Straubing-Bogen

Nach Hofumstellung auf Heumilch: Die Arbeit trägt Früchte

„Besser kann eine Milch nicht schmecken“

18.06.2022 | Stand 18.06.2022, 20:38 Uhr

Biokönigin Annalena I. (re) gratuliert der Familie Berl zu ihrem Erfolg. −Foto: mel

Im Jahr 2014 stellte Markus Berl seinen Biohof auf Heumilch um und erntet nun die Früchte harter Arbeit.



Eine Idee, ein Wunschtraum. Ein Bauernhof, auf dem es den Tieren gut geht. Einer, auf Heumilch erzeugt wird, die auch dem Menschen wohltut. Markus Berl hat lange darüber nachgedacht, ob sich dieser Plan in die Tat umsetzen lässt. Und es dann einfach gemacht. Das war im Jahr 2014. Heute, acht Jahre später, trägt die unfassbar viele Arbeit Früchte. Seine A2-Urmilch ist eines der drei besten Bio-Produkte in Bayern und hat Gold bekommen. Seinen Tieren geht es prächtig. Und auch die Familie ist glücklich. In Thanhof in der Gemeinde Ascha ist ein Paradies für Mensch und Tier entstanden. Eigene Käserei inklusive.

Es sieht aus wie ein Stillleben. Im Inneren des Biohofes der Familie Berl in Ascha befindet sich eine große Fläche, die mit Stroh bedeckt ist. Darauf fläzen sich die Milchkühe. Sie liegen genüsslich im Freien und beobachten ruhig und entspannt die Besucher. Hin und wieder steht eine der Damen auf und geht rein – in den Stall – oder auch wieder raus auf die Freifläche. Auch auf der Grasweide gegenüber des Hofes ein Idyll. Ein Dutzend Kühe verschiedener Rassen kauen gemütlich am grünen Gras oder lassen einfach den leichten Regen auf ihren Rücken prasseln. Zwei Tiere haben sich jenseits des Zaunes ein bisserl verselbstständigt, hauen aber nicht ab. Warum auch? Kaum irgendwo lässt es sich besser leben als auf dem Berlhof.

Würziger Duft aus dem Hofladen

Markus Berl und seine Frau Sonja sowie die Kinder Max, Moritz und Ludwig sind zufrieden. Aus dem Hofladen zieht ein würziger Duft. Verschiedene Käsesorten mischen sich zu einer olfaktorischen Sinfonie, die leichtes Magenknurren verursachen könnte, hätte die Familie nicht ein kleines Buffet aufgebaut mit Käsespießen, mit Frischkäse liebevoll bestrichenen Broten und kleinen Gläschen mit Joghurt. Es gibt Grund zu feiern. Die A2-Urmilch, die seit einigen Jahren produziert wird, ist eines von nur drei Gold-Produkten beim Wettbewerb „Bayerns beste Bioprodukte“ der Landesvereinigung für den ökologischen Landbau und hat die Jury überzeugt – in harter Konkurrenz mit zahlreichen verschiedenen anderen Produktkategorien. „Mehr Luft nach oben gibt es nicht bei einem Produkt“, urteilt die Bayerische Biokönigin Annalena I. über die Urmilch. „Und besser kann eine Milch nicht schmecken.“

Wie Markus Berl erläutert, unterscheidet diese von herkömmlicher Milch in der Zusammensetzung der Kaseine im Eiweißanteil der Milch. A2-Urmilch stammt von Kühen, die eine unveränderte Variante der natürlichen Vollmilch geben. Sie gilt als besonders bekömmlich und verträglich und soll durch ihren vollmundigen Geschmack an die „Milch von früher“ erinnern. Der Landwirt erklärt, dass die Produktion dieser A2-Milch durchaus mit viel mehr Aufwand verbunden ist. Wenn die Kühe zum Melken gebracht werden, dann müssen sie „sortiert“ werden. Denn nicht jedes Tier gibt auch A2-Urmilch – ob ja oder nein, liegt in den Genen. Die Fähigkeit kann durch einen Test nachgewiesen werden. Berl züchtet gezielt mit Rindern, die diese genetische Disposition haben. Wer A2 gibt, hat eine Glocke um den Hals. So sind die Kühe zu unterscheiden.

