Bayern will bei Impfungen flexibler und schneller werden

28.06.2021 | Stand 29.06.2021, 23:33 Uhr

Boris Roessler/dpa/Symbolbild

Obwohl sich die Experten über die Infektionsgefahr ohne vollständigen Corona-Impfschutz einig sind, hat das allgemeine Interesse am rettenden Pieks nachgelassen. Das hat viele Gründe.

Mit mehr Flexibilität und mehr Impfstoff soll in Bayern das Tempo bei den Corona-Impfungen über den Sommer möglichst hoch gehalten werden. Nicht zuletzt wegen der sich auch im Freistaat immer weiter ausbreitenden Delta-Variante dürfe es im Sommer keine «Impfflaute» geben, sagte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Montag nach einem Impfgipfel in der Staatskanzlei in München. Einen Impfzwang in Deutschland schloss er weiterhin aus.

Mit Blick auf die Impfung von Jüngeren betonte Söder zudem, dass dies «unter Abwägung der Risiken und Chancen» eine «durchaus lohnenswerte Option ist». Für unter 18-Jährige gibt es derzeit keine allgemeine Impfempfehlung in Deutschland, für unter 12-Jährige gibt es noch gar keinen zugelassenen Impfstoff.

Ärzte berichteten vermehrt davon, dass die Impfbereitschaft abnehme, sagte Söder. Der eine oder andere wolle in den Urlaub fahren, immer wieder würden Termine abgesagt. «Wir spüren bei dem einen oder anderen eine Müdigkeit.» Es gelte aber weiterhin: Die Pandemie sei noch nicht vorbei, gerade die Delta-Variante bleibe für Ungeimpfte - und damit besonders für Kinder und Jugendliche - eine große Herausforderung. Es sei auch zu befürchten, dass in den Ferien wegen geschlossener Arztpraxen weniger Menschen eine Impfung erhielten.

Um die Impfwilligen besser erreichen zu können, die bisher noch kein Angebot erhalten hätten, soll noch in dieser Woche auch in den Impfzentren jegliche Priorisierung aufgehoben werden. Bislang war nur in Arztpraxen die Impfung für alle Menschen freigegeben. «Es darf kein Impfstoff übrig bleiben», sagte Söder. Sollten Ärzte oder Praxen Impfstoffe nicht benötigen oder abrufen, müsste dies künftig sofort gemeldet werden, damit das ungenutzte Vakzin dann direkt an die Impfzentren weitergegeben werden könne.

Bis zum Beginn der Sommerferien in Bayern Ende Juli sollen laut Söder 70 Prozent der Menschen im Freistaat mindestens eine Corona-Impfung erhalten haben. Zum Impfplan gehöre auch, dass bis Ende Juli 50 Prozent der Bevölkerung bereits die Zweitimpfung erhalten haben sollten. Bis Ende September sollten dann 85 Prozent der über 18-Jährigen einen vollständigen Impfschutz haben.

Bisher seien in Bayern rund 11 Millionen Impfungen durchgeführt worden, sagte Söder. Bayern war aber in den vergangenen Wochen vor allem bei den Erstimpfungen im Vergleich der Bundesländer ins Hintertreffen geraten. Mit knapp 51 Prozent liegt Bayern hier auf dem vorletzten Platz. Mit 35 Prozent bei den vollständigen Impfungen liegt Bayern in dieser Statistik im Mittelfeld. Ein Grund dafür war die Fokussierung auf Zweitimpfungen, da die Lieferungen mit den Impfstoffen zuletzt bundesweit ins Stocken geraten waren.

Generell fühlt sich der Freistaat bei der Verteilung der Impfstoffe unter den Bundesländern aber ungerecht behandelt. Bayern liege bei der Verteilung, gerechnet auf 100 000 Einwohner, auf Platz sieben unter den Ländern, sagte Söder. Die Verteilgerechtigkeit müsse erhöht werden, jedes Bundesland müsse auf 100 000 Einwohner gerechnet gleich viel Impfstoff bekommen.

Söder räumte aber ein, dass bei der Verteilung des Impfstoffs auch innerhalb Bayerns nicht alles perfekt gelaufen sei. Vor allem der Impfstoff von Astrazeneca gehe «nicht weg wie warme Semmeln». Nach Angaben von Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) werden in den kommenden Wochen deutlich mehr Impfstoff erwartet werde.

Söder unterstrich die Forderung, die Impfzentren in Bayern auch über den September hinaus zu erhalten. Bund und Länder sind sich in dem Punkt wegen der Finanzierung noch nicht einig. Söder kündigte daher an, dass die Impfzentren in Bayern «auf jeden Fall» erhalten bleiben sollten. Es wäre ein Fehler, sie aus der Impfstrategie «herauszubrechen», zudem sehe er die Gefahr, dass bei einer Schließung das Personal abwandere.

Söder und Holetschek riefen den Bund und die Ständige Impfkommission auf, sich zum Thema Kreuzimpfungen mit zwei verschiedenen Impfstoffen klarer zu positionieren. Kreuzimpfungen könnten die Akzeptanz des Impfstoffs von Astrazeneca verbessern und zugleich helfen, die Abstände zwischen den beiden Spritzen zu reduzieren. «Das Ziel muss sein, endlich die Intervalle von zwölf auf acht oder in einigen Fällen vielleicht sogar auf sechs Wochen zu verkürzen», sagte Söder.