Soziales im Kreis Regensburg

Schicksalsschlag bringt Familie in Nittendorf in Geldnot

20.09.2022 | Stand 21.09.2022, 6:26 Uhr
Isolde Stöcker-Gietl

Ein Bild aus glücklichen Tagen: Ein Schicksalsschlag hat die Nittendorfer Familie Hecht aus der Bahn geworfen. Sohn Justin (hinten, 2. v. r.) ringt in Chemnitz um sein Leben. −Foto: Hecht

Von Isolde Stöcker-Gietl

Justin, zweitältester Sohn von Christiane und Daniel Hecht aus Nittendorf, liegt im Chemnitzer Klinikum im künstlichen Koma. Der 21-Jährige war leblos unter einer Eisenbahnbrücke gefunden worden. Seiner Familie hat die Nachricht von der Verzweiflungstat den Boden unter den Füßen weggezogen.




Wenn es Ihnen nicht gut geht oder Sie daran denken, sich das Leben zu nehmen, versuchen Sie, mit anderen Menschen darüber zu sprechen. Das können Freunde oder Verwandte sein. Es gibt aber auch eine Vielzahl von Hilfsangeboten, bei denen Sie sich melden können. Die Telefonseelsorge ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr erreichbar. Die Telefonnummern sind 0800/111 0 111 und 0800/111 0 222. Informationen findest du unter: www.telefonseelsorge.de




Es ist Samstagabend, der 10. September. Der Hochsommer ist vorbei. Die Temperaturen liegen nur noch knapp um die 20 Grad, es nieselt leicht in Chemnitz. An einem Eisenbahn-Viadukt an der Autobahn 4 beobachtet eine Spaziergängerin einen jungen Mann, der sich seit geraumer Zeit dort aufhält. Sie hat kein gutes Gefühl und ruft die Polizei. Doch die Beamten treffen nicht mehr rechtzeitig ein. Das alles erfährt Familie Hecht aus Nittendorf Stunden später. Seitdem ist nichts mehr, wie es war.

Die Hechts sind eine quirlige Familie. Fünf Buben haben Christiane und ihr Mann Daniel großgezogen. Eine eingeschworene Gemeinschaft, wie auf Fotos in den Sozialen Netzwerken zu sehen ist. Nun liegt Justin, ihr zweitältester Sohn, im Chemnitzer Klinikum im künstlichen Koma. Dort wurde der 21-Jährige hingebracht, nachdem er leblos unter der Eisenbahnbrücke gefunden worden war. Das bestätigt die Polizeidirektion in Chemnitz. Wegen der Hintergründe sei der Fall aber nicht öffentlich gemacht worden, so ein Sprecher zu unserer Zeitung. Die Familie sagt, dass Justin erst wenige Tage zuvor zu Besuch in Nittendorf war. Es sei ihm nach einer Trennung nicht gutgegangen. Wie es wohl wirklich in ihm aussah, habe er vor ihnen geheim gehalten.

Organe schwer geschädigt

Der Nittendorfer Familie hat die Nachricht von der Verzweiflungstat den Boden unter den Füßen weggezogen. Dass er sich nicht habe helfen lassen, belastet sie sehr. Doch jetzt drehen sich die Gedanken um seinen instabilen Gesundheitszustand. „Wir wissen immer noch nicht, ob er das überleben wird. Die Ärzte sagen, dass es sich wohl diese Woche entscheidet“, sagt Felix, der jüngere Bruder von Justin. Er habe Hirnblutungen erlitten, die in einer Notoperation gestoppt werden konnten. Doch auch die Organe des jungen Mannes wurden schwer geschädigt, er hängt an der Dialyse. Die Querschnittslähmung sei irreparabel, haben die Ärzte mitgeteilt. Zur Stabilisierung des Beckens und der Wirbelsäule ist für diesen Mittwoch eine risikoreiche Operation anberaumt. Jetzt hat der 21-Jährige zusätzlich noch Fieber bekommen, eine Lungenentzündung könnte sich anbahnen.

Die Hoffnung zählt

„Wir wissen nicht, was kommt. Ob wir Geld für seine Pflege oder für seine Beerdigung brauchen“, sagt sein Bruder. Felix’ Onkel und Christiane Hechts Bruder Stefan Schmidt hat die Sprecherrolle in der Familie übernommen. Für die Eltern sei es momentan unglaublich schwer, sagt Felix. Denn zu den Sorgen um den geliebten Sohn kommen nun auch finanzielle Probleme. Christiane Hecht weicht seit eineinhalb Wochen nicht von Justins Seite. Ihr Mann pendelt zwischen den zwei noch zu Hause lebenden Jungs in Nittendorf und der Intensivstation in Chemnitz hin und her. Die Kosten für die Chemnitzer Unterkunft, das Benzin – das alles geht massiv ins Geld. Verwandte haben in den vergangenen Tagen finanziell ausgeholfen. Doch das ist bislang nur die Spitze des Eisbergs, denn das, was noch auf die Familie zukommt, übersteigt auch deren Möglichkeiten. Deshalb hat Stefan Schmidt, der Bruder von Christiane Hecht, mit seiner Lebensgefährtin Jeannette Buchelt eine Spendenaktion ins Leben gerufen und über die Sozialen Netzwerke verbreitet.

„Ich möchte mit dieser Aktion einfach als großer Bruder meiner Schwester und ihrer Familie so gut es geht zur Seite stehen und ihr zuflüstern: Macht euch keine Sorgen, wir bekommen das Alles hin.“ Mehr als die finanziellen Sorgen kann aber auch er ihnen nicht nehmen.

Es ist der Wunsch der Hechts, dass das Geld Justin zugute kommt. Noch können sie nicht sagen, wofür sie es brauchen werden. Das hängt von der weiteren Entwicklung ab, sagt Felix. Wenn sein Bruder sich so weit stabilisiert, dass er im Rollstuhl zu seiner Familie ziehen kann, kommen Umbaumaßnahmen auf sie zu. Vielleicht muss er auch in einer Pflegeeinrichtung untergebracht werden. „Oder er stirbt und wir müssen ihn überführen und beerdigen“, spricht er das schlimmste denkbare Szenario an, das der Familie bevorstehen könnte.

Die kommenden Stunden und Tage werden entscheidend sein, haben die Ärzte ihnen gesagt. Und so leben sie weiter zwischen Hoffen und Bangen. „Für uns als Familie ist es wichtig, am Ende alles gegeben zu haben, was man in so einer Situation geben kann“, sagt Felix. Sie gehen den Weg, den Justin wählen wird.

Hilfe:

Familie Hecht ist derzeit dringend auf Spenden angewiesen.


Das betrifft sowohl die aktuellen Kosten für Fahrten und Unterkunft in Chemnitz als auch die noch nicht absehbare weitere Entwicklung und damit verbundene finanzielle Aufwendungen.
Spendenkonto: Targo Bank, DE77 3002 0900 3250 158483, Konto-Inhaberin Jeannette Buchelt. Bitte als Verwendungszweck „Hilfe für Justin“ angeben. Online-Spenden sind möglich unter www.spendenseite.de „Hilfe für Justin und Familie“.