Polizei warnt nach Gesetzesänderung

Pornografische Daten auf Handy: Immer mehr Fälle in Niederbayern

16.07.2021 | Stand 16.07.2021, 11:54 Uhr

−Symbolbild: dpa

Immer häufiger hat es die Polizei in Niederbayern mit pornografischen Inhalten auf Handys zu tun. Die Täter nicht selten: Jugendliche. Die Polizei warnt - und rechnet mit einem weiteren Anstieg.



Während 2019 im Bereich des Polizeipräsidiums Niederbayern insgesamt 206 Pornografiedelikte angezeigt wurden, waren es für das vergangene Jahr 160 Fälle mehr (+ 78 Prozent). 103 Tatverdächtige sind nach Angaben der Polizei unter 14 Jahre alt. Häufig sei der Grund für das Versenden und Weiterleiten von strafrechtlich relevantem Bild- und Videomaterial „Unwissenheit oder kaum vorhandene Medienkompetenz der Generation Smartphone“, berichtet die Polizei am Freitag.







Ein einziger Klick in einer WhatsApp-Gruppe könne „schwerwiegende Konsequenzen“ haben, heißt es von Seiten der Polizei. „Jeder, der solche Dateien besitzt oder verbreitet, läuft Gefahr, sich seine Zukunft zu verbauen.“ Die Fallzahlen in der Region seien bereits durch die letzte Novellierung des Sexualstrafrechts nach oben gegangen. Weil seit 1. Juli ein neues Gesetz gilt, befürchtet man bei der Kripo nun einen weiteren Anstieg der Fallzahlen. Bereits jetzt seien die Ermittler nahezu täglich beim Vollzug von Durchsuchungsbeschlüssen im Einsatz, sagt Kriminaldirektor Werner Mendler, Leiter der Kriminalpolizeiinspektion Landshut. „Es ist zu befürchten, dass die neue Gesetzesverschärfung zu einer weiteren Zunahme der Verfahren führen wird.“



„Schon durch einen Klick kann man zum Verbrecher werden“



So wurden etwa Taten, die bisher lediglich den Tatbestand der Beleidigung auf sexueller Grundlage erfüllten, den neu geschaffenen Tatbeständen im Bereich des Sexualstrafrechts zugeordnet. Andere Delikte, etwa die Verbreitung, der Erwerb oder der Besitz von Kinderpornografie, wurden zu Verbrechenstatbeständen mit einer Mindeststrafe von einem Jahr. Bereits der Besitz von einem einzigen kinderpornografischen Bild oder Video kann so mit einer Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr geahndet werden, heißt es vom Polizeipräsidium Niederbayern. Die Strafe entspreche in etwa dem Strafmaß für einen Raub oder eine schwere Körperverletzung. Nach einer Gesetzesverschärfung für den Besitz von kinderpornografischen Dateien warnen Polizei und Kripo: „Schon durch einen Klick kann man zum Verbrecher werden.“



Polizei: Unübersichtliche Mitgliedschaft in Chatgruppen prüfen



Deshalb rät die Polizei:



- Nutzer sollen prüfen, ob eine Mitgliedschaft in unübersichtlichen Chatgruppen notwendig ist.

- Die automatische Speicherung von Bild- und Videodateien deaktivieren.

- Das tatsächliche Alter von Gesprächspartnern im Internet kritisch hinterfragen.

- Eltern sollen die richtige Balance zwischen der Privatsphäre und dem Schutz ihrer Kinder finden.

- Hat ein Nutzer eine solche Datei bekommen, sollen die Inhalte nicht gelöscht, sondern die Polizei informiert werden. Man solle in die betroffene Gruppe schreiben, dass man sich von derartigen Inhalten distanziert und die Gruppe nach Anzeigenerstattung verlassen.

- Bei pädophilen Neigungen solle man sich an Hilfsorganisationen wie „Kein Täter werden“ wenden.



Spur aus den USA führt in den Landkreis Landshut



Oftmals werden die Vergehen über das „National Center for Missing & Exploitet Children“ in den USA bekannt. Laut Polizei sind US-amerikanische Internetdienstleister verpflichtet, entsprechende Bilddaten und die daraus resultierenden Straftaten zu melden. „Die Meldung derartiger Fälle an deutsche Ermittlungsbehörden führt auch immer häufiger in ganz Niederbayern zu entsprechenden kriminalpolizeilichen Ermittlungsverfahren und Wohnungsdurchsuchungen“, berichtet die Polizei. So sei vor wenigen Wochen ein 20-Jähriger aus dem Landkreis Landshut ins Visier der Ermittlungsbehörden geraten. Er stehe im Verdacht, seit mehreren Jahren zahlreiche kinderpornografische Dateien gesammelt und verbreitet zu haben. Die Auswertung der sichergestellten Datenträger dauere noch an. Der 20-Jährige befindet sich seit Juni in Untersuchungshaft.



Auch Strafunmündigen drohen „erhebliche Kosequenzen



Michael Krickl, Leiter der Kripo Passau, gibt zu bedenken, dass hinter den Bildern reale Opfer Leid erfahren haben. Die Kripo Passau werde diesen Arbeitsbereich personell verstärken, um die Anzeigen mit Nachdruck verfolgen zu können, so Krickl. Und eines sei auch klar, betont die Polizei: Auch bei Strafunmündigen drohen „erhebliche Konsequenzen“. So werden Handys, auf denen verbotene Inhalte gefunden wurden, eingezogen. Zudem bekommen die Anschlussinhaber - in der Regel die Eltern - Probleme: Gegen sie wird ein Durchsuchungsbeschluss beantragt.

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