23 Sekunden Tiefschlaf

ERC Ingolstadt unterliegt Straubing Tigers nach Doppelschlag mit 1:2

20.11.2022 | Stand 21.11.2022, 16:36 Uhr

Kampfbetonte Partie: Vor allem ERC-Torhüter Michael Garteig (unten links) hielt die Panther lange mit herausragenden Paraden auf Siegkurs. Am Ende aber kassierten die Ingolstädter erneut eine Niederlage am ungeliebten Pulverturm und blieben an diesem Wochenende ohne Punkte. Foto: Schindler

Von Julia Pickl

Straubing/Ingolstadt – Der ERC Ingolstadt hat am Sonntagnachmittag das Derby gegen die Straubing Tigers in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) mit 1:2 (0:0, 1:0, 0:2) verloren. Dabei führten die Panther bis zur 49. Minute, mussten dann aber innerhalb von 23 Sekunden zwei Gegentreffer hinnehmen.

Auch eine wunderschön herausgespielte Führung und die bärenstarke Leistung von Torhüter Michael Garteig reichten den Ingolstädtern, die erneut auf ihre Verteidiger Ben Marshall und Mat Bodie verzichten mussten, nicht zum Sieg gegen die heimstarken Niederbayern. Dabei sah es lange so aus, als könnten die Panther mal wieder am Pulverturm jubeln. Doch eine halbe Spielminute machte alle Mühen zunichte und bescherte der Mannschaft von Trainer Tom Pokel den 13. Sieg in den vergangenen 14 Heimduellen gegen den ERC. „Im Endeffekt haben uns zwei