Treuer Gefährte

Hund Toby bewacht seine tote Besitzerin - fast zwei Wochen lang

17.05.2021 | Stand 17.05.2021, 21:28 Uhr

Das ist Toby. Er hat fast zwei Wochen lang allein in einer Wohnung seine Besitzerin bewacht, eine ältere Dame, deren Tod nicht gleich bemerkt wurde. −Foto: Tierschutzverein Neuburg

Von Mathias Petry

Eine Szene so anrührend wie traurig zugleich: Fast zwei Wochen lang muss eine alleinstehende alte Frau tot in ihrer Wohnung in Schrobenhausen in Oberbayern gelegen haben. Ihr Hund Toby wich ihr dabei nicht von der Seite.

Offenbar hatte die Frau lange Zeit niemand vermisst, wie der Donaukurier berichtet. Als sie schließlich doch als vermisst gemeldet wurde, verschafften sich Polizeibeamte Zugang zur Wohnung - und dann machte ihnen die Treue des Hundes zu seiner Besitzerin zu schaffen. „Toby ließ die Beamten nicht an sein Frauchen heran und bewachte es regelrecht“, erzählt Gerd Schmidt vom Neuburger Tierschutzverein, der schließlich zu Hilfe gerufen worden war.



Unklar, wie sich Hund selbst versorgte

Mit seiner langen Erfahrung im Umgang mit Tieren gelang es ihm schließlich, den trauernden, verwirrten Hund, aus der Situation herauszunehmen. Wie sich herausstellte, scheint Toby tatsächlich an die zwei Wochen unversorgt allein mit der verstorbenen Frau in der Wohnung gewesen zu sein. Wie sich der Schnauzer selbst am Leben hielt, ist auch Gerd Schmidt ein Rätsel. „Wir haben Toby mit zu uns ins Tierheim genommen, und ich kann berichten, dass er erstmal gefressen hat wie ein Scheunendrescher“, erzählt er. Er und sein Team schenken dem Hund viel Zuwendung, denn verstanden hat er die Situation allemal. „Sowas geht nicht spurlos an einem Hund vorbei“, weiß Schmidt.

Er und seine Kolleginnen und Kollegen vom Tierheim in Neuburg erleben so etwas nicht zum ersten Mal. „Tatsächlich passiert das immer wieder“, sagt er. Unvergessen die alte Frau mit 22 Pudeln vor einigen Jahren in Königsmoos (Landkreis Neuburg-Schrobenhausen), die ebenfalls tagelang tot in ihrer Wohnung lag.

Rat an Haustierbesitzer: Vorsorgen

Gerd Schmidt hofft, dass Tierbesitzer auch an die treuen Gefährten denken, wenn sie sich ihren Alltag organisieren. Ideal wäre es natürlich, wenn es jemanden gäbe, der im Falle eines Falles nach dem Rechten sieht. Es muss ja auch gar nicht immer gleich so schlimm sein wie in diesem Fall jüngst in Schrobenhausen. Zum Beispiel kann es beim Einkaufen zu einem Unfall kommen. Schmidt: „Und wenn dann jemand bewusstlos im Krankenhaus liegt und niemand Bescheid weiß ...“ Und was, wenn jemand wirklich zurückgezogen mit seinen Tieren lebt? „Auch das ist ja gar nicht so selten“, weiß Gerd Schmidt. „Wir machen das Angebot, dass man mit uns redet, uns informiert, weil wir verhindern wollen, dass Tiere im Zweifel verhungern.“

Bei Toby kam es so weit am Ende nicht. Er ist nun gerettet, wird liebevoll wieder aufgepeppelt und auf ein Leben ohne sein geliebtes Frauchen vorbereitet.