Pflanzen- und Tierarten zählen

„Wiesenschafftler“ werden: Projekt für Landwirte in Straubing-Bogen

14.10.2021 | Stand 14.10.2021, 13:04 Uhr

Standardisiertes Vorgehen: Auf den Beobachtungsflächen wird ein Mittelpunkt markiert. Rund um diesen Mittelpunkt wird mit Hilfe einer fünf Meter langen Schnur ein kreisförmiger Bereich festgelegt. In diesem Bereich können bis zu fünf Zeigerpflanzen beobachtet werden. Die genaue Individuenzahl wird durch den teilnehmenden Landwirt einmal im Jahr gezählt und auf einem Beobachtungsbogen eingetragen, so das Landratsamt. −Foto: Martina Kiermaier

Mit fünf Landwirten aus den Gemeinden Parkstetten, Geiselhöring, Wiesenfelden und Laberweinting ist heuer das Projekt „Wiesenschafftler-Landwirt“ im Landkreis Straubing-Bogen gestartet.

Wie das Landratsamt in einer Pressemeldung informiert, handelt es sich dabei um ein landkreisübergreifendes Projekt der niederbayerischen Biodiversitätsberatung. In dessen Rahmen werden vorab festgelegte Zeigerpflanzen auf artenreichen Wiesen durch die Landwirte, die die Flächen auch bewirtschaften, gezählt.

Zur besseren Vergleichbarkeit der Ergebnisse werde dabei nach einem standardisierten Verfahren vorgegangen. Das jährliche Beobachten der Pflanzenarten ermögliche dann Rückschlüsse auf den Zustand und die Entwicklung artenreichen Grünlands im Landkreis sowie Zusammenhänge unter anderem mit der Bewirtschaftung.

Vorbild aus Österreich

„Wiesenschafftler-Landwirt“ ist an das österreichische Vorbild „Biodiversitätsmonitoring mit Landwirt/innen“ angelehnt, heißt es weiter. Durch das Erfassen der Pflanzen soll das Augenmerk der beteiligten Landwirte und der Bevölkerung auf die Schutzwürdigkeit und die Ökologie artenreicher Wiesen gelenkt werden. „Man lernt seine Flächen noch besser kennen und setzt sich noch intensiver mit der Umwelt auseinander“, zieht ein teilnehmender Landwirt ein Fazit.

„Es hat sich gezeigt, dass mehr als 40 verschiedene Pflanzenarten auf artenreichen Wiesen nebeneinander vorkommen können. Der große Blütenreichtum lockt dann auch entsprechend viele Insekten an. So entstehen richtige Biodiversitäts-Schwerpunkte“, betont Martina Kiermaier, Biodiversitätsberaterin am Landratsamt Straubing-Bogen, die Bedeutung von artenreichem Grünland.

Bei einer Teilnahme am Projekt werden die Landwirte von den zuständigen Biodiversitätsberatern an den Landratsämtern auf ihren eigenen artenreichen Wiesen zum „Wiesenschafftler“ geschult. Der Name setzt sich treffenderweise zusammen aus „Wiesen schaffen“, „Wissenschaft“ und „gschaftln“ im positiven Sinne. Zum einen schaffen und erhalten die Landwirte mit einer naturschonenden Bewirtschaftung ihrer Wiesen einen wertvollen Lebensraum. Zum anderen liefern sie mit ihren Beobachtungen wichtige Anhaltspunkte, wie sich unterschiedliche Bewirtschaftungsformen auf die Entwicklung und den Artenreichtum von Wiesen auswirken können.

Weitere Teilnehmer gesucht

Die niederbayernweite Koordination für das Projekt übernimmt Anja Dichtl an der Höheren Naturschutzbehörde der Regierung von Niederbayern: „In insgesamt fünf niederbayerischen Landkreisen konnten heuer Landwirte für das Projekt gewonnen werden. Einige von ihnen beobachten neben Pflanzen- auch Tierarten wie zum Beispiel die Ankunft und die Nesterbelegung der Schwalben.“

In den kommenden Jahren sind weitere Teilnehmende gesucht. Interessierte Landwirte mit artenreichen Wiesen aus dem Landkreis Straubing-Bogen können sich gerne unter 09421/973306 näher informieren. Interessenten aus dem Stadtgebiet können sich an die Biodiversitätsberaterin der Stadt Straubing, Anna Stöttner, unter 09421/94482198 wenden.

− red