Immer öfter beschimpft und attackiert

Zugbegleiter als Zielscheibe: Gewerkschaft will wachrütteln

27.06.2021 | Stand 27.06.2021, 21:10 Uhr

Was Zugbegleiter immer wieder zu hören bekommen, hat der DGB nun auf Plakate drucken lassen. Auf einem Poster gegenüber des Bahnhofs steht etwa: „Ich bringe dich sicher ans Ziel. Und du nennst mich Wichser?“ EVG-Mann Rudolf Frank kritisiert dieses niveaulose Verhalten einiger Fahrgäste. −Fotos: Häusler

Von Christoph Häusler

Von einer Zugbegleiterin, die eine Ohrfeige kassiert, und einem Schaffner, der getreten wird, berichtet Rudolf Frank. Er machte am Wochenende in Plattling (Landkreis Deggendorf) aufmerksam.



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Der Lokführer, Betriebsrat bei DB Regio Bayern und Vertreter der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) hat am Freitagnachmittag mit Gewerkschaftern und Betroffenen auf das Thema „Gewalt gegen Beschäftigte des öffentlichen und privatisierten Sektors“ aufmerksam gemacht. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) fordert in einer Kampagne das Ende dieser Entwicklung und stellt entsprechende Forderungen, die Arbeitnehmer schützen sollen.








Gewerkschaft fordert mehr Personal



Das Plakat hinter Frank, zu sehen gegenüber des Plattlinger Bahnhofs, spricht ihm aus der Seele. Der DGB setzt dabei auf eine drastische Wortwahl, lässt ein Schimpfwort abdrucken. Ein Wort, das beispielsweise Zugbegleiter zu hören bekommen, wenn sie angefeindet werden: „Wichser!“ In dieser Deutlichkeit müsse man dieses Problem zum Thema machen, betont Frank, der immer wieder – und immer häufiger – mit solchen Fällen konfrontiert wird.

Er sieht mehr Personal und eine Doppelbesetzung der Schaffner als geeignete Lösungsstrategie. Die Realität: Streckenabhängig kontrolliert an manchen Tagen niemand die Fahrscheine, weil eben ganz bewusst kein Personal dafür eingeteilt wird.


„Früher wurde man mit Respekt behandelt, heute wird man beschimpft“



Susanne Ritzinger, ebenfalls EVG-Vertreterin, arbeitet seit 1990 als Zugbegleiterin. Beim DGB-Pressetermin trägt sie die Uniform der Deutschen Bahn. „Früher wurde man mit Respekt behandelt, heute wird man beschimpft“, erzählt sie. Die Entwicklung in den vergangenen Jahren sei erschreckend, bei der Durchsetzung der Maskenpflicht komme es besonders oft zu Konflikten. Auch sie spricht sich für mehr Personal und für mehr Bundespolizisten aus, um Sicherheit zu schaffen.
Seit 25 Jahren arbeitet Stefan Ruschitschka hauptberuflich beim BRK. Er wird gerufen, um zu helfen. Doch selbst Menschen, die jemandem das Leben retten wollen, werden attackiert. „Das ist ein gesamtgesellschaftliches Problem“, stellt er dazu fest. Und zwar eines, das auch im Landkreis Deggendorf seine Kreise zieht. Ruschitschka nimmt Beleidigungen nicht persönlich. Diese richten sich seiner Meinung nach stets gegen die Uniform, sprich gegen die Deutsche Bahn, gegen die Polizei, gegen den Staat. Ein Patentrezept sehe er ebenso wenig wie eine bessere Entwicklung in naher Zukunft. Die Vergehen zu ahnden, wäre schon mal ein guter Anfang, meint er.


DGB: Viele Fälle werden gar nicht erfasst



Niederbayerns DGB-Geschäftsführer Andreas Schmal und DGB-Kreisvorsitzender Thomas Müller sehen als Ursachen des Problems den „zu schmalen Staat“, „schlechte Arbeitsbedingungen“ und „die verrohte Gesellschaft“. Sie fordern unter anderem ein flächendeckendes Präventionsprogramm für Mitarbeiter, um bei Konflikten richtig handeln zu können, ein Hilfsangebot für Betroffene und verlässliche Zahlen. Denn zahlreiche Fälle würden gar nicht erfasst.
Gewalt und Angst am Arbeitsplatz dürfen nicht an der Tagesordnung eines Arbeitnehmers stehen. Mit dieser Kampagne will der DGB Arbeitgeber und Politiker in die Pflicht nehmen und das Problem entschärfen.