Bürgermeisterin beklagt Frauenfeindlichkeit in Politik

22.05.2021 | Stand 25.05.2021, 5:34 Uhr

Sven Hoppe/dpa/Archivbild

Die Zweite Münchner Bürgermeisterin Katrin Habenschaden (Grüne) beklagt Frauenfeindlichkeit in der Politik: «An den Strukturen hat sich nicht wirklich etwas geändert», sagte sie der «Süddeutschen Zeitung» (Samstag). Die Gesellschaft habe sich zwar weiterentwickelt. «Aber in der Politik ist da noch ein weiter Weg zu gehen.»

Als Beispiel nannte sie, wie über die Kanzlerkandidatur der Grünen-Parteivorsitzenden Annalena Baerbock gesprochen werde. Es sei schnell in die Richtung gegangen, «nach ihrer Mutterschaft und Vereinbarkeit mit dem Posten zu fragen», sagte Habenschaden. Schnell sei ihr die Regierungsfähigkeit abgesprochen worden. «Da haben wir noch dieselben Strukturen der Machtmänner, die in tradierten Rollenklischees denken und selbstbewussten, klugen, fähigen Frauen die Qualifikation absprechen.»

Die Zeitung hatte für das Interview fünf ehemalige und aktuelle Münchner Bürgermeisterinnen zusammengeholt, die eine insgesamt zu männlich geprägte Kultur in der Kommunalpolitik kritisierten. Eine Oberbürgermeisterin hat es in der bayerischen Landeshauptstadt bislang noch nicht gegeben.

«Allein die kinderbetreuungsfeindlichen Zeitstrukturen müssen geändert werden», forderte Sabine Csampai, die vor rund 30 Jahren erste Bürgermeisterin in München wurde. «Diese von Männern dominierte Tendenz, ewig zu reden, Sachen in die Länge zu ziehen, um sich selber wichtig zu machen - anstatt zu einem vernünftigen Zeitmaß bei Gesprächen zu finden.»