Kahle Felder

Graugänse machen Landwirten zu schaffen - Maßnahmen gefordert

07.06.2021 | Stand 07.06.2021, 15:02 Uhr

Unscheinbar sehen die Graugänse aus – doch die Schäden, die sie auf den Feldern hinterlassen, sollen immens und für die Bauern ärgerlich sein. −Foto: Laudi

Graues Gefieder, orangener Schnabel – und, anders als gerne angenommen, alles andere als dumm. Die Graugans bereitet der Landwirtschaft gerade deshalb zunehmend Ärger.

Um dem störrischen Federtier Einhalt zu gebieten und die Ernte zu retten, fordert der Bayerische Bauernverband (BBV) nun ein Maßnahmenpaket zur Abwehr der Gänseflut. Bereits seit einigen Jahren sind die Vögel für Bayerns Landwirte ein leidiges Thema, wie Gerhard Stadler, Präsident des Bayerischen Bauernverbands in Niederbayern, schildert. „In unserer Region Straubing wird es seit drei Jahren zunehmend schlimmer.“

Der Bestand der Graugänse scheint sich nach Auffassung des Bauern zunehmend auszuweiten. „Immer öfter kommt es vor, dass sich mehrere hundert Tiere auf erntereifes Getreide und Saatgut stürzen“, erklärt Stadler. Doch aktuell können Landwirte nicht eingreifen. Denn die Tiere befinden sich in der Brutzeit und dürfen nicht geschossen werden.

Von Nina Schmitzer

Graues Gefieder, orangener Schnabel – und, anders als gerne angenommen, alles andere als dumm. Die Graugans bereitet der Landwirtschaft gerade deshalb zunehmend Ärger.

Um dem störrischen Federtier Einhalt zu gebieten und die Ernte zu retten, fordert der Bayerische Bauernverband (BBV) nun ein Maßnahmenpaket zur Abwehr der Gänseflut.

Bereits seit einigen Jahren sind die Vögel für Bayerns Landwirte ein leidiges Thema, wie Gerhard Stadler, Präsident des Bayerischen Bauernverbands in Niederbayern, schildert. „In unserer Region Straubing wird es seit drei Jahren zunehmend schlimmer.“ Der Bestand der Graugänse scheint sich nach Auffassung des Bauern zunehmend auszuweiten. „Immer öfter kommt es vor, dass sich mehrere hundert Tiere auf erntereifes Getreide und Saatgut stürzen“, erklärt Stadler. Doch aktuell können Landwirte nicht eingreifen. Denn die Tiere befinden sich in der Brutzeit und dürfen nicht geschossen werden.

Kahle Felder und Pflanzenverluste

Die Folge seien längst nicht nur kahle Felder und Pflanzenverluste. „Die Hinterlassenschaften der Graugänse verdrecken Wiesen und Felder – und geraten dadurch schließlich auch ins Nutztierfutter.“ Dass man die Vögel nicht mehr endgültig loswerden könne, damit haben sich die Landwirte bereits abgefunden. „Uns geht es darum, einen Weg zu finden, die Schäden zu begrenzen“, betont Gerhard Stadler.

Viele gängige Maßnahmen gegen die Gänse seien aber nur Mittel auf Zeit. Ein gutes Beispiel seien Schreckschussanlagen. Bereits nach wenigen Tagen würden die Tiere allerdings den Trick durchschauen und feststellen, dass diese keine Gefahr für sie darstellen, erklärt der BBV-Präsident. Eine mögliche Lösung sehe man deshalb in der sogenannten „letalen Vergrämung“, also dem Abschuss einzelner Tiere, um den restlichen Schwarm abzuschrecken. Positive Rückmeldung zu dieser Methode habe man aus dem Altmühltal erhalten. Dort wurde diese Art der Vergrämung getestet. „Dabei würden wir natürlich darauf achten, nur Tiere zu schießen, die keine Jungen großziehen.“

Grundsätzlich sei das zwar möglich, wie Hubert Hofmann, BBV Bezirksgeschäftsführer und Ansprechpartner für Jagdfragen, bestätigt. „Eine solche Ausnahme wurde vom Oberverwaltungsgericht in Nordrhein-Westfalen schon einmal erteilt.“ Jedoch sehe die niederbayerische Regierung derzeit keine Notwendigkeit darin, den gezielten Abschuss in der Schonzeit zu erlauben. Hoffnung setze man daher auf das laufende Forschungsprojekt der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL). „Dabei stechen Experten gezielt Eier in Graugansgelegen an, damit diese nicht mehr ausgebrütet werden“, erklärt Hofmann. Der LfL verspricht sich davon, die Gänsepopulation mehr kontrollieren zu können. „Natürlich wollen wir nicht einfach willkürlich Gänse abschießen. Uns geht es darum, den bestmöglichen Weg zu finden, mit den Tieren leben zu können“, betont Hubert Hofmann.

Auch Schreckschussanlagen helfen nicht

Auf eine baldige Lösung hofft auch Thilo Gültlinger aus Steinach (Landkreis Straubing-Bogen). Der Verwalter eines Saatzuchtbetriebs sagt, er habe bereits alles versucht. Von akustischen Schreckschussanlagen bis hin zu Vogelscheuchendrachen – nichts verjage die Graugänse länger als einige Tage. „Das geht seit rund fünf Jahren so. Mittlerweile sitzen dann schon einmal bis zu 200 Tiere auf unseren Feldern“, erzählt Thilo Gültlinger. Die Folge: abgefressene Grassamen und Schäden im fünfstelligen Bereich. „Wenn ich die Graugänse zumindest für einige Wochen wirksam von unseren Feldern abhalten könnte, wäre unserem Betrieb schon sehr geholfen.“