Ostbayern

Schon wieder Greifvögel vergiftet - mit verbotenem Insektizid

23.05.2021 | Stand 23.05.2021, 16:00 Uhr

−Symbolbild: LBV-Zentrum Mensch und Natur Cham/dpa

Immer wieder werden Wildtiere vergiftet oder mit illegalen Fallen getötet. Vor allem Greifvögel geraten ins Visier von Wilderern. Jetzt ist es in Ostbayern wieder passiert.



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Die Serie von Giftanschlägen auf Wildvögel in Ostbayern geht weiter: Am Wochenende wurden dort erneut zwei Fälle bestätigt, wie die Polizei am Sonntag mitteilte. Es handele sich um zwei Greifvögel, die schon im Februar in einem Waldstück in Schwarzhofen (Landkreis Schwandorf) gefunden worden waren.



Untersuchung ergab: Vögel verendeten qualvoll



Laut nun vorliegender toxikologischer Untersuchung verendeten die Tiere qualvoll, nachdem sie einen Giftköder gefressen hatten. Der Landesbund für Vogelschutz zeigte die Fälle am Samstag auf Grundlage der Untersuchungsergebnisse an, wie die Polizei mitteilte. Bei dem Gift soll es sich um ein Insektizid handeln, das in Europa seit Jahren verboten ist.

Immer wieder geraten Vögel in das Visier von Wilderern. Tierschützer sehen einen Trend nach oben - auch weil solche Fälle heute eher überhaupt registriert werden als noch vor einigen Jahren. Allein in Bayern wurden in den vergangenen zwei Jahren Dutzende Wildtiere illegal getötet. Das geht aus einem Report des Projektes „Tatort Natur“ hervor, der Mitte April vorgestellt wurde.







Der Bericht listet für die Jahre 2019 und 2020 insgesamt 75 gemeldete Fälle mit 121 getöteten Wildtieren aus 17 geschützten Arten auf. Die Dunkelziffer liege aber „sicher um ein Vielfaches höher“, schreibt die Autorin der Studie, Franziska Baur.

Im Landkreis Cham wurde den Angaben zufolge 2019 ein ganzer Schwarm Stare mit dem in der EU verbotenen Insektizid Carbofuran vergiftet. Der Report dokumentiert ebenso den Abschuss eines Baumfalken, der dann auch noch „provokant an einem Baum kopfüber aufgehängt“ worden sei.



Vermutete Motive sind unterschiedlich



Die vermuteten Motive der Tiertöter sind unterschiedlich. Beim Töten der Greifvögel könne es beispielsweise darum gehen, den eigenen Tierbestand zu schützen.

In diesem Jahr gebe es eine wirkliche Häufung an Fällen bei Greifvögeln, sagte Andreas von Lindeiner vom Landesbund für Vogelschutz (LBV) kürzlich.

In den vergangenen zehn Jahren wurden nach Angaben der Erfassungs- und Dokumentationsstelle für Greifvogelverfolgung und Artenschutzkriminalität (EDGAR) mit Sitz in Bonn deutschlandweit weit mehr als 1000 illegale Tötungen von Wildvögeln registriert. Die Dunkelziffer sei bei Vogel-Wilderei hoch.

Die meisten Fälle wurden laut EDGAR in Nordrhein-Westfalen gemeldet - gefolgt von Bayern mit 185 Fällen und mehr als 450 getöteten Wildvögeln.

− dpa