„Ohne Fleiß kein Preis“

Keiner hat gesagt, dass es leicht ist, Erfolg zu haben. Das Sprichwort trifft eins zu eins auf den Berlhof zu. Als Sohn Markus, eines von fünf Kindern von Johann und Christa Berl 2014 bei der Hofübergabe seine Pläne erstmals artikulierte, aus dem Biobetrieb einen Heumilchbetrieb zu machen, war Mutter Christa erstmal skeptisch. Nicht, weil sie nicht geglaubt hat, dass ihrem Sohn das gelingen würde. Sondern wegen der vielen Arbeit, die sie auf die Familie zukommen sah. „Wir wollten es ihm ausreden. Heute sind wir so stolz“, gibt sie lächelnd zu. Dennoch, sie sieht, dass Markus und Sonja beinahe Tag und Nacht arbeiten. Zwei bis drei Stunden Schlaf pro Nacht, mehr geht oft nicht.

Die Tiefschläge, die bei einem neuen Projekt immer wieder kommen, lächelt Markus Berl heute trotzdem einfach weg. Seine Sonja hat mit ihm immer Höhen und „krasse Tiefen“ geteilt, sagt er. Auch das Käsemachen musste er erst perfektionieren. Blauschimmel-, Paprika-, Butter-, Cheddar oder Chilikäse, alles gar nicht so einfach herzustellen. „Man lernt aus Fehlern“, sagt er bescheiden und öffnet die Tür zu seiner blitzsauberen Molkerei. „Ich hätte eh eine Milchkammer bauen müssen, dann hab ich mir gedacht, bau ich gleich eine Molkerei“, sagt er mit einem Augenzwinkern. Nebenan lagern die Käselaibe in Regalen. Sie brauchen tägliche Betreuung, damit sie zum vollen Geschmack reifen können. Für Frischkäse und Joghurt ist Sonja zuständig.

Fernsehkoch Lucki Maurer ist Fan

Die Familie Berl hat einen überaus prominenten Fan. Das ist Star- und Fernsehkoch Lucki Maurer. Markus und Lucki kennen sich schon lange. Nach einem Direktvermarkter-Seminar haben sie zusammen einen Kaffee getrunken, und sie haben von ihren Ideen erzählt. Lucki von seiner, auf seinem Hof in Schergengrub japanische Rinder zu züchten. Markus davon, wie er Heumilch erzeugen und davon die Familie ernähren möchte. Als der rothaarige Starkoch mit Affinität zu Heavy-Metal-Musik danach zu seiner Frau Stephanie nach Hause kam, hat er zu ihr gesagt: „Ich habe heute einen echten Freak kennengelernt.“ Umso begeisterter ist der Chef des Spitzenrestaurants „Stoi“, dass das Ganze funktioniert. Und inzwischen kommt auch im „Stoi“ Käse aus Ascha auf den Tisch. „Nicht wenige Spitzenköche, die zu mir kommen, fragen mich, woher ich diesen wahnsinnigen Käse habe. Ich sag dann: Ja mei, den macht ein Freund von mir.“ Dabei hat der „Fleischpapst“ das Entstehen dieser Milchprodukte auch immer kritisch begleitet. „Der Kaas muss no mehr stinga“, hat Maurer zu Berl gesagt. „Moanst?“, war dieser erst skeptisch und dann überzeugt, und heute stinkt der Käse genau im richtigen Maß.

Markus Berl war der Erste, der Heumilch erzeugt hat in der Region. Und das ist nicht immer leicht. Die Ämter und Fachstellen mussten überzeugt werden. „Manchmal gab’s schon krasse Rückschläge“, sagte er. Doch wenn er heute auf seine rund 60 Kühe blickt und seinen Hofladen, ist er zufrieden. Dass die Direktvermarktung so gut funktioniert, hätte er sich nie gedacht. Drei Teilzeitkräfte in der Käserei und zwei Milchausfahrer hat er mittlerweile angestellt. Zurücklehnen will er sich nicht. „Wir geben keine Ruhe“, sagt er. Es wird also auch in Zukunft Neues aus Ascha geben: „Weil es einfach a Freud macht.“

− mel