Einsatz im Krisengebiet

Hochwasserkatastrophe: Rettungskräfte aus der Region helfen vor Ort

17.07.2021 | Stand 17.07.2021, 12:38 Uhr

Das Bundesland Rheinland-Pfalz hat am Samstagmorgen umfassende Einheiten aus Bayern angefordert. Gegen Mittag machen sich 125 Einsatzkräfte auf den Weg ins Krisengebiet. −Foto: BRK

Von Verena Roider

Tote, Vermisste und zerstörte Häuser in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. In Bayern blieben die Fluten dieses Mal aus. Nun unterstützen bayerische Rettungskräfte - auch aus der Region.

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„Edelweiß“-Hubschrauber der bayerischen Polizei sowie Luftrettungsspezialisten des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) unterstützen die Hubschrauberstaffel in Rheinland-Pfalz bereits seit Tagen bei der Bergung von Menschen aus den Hochwassergebieten.



Hilfe kommt auch von der Wasserwacht Oberbayern: „Unser Wasserrettungszug Oberbayern auf dem Weg nach NRW“:



Auch die BRK Wasserwachten im Landkreis Berchtesgadener Land und Bergen sind Teil des Wasserrettungszuges Oberbayern. „Unsere mobile Schnelleinsatzgruppe befindet sich aktuell im Einsatz in NRW“, schreibt die Wasserwacht Ortsgruppe Bergen am Freitag auf Facebook. Die Einsatzkräfte waren am Donnerstagabend alarmiert worden.



Auch nach Nordrhein-Westfalen rückten bayerische Hilfskräfte am Freitagmorgen aus. So hat das BRK mit knapp 80 Einsatzkräften überschwemmte Gebiete erkundet, nach Fahrzeugen und auch nach Ertrunkenen gesucht, heißt es in einer Pressemitteilung des BRK vom Samstag.



Die 34 Kräfte des unterfränkischen Wasserrettungszugs der Wasserwacht Bayern haben sich mittlerweile auf die Rückreise gemacht. „Sie kehren körperlich unversehrt zurück“, so BRK-Sprecher Sohrab Taheri-Sohi am Samstag. Der oberbayerische Wasserrettungszug mit 43 Einsatzkräften bleibt vorerst in Nordrhein-Westfalen in Abrufbereitschaft. Darunter sind auch Kräfte der Wasserwacht Ingolstadt, wie der Donaukurier berichtet.



Am Samstagmorgen hat das Land Rheinland-Pfalz um 6.30 Uhr schließlich umfassende Einheiten aus Bayern angefordert, heißt es von Seiten des BRK. Über 125 Einsatzkräfte - alle aus Unterfranken - machten sich am frühen Mittag mit rund 50 Fahrzeugen auf dem Weg ins Schadensgebiet.



In erster Linie gehe es um die Versorgung der Bevölkerung und darum, die zusammengebrochene Infrastruktur teilweise wiederherzustellen, sagte BRK-Sprecher Sohrab Taheri-Sohi. So seien unter anderem vier mobile Behandlungseinheiten mit Fahrzeugen sowie Sanitäterinnen und Sanitäter unterwegs, die zum Beispiel kleine Krankenhauszelte errichten könnten.

Auch das THW hat 60 Einsatzkräfte aus Bayern zur Unterstützung nach Nordrhein-Westfalen gesandt. Einsatzkräfte aus den Ortsverbänden Obernburg, Lohr am Main, Naila, Erlangen, Kronach und Kirchehrenbach bilden eine Einheit mit leistungsstarken Großpumpen zur Bekämpfung des Hochwassers im Raum Köln. „Die Helferinnen und Helfer des THW kämpfen seit Tagen mit allen Mitteln gegen Wassermassen und schwere Überflutungen im Süden und Westen Deutschlands“, heißt es auf der Facebook-Seite des THW. „Bergungsgruppen retten Menschen aus ihren Wohnungen, Fachkräfte sichern die Trinkwasserversorgung, Baufachberatende stabilisieren Häuser mit Spezialgerät.“



Die Johanniter-Unfall-Hilfe in Schwandorf, der Johanniter Unfall Hilfe Ortsverband Schwarzenfeld und der Johanniter-Unfall-Hilfe aus Nürnberg haben sich ebenfalls auf den Weg nach Köln gemacht, um die Einsatzkräfte vor Ort zu unterstützen:



In der Region zeigen sich Feuerwehren bestürzt über das Unglück und trauern um die verstorbenen Kameraden in Nordrhein-Westfalen:



Vor Ort ist die Lage nach wie vor dramatisch. Mehr als zwei Tage nach dem Unglück werden immer noch Menschen vermisst. Während die Zahl der Toten nach den verheerenden Fluten im Westen Deutschlands steigt, versuchen sich die Menschen in den betroffenen Regionen ein Bild zu machen.

Durch das Abfließen der Wassermassen werden die von den Fluten angerichteten Schäden an Ahr und Mosel sichtbar. Auch die Infrastruktur hat schweren Schaden genommen: In dem besonders stark betroffenen Landkreis Ahrweiler sind Straßen gesperrt und Brücken zerstört, der Zugverkehr ist in Rheinland-Pfalz wegen der Überflutungen weiterhin massiv beeinträchtigt. Hunderte Rettungskräfte sind auf der Suche nach Toten, Verletzten und Vermissten. Bei dem Schadensausmaß sei mit weiteren Opfern zu rechnen, sagte ein Polizeisprecher am Samstagmorgen. „Der Einsatz läuft auf Hochtouren.“

Im nordrhein-westfälischen Wassenberg an der Grenze zu den Niederlanden wurde nach dem Bruch eines Damms der Rur der Stadtteil Ophoven evakuiert. Rund 700 Anwohner waren davon betroffen. Die Lage war am frühen Morgen laut Mitteilung der Stadt weiter angespannt.

− dpa