„Haben eine Welt zu retten“
Letzte Generation demonstriert in Regensburg – und kommt bald wieder

22.05.2024 | Stand 23.05.2024, 7:49 Uhr |

Gegen 17 Uhr betraten die Aktivisten die Straße vor den Arcaden. Sie demonstrierten bis kurz nach 18 Uhr. Foto: Philip Hell

Rund 30 Aktivisten der Letzten Generation haben am frühen Mittwochabend auf der Friedenstraße demonstriert. Ihr Protest richtete sich vor allem gegen eine Anklage der Staatsanwaltschaft Neuruppin (Brandenburg). Die Behörde wirft Vertretern der Klimaschutz-Gruppe vor, eine kriminelle Vereinigung gebildet zu haben.



Angemeldet war die Demonstration nicht. Die Polizei war schnell zur Stelle und gewährte den Teilnehmern schlussendlich eine gute Stunde Zeit, um auf der Straße ihre Versammlungsfreiheit auszuüben. Die Friedenstraße war von 17 Uhr bis etwa 18.15 Uhr gesperrt. Der Verkehr wurde in dieser Zeit umgeleitet.

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Yannick Seuthe, Aktivist der Letzten Generation, betonte mit Blick auf die Anklage in Neuruppin in einer kurzen Rede: „Dieser Paragraf wurde mal geschaffen, um Mafia-Strukturen zu verfolgen.“ Die Anklage gegen die Letzte Generation diene nur dazu, friedlichen Protest zu kriminalisieren. „Wir machen das, weil wir der Klimakatastrophe nicht länger zusehen können.“ Global agierende Unternehmen zerstörten seit geraumer Zeit den Planeten, so Seuthe. „Statt diese Konzerne vor Gericht zu stellen, werden die Überbringer der Botschaft angeklagt.“

Letzte Generation: Aktivist steht am Donnerstag in Regensburg vor Gericht



Seuthe steht am Donnerstag selbst in Regensburg vor Gericht, dabei geht es um mehrere Straßenblockaden im vergangenen Jahr. Ihm wird Nötigung vorgeworfen. Er erwarte „irgendwas zwischen Freispruch und ein paar Monate Haft.“

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Immer wieder wurden die Aktivisten während ihrer Versammlung von Passanten oder aus vorbeifahrenden Autos angepöbelt oder beleidigt. Zum Teil wurden ihnen Stinkefinger gezeigt. Leonardo Jost, Mitglied der Gruppe Scientist Rebellion, sagte in seinem Beitrag, dass die Anklage der Staatsanwaltschaft Neuruppin „ein fatales Zeichen für zivilgesellschaftliches Engagement“ sei. Manchmal habe er das Gefühl, dass es in Zeiten wie diesen wenig Aussicht auf eine gute Zukunft gebe. „Mir macht es aber Hoffnung, dass es Menschen gibt, die gegen diese Katastrophe aufstehen.“ In der gegenwärtigen Situation brauche es Ehrlichkeit von der Politik. „Wir haben eine Klimakatastrophe – und die löst sich nicht dadurch, dass wir einfach so weitermachen.“ Es werde anstrengend, diese Situation zu bewältigen. „Wir werden auf manche Sachen verzichten müssen.“ Wenn das jedoch ehrlich kommuniziert werde, seien die Menschen bereit, diesen Verzicht hinzunehmen. „Wir haben eine Welt zu retten und wir haben nicht mehr viel Zeit.“

Aktivisten kommen bald wieder



Ronja Künkler sprach darüber, dass die Letzte Generation zur Europawahl antritt. „Wir wollen den Protest ins Parlament bringen.“

Die Aktivisten kündigten auf der Demonstration an, in der kommenden Woche erneut auf die Straße zu gehen.