Bayern will Anbindehaltung bei Kühen hinter sich lassen

20.05.2021 | Stand 22.05.2021, 8:43 Uhr

Patrick Seeger/dpa/Archivbild

Auf 14.000 Höfen in Bayern stehen Kühe noch immer angebunden im Stall und haben kaum Auslauf. Nach dem Willen der Staatsregierung soll damit Schluss sein. «Mehr Tierwohl, weniger Tiere», lautet das Motto.

Mehr Freiheit für Bayerns Kühe: Der Freistaat will aus der ganzjährigen Anbindehaltung aussteigen. Das kündigte Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) am Donnerstag bei ihrer Regierungserklärung im Landtag in München an. «Mehr Tierwohl statt mehr Tiere wird für viele Höfe das Motto der Zukunft sein», sagte die Ministerin.

Wie auch bei der Zuchtsauhaltung soll die Förderung zur Umstellung von Anbinde- auf Laufstallhaltung von 30 auf 40 Prozent erhöht werden, wie Kaniber sagte. Noch immer hielten 14.000 Betriebe ihre Kühe in Anbindehaltung. Dies sei umso erstaunlicher, als die staatliche Förderung für eine solche Haltung bereits seit drei Jahrzehnten nicht mehr existiert.

«Wir brauchen den Ausstieg aus der ganzjährigen Anbindehaltung, und zwar so schnell wie möglich», sagte die Ministerin. «Mehr Platz pro Tier, mehr Tiere auf Stroh, mehr Auslauf», gab sie als Motto vor. Dafür sei der Freistaat bereit, im Endausbau 50 Millionen Euro an Förderung jährlich einzuplanen.

Sie machte deutlich, dass so rasch wie möglich auch auf Zuchtviehtransporte in Drittländer verzichtet werden müsse. «Geschöpfe Tausende Kilometer zu transportieren - das wollen wir unseren Tieren nicht mehr antun», sagte Kaniber. Moderne Besamungstechniken und künstliche Befruchtung müssten stattdessen noch besser genutzt werden. Die Züchter würden nicht alleine gelassen, um einen freiwilligen Ausstieg zu beschleunigen.

Beim Verzicht auf Pflanzenschutzmittel habe es große Erfolge gegeben, sagte Kaniber. In diesem Jahr - das erste Jahr mit einem neuen Förderangebot nach dem Volksbegehren zum Schutz von Insekten - hätten rund 2400 konventionell wirtschaftende Betriebe auf mehr als 46 000 Hektar Fläche auf den Einsatz von Herbiziden verzichtet. «Das ist ein überaus erfolgreicher Start. Das wird und muss aber noch mehr werden», betonte die CSU-Politikern.

Kaniber wies daraufhin, dass inzwischen in Deutschland acht Millionen Menschen auf Fleisch in ihrer Nahrung verzichten, 1,3 Millionen Menschen ernährten sich vegan. Der Markt für Bio-Produkte wachse, darauf müsse sich die Landwirtschaft einstellen. «Ob Fleisch- oder Insekten-Burger, ob Kuhmilch oder Hafer-, Soja- oder Leguminosen-Drink: Wir schreiben den Menschen nicht vor, was sie essen sollen», sagte die Ministerin. «Aber wir wollen, dass ihre Lebensmittel aus Bayern kommen.»

Gleichzeitig machte sie sich für eine stärkere Verwendung einheimischen Holzes beim Bau etwa für Klimaschutz-Häuser aus. Bayern sei das Waldland Nummer eins, könne aber beim Bau mit Holz, insbesondere beim Geschossbau, noch zulegen. Bei staatlichen Bauten solle künftig im Regelfall in Holzbauweise gebaut werden. Ein Förderprogramm im Volumen von rund 15 Millionen pro Jahr solle Anreize für Privatleute.

Kaniber bekam neben Kritik auch Lob aus der Opposition. «Ich freue mich sehr, dass die Ministerin alle unsere grünen Ideen aufgenommen hat», sagte Gisela Sengl (Grüne). Ihr Fraktionskollege Ludwig Hartmann wies darauf hin, dass jahrzehntelange CSU-Politik ein falsches Agrarsystem geschaffen und unterstützt habe, das nun von den Landwirten korrigiert werden müsse. «Wie konnte es nur soweit kommen, dass sie jetzt in einem Agrarsystem gefangen sind, in dem sie kaum noch eine Zukunft sehen?» Die Ursache liege im politisch gewollten System des «Wachsens oder Weichens», das klar die Handschrift der CSU auf allen politischen Ebenen trage.