spiels komplett verändert», stöhnte Köllner. In Überzahl legte Ingolstadt eine aufstiegsreife erste Hälfte hin. Kapitän Stefan Kutschke und Spielmacher Marc Stendera trafen. Erst in der Nachspielzeit gelang Marcel Gaus per Foulelfmeter das 3:1. In seinem letzten Spiel für die «Löwen» hatte Dennis Erdmann verkürzt.

«Die Mannschaft hat alles rausgehauen. Dafür lieben die Fans diese Mannschaft», schwärmte Köllner. Der begehrte Coach aus der Oberpfalz gab eine Liebeserklärung an den Verein und seine Anhänger ab. «Ich bin mit Nürnberg in die Bundesliga aufgestiegen, habe dabei aber nicht eine solche Unterstützung erlebt wie hier», sagte Köllner.

Die glücklichen Ingolstädter jubelten nur kurz. Sie sind noch nicht fertig. Die größte Hürde kommt auf das Team von Trainer Tomas Oral erst noch zu: Es gilt, den Relegationsfluch zu überwinden. 2019 stiegen die Schanzer gegen Wehen Wiesbaden aus der 2. Liga ab. Und 2020 scheiterten sie nach einem dramatischen Rückspiel gegen den 1. FC Nürnberg. «Der Liebe Gott hat es gewollt, dass wir ein drittes Mal in der Relegation stehen», sagte Oral. Gegner ist der VfL Osnabrück, der am Pfingstsonntag die Zweitliga-Saison auf Platz 16 beendete.

«Scheißegal gegen wen. Hauptsache wir ziehen es diesmal», sagte Oral. «Klar ist, dass wir in jedem Fall zwei sehr gute Spiele brauchen, um uns durchzusetzen», meinte Michael Henke, der Direktor Sport. Das Hinspiel steigt am Donnerstag (18.15 Uhr/ZDF und DAZN) in Ingolstadt.

Drei Tage später sollen nach der Entscheidung in Osnabrück bei Oral und seinen Spielern endlich Freudentränen kullern. «Aller guten Dinge sind drei», verkündete Kapitän Kutschke: «Ich bin zweimal hier in der Relegation gescheitert und möchte das kein drittes Mal erleben.»