Alltaghelfer bei zunehmender Altersblindheit

25.02.2021 | Stand 25.02.2021, 13:05 Uhr

Foto: Dassel über Pixabay

Die Diagnose altersabhängige Makuladegeneration trifft Betroffene erst einmal schwer. Sie fragen sich: Wie soll ich meinen Alltag meistern, wenn meine Sehkraft immer weiter abnimmt? Zum Glück gibt es zahlreiche Hilfsmittel, um lange unabhängig zu bleiben.

Die altersabhängige Makuladegeneration, kurz AMD, ist in der westlichen Welt der häufigste Grund für Altersblindheit. Es handelt sich um eine chronische Erkrankung der Netzhaut, bei der die zentrale Sehschärfe der Augen ganz oder teilweise verloren gehen kann. AMD tritt ab einem Alter von 50 Jahren auf.

Es gibt zwei Formen dieser Erkrankung: Die trockene AMD verläuft eher langsam und ist nicht therapierbar. Zwischen 10 und 15 Prozent der Fälle entwickelt sich aus der trockenen eine feuchte AMD, die weitaus schneller voranschreitet. Früh erkannt lässt sich ihr Verlauf allerdings stark verlangsamen. Dazu muss in regelmäßigen Abständen ein Medikament direkt ins Auge verabreicht werden.

Hilfsmittel für mehr Unabhängigkeit Doch was, falls das Sehvermögen bereits abgenommen hat? Wenn die Bilder zusehends schwammiger werden und die Zahlen oder Buchstaben unscharf erscheinen? Das stellt die Betroffenen täglich vor große Herausforderungen. Wie ein selbstständiges Leben dann noch gut möglich ist, wissen die Experten der Selbsthilfevereinigung PRO RETINA. Wolfgang Schweinfurth, stellvertretender Vorsitzender des Arbeitskreises Barrierefreiheit und Mobilität, hat beispielsweise diesen Tipp parat, um weißes Geschirr gut zu erkennen: „Liegt eine dunkle, kontrastfarbige Tischdecke oder ein entsprechendes Platzdeckchen unter dem Geschirr, hilft das sehr. Um Restaurantbesuche stressfreier zu gestalten, lohnt es sich, einen dunklen Untersetzer für das Glas mitzunehmen – so können Unfälle mit umgekippten Getränken vermieden werden.“

Doch das sind kleine Hürden. Was tun, wenn man die Heizung höher drehen möchte, ohne Hilfe in Anspruch zu nehmen? Oder einen Kuchen backen möchte? Experte Schweinfurth rät: „In bestimmten Bereichen muss alles seine Ordnung, also seinen festen Platz haben – sonst ist die Person mit der Sehbehinderung aufgeschmissen. Gerade in der Küche ist das wichtig, damit ein selbstständiges Kochen möglich ist.“

Andere Lösungen sind entweder erstaunlich einfach oder hochtechnisiert. Einige Beispiele: •Gutes Licht kann die schwindende Sehleistung verbessern. Welche Beleuchtung sich am besten eignet, ist jedoch individuell unterschiedlich – wie hell oder dunkel muss das Licht sein, welche Höheneinstellung blendet oder blendet nicht? •Umrandungen mit bunten Klebestreifen helfen, weiße Lichtschalter auf weißen Wänden zu erkennen. •Sehbehinderte können kleine erhabene Punkte als Markierungen an technischen Geräten wie Herd und Waschmaschine anbringen. •Eine Küchenwaage mit Sprachausgabe und eine sprachgesteuerte Mikrowelle unterstützen beim Kochen. •Wenn Markierungspunkte auf der Kurzwahltasten des Telefons nicht reichen, lässt sich auf ein Festnetztelefon mit Sprachsteuerung zurückgreifen. •Der Computer kann via Sprachsteuerung weiterhin bedient werden. •Das Internet ist dank barrierefreier Angebote nutzbar. •Lesehilfen gibt es als analoge und elektronische Lösungen. Handlupen, Bildschirmlesehilfen sowie Vorlesegeräte, die per Scanner Texte einlesen und sprachlich wiedergeben, sind nur einige der Alltagshelfer. Besonders für unterwegs eignet sich die Kamera OrCam, die sich an einem der Brillenbügel anbringen lässt und dann Produkte und Personen identifiziert.

Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen empfohlen Bei aller Unterstützung im Alltag sollte das Ziel stets sein, eine drohende Altersblindheit aufgrund einer AMD so lange wie möglich hinauszuzögern. Je früher die Augenkrankheit erkannt wird, desto eher und länger kann der Augenarzt die Sehfähigkeit und damit die Selbstständigkeit des Patienten erhalten. Der Berufsverband der Augenärzte rät deshalb zu regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen. Wird dann eine feuchte AMD diagnostiziert, kann sofort mit der Therapie begonnen werden. Sie wirkt allerdings nur, wenn sie dauerhaft und somit lebenslang durchgeführt wird.

Quelle: Dassel über Pixabay