Im ländlichen Raum

ÖPNV genau dann, wenn man ihn braucht – IHK-Verkehrsausschuss diskutierte Chancen für Bedarfsverkehre

17.03.2021 | Stand 18.03.2021, 16:55 Uhr

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Ein flächendeckendes ÖPNV-Angebot ist in den meisten Städten fast schon eine Selbstverständlichkeit. Wie aber sieht es auf dem Land damit aus? Darüber diskutierte der Verkehrsausschuss der IHK Regensburg für Oberpfalz/Kelheim in seiner jüngsten virtuellen Sitzung.

Von IHK Regensburg/Pressemitteilung

Regensburg. „Das eigene Auto wird auf dem Land weiterhin das dominierende Verkehrsmittel bleiben. Wir sehen aber gute Chancen, dass der ÖPNV mit innovativen Konzepten stark an Attraktivität gewinnen kann“, sagte Ausschussvorsitzender Manfred Fichtl. Beispiele für solche Konzepte stellten Dr. Thomas Huber, Leiter innovative Verkehrskonzepte bei DB Regio Bus und Josef Brandner, Geschäftsführer der Flexibus KG aus Krumbach vor. „Ein flächendeckender ÖPNV ist auch jenseits der Zentren wünschenswert. Mit klassischen Linien ist er aber entweder nicht attraktiv oder nicht bezahlbar“, fasste Fichtl zusammen.

Bedarf schafft besseres Nutzen-Kosten-Verhältnis

Thomas Huber von DB Regio Bus zeigte auf, dass es auch auf dem Land starke Linienverkehre gebe. Er sieht im Bedarfsverkehr eine ideale Ergänzung, um ein ÖPNV-Netz flächendeckend anzubieten. Digitale Vernetzung über Mobilitäts-Apps, Bedarfsverkehre wie etwa Rufbusse und bald auch autonome Busse böten Möglichkeiten, die intelligent ineinandergreifen und zusammen mit klassischen Buslinien eine echte Alternative zum Individualverkehr schaffen könnten. Ein erfolgreiches Beispiel dafür präsentierte Josef Brandner, der bereits seit über 25 Jahren mit seinem Flexibus in Schwaben unterwegs ist. Wesentlicher Vorteil des Bedarfsverkehrs sei das bessere Nutzen-Kosten-Verhältnis. „Natürlich kostet auch der Flexibus Geld. Ein flächendeckendes Netz von Linienverkehren wäre aber deutlich teurer“, so Brandner.

Der Verkehrsausschuss der IHK war sich in der anschließenden Diskussion einig, dass das Thema Kosteneffizienz der Hebel sei, um auch im ländlichen Raum alle Beteiligten für einen attraktiven ÖPNV ins Boot zu holen. „Bedarfsverkehre können auf dem Land sogar wirtschaftlicher sein, als wenn man sie in der Stadt anböte“, rechnete Mobilitätsexperte Huber vor. Dennoch seien auch sie nicht eigenwirtschaftlich zu betreiben. Das sei die Krux – ohne öffentliche Förderung gehe es nicht. Damit die neuen Konzepte auf die Straße kommen, reicht aus Sicht der Verkehrswirtschaft die derzeitige Projektförderung nicht aus. „Die aktuelle ÖPNV-Finanzierung muss auch innovative Konzepte einschließen, damit sie langfristig finanzierbar sind. Andernfalls werden es sich Politik und Verwaltung zweimal überlegen, ob sie auf eine innovative Eintagsfliege setzen, die sie in ein paar Jahren wieder einstellen müssen“, schob Fichtl nach.