Urteil am Dienstag in Regensburg erwartet

Tödliches Spiel: Mann bringt seine eigenen Kinder um

15.05.2021 | Stand 15.05.2021, 7:16 Uhr

−Symbolbild: dpa

Ein Mann tötet im Landkreis Straubing-Bogen Sohn und Tochter. Der Staatsanwalt wirft ihm Mord vor. Am Dienstag soll es in Regensburg ein Urteil geben.



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Es sollte ein Spiel sein und wurde für zwei Geschwister zur tödlichen Falle: Ein Mann spielt in seiner Wohnung in Schwarzach (Landkreis Straubing-Bogen) seinen Kindern gegenüber einen Polizisten, der sie fesseln müsse. Die Kinder lassen das bereitwillig mit sich machen - dann zieht ihnen der Vater eine Tüte über den Kopf und erwürgt sie. Für die Tat muss er sich vor dem Landgericht Regensburg verantworten. Der Staatsanwalt wirft ihm Doppelmord vor, der Verteidiger geht von zweifachem Totschlag aus. Am Dienstag (18. Mai) will die Strafkammer ihr Urteil verkünden.

Die Kinder hätten nicht arg- und wehrloser sein können, sagte Oberstaatsanwalt Thomas Rauscher in seinem Plädoyer. Er spricht vom „schlimmstvorstellbaren Vertrauensbruch“. Nachdem der Deutsch-Serbe die Kinder mit Kabelbindern gefesselt hatte, waren sie ihm ausgeliefert. Der Ankläger erinnerte an die Aussage des Vaters, nach der dieser seine Kinder gleichzeitig erwürgt habe. Eines mit der linken, eines mit der rechten Hand. Zehn bis 15 Minuten soll das gedauert haben. Ein qualvoller Tod, so der Oberstaatsanwalt. Er forderte lebenslange Haft für den Vater.

Motiv des Mannes: Macht- und Besitzwille

Rauscher sah neben dem Mordmerkmal der Heimtücke auch niedrige Beweggründe als gegeben an. Das Motiv des Mannes seien Macht- und Besitzwille gewesen. Nach der Trennung von der Mutter der Kinder habe der Mann ihr und ihrem neuen Partner den acht Jahre alten Sohn und die sechsjährige Tochter nicht überlassen wollen. Mit der Tat habe er sich an der Mutter rächen wollen, die ihn ein halbes Jahr zuvor vor die Türe gesetzt hatte. Einmal mehr hatte sich der Mann in einer Disco betrunken, Leute angepöbelt und zudem mit ihrem Auto einen Unfall gebaut. Außerdem habe er mit einer anderen Frau angebandelt. Für die Mutter der zwei Kinder sei das Maß voll gewesen.

Relativ schnell habe sich danach ein geregelter Kontakt zwischen dem Vater und den Kindern eingespielt, berichtete der Oberstaatsanwalt. Während des ersten Corona-Lockdowns 2020 seien Sohn und Tochter dann über mehrere Wochen am Stück beim Vater gewesen. Das habe den Kindern durchaus gefallen, weil der Vater rund um die Uhr für sie da gewesen sei. Der Vater habe ihnen - anders als es die Mutter gemacht hätte - keine Hausaufgaben oder Lernen abverlangt.

Letztlich habe der Vater gar seinen Job verloren, weil er wegen der Kinder nicht mehr bei der Arbeit erschien. So funktioniere das Leben nun einmal nicht, sagte Rauscher. Die neue Frau habe ihm zuvor bereits eine Abfuhr erteilt gehabt. Es sei eine Abwärtsspirale gewesen, aber selbst verschuldet. Der Arbeitgeber habe ihm überdies angeboten, später bei ihm wieder anfangen zu können - eine Zukunftsperspektive.

Oberstaatsanwalt sieht klaren Tatvorsatz

Internetsuchen des 37-Jährigen belegen, dass er sich schon vier Tage vor der Tat mit der Tötung seiner Kinder befasste. Die Mutter habe damals nachdrücklich verlangt, dass er Sohn und Tochter zu ihr bringe. Mehrfach habe der Mann den Termin dafür verschoben gehabt, einmal mehr wäre das nicht gegangen. Im Internet recherchierte er nach Begriffen wie: „Kinder mit Tüte ersticken“ und „stirbt man schnell, wenn man erwürgt wird“. Aus Sicht des Oberstaatsanwaltes zeigt das den klaren Tatvorsatz des Mannes.

Zwar habe der Mann auch nach Suizidmöglichkeiten an der Donau in Straubing gegoogelt und sei nach der Tat von einer Brücke gesprungen. Jedoch nahm der Ankläger dem Mann nicht ab, dass er tatsächlich habe sterben wollen. Der Sprung von der Brücke sei nicht zwingend tödlich.

Verteidiger Uwe Grabner forderte - „im Zweifel für den Angeklagten“ - 14 Jahre Haft wegen zweifachen Totschlags. Er sah keine Mordmerkmale als verwirklicht an und sagte, es sei nicht auszuschließen, dass der Vater den Tötungsvorsatz erst gefasst habe, nachdem er die Kinder gefesselt hatte. Zudem hätten die Kinder möglicherweise ihren Vater durch gutes Zureden von der Tat abhalten können. Das Motiv sei in der persönlichen Situation - etwa dem Jobverlust - und in der dissozialen Persönlichkeit des Mannes zu finden, nicht aber in einer Bestrafung der Mutter. Das Geständnis und dass sich der Mann nach dem Sprung in die Donau der Polizei stellte, seien zu seinen Gunsten zu werten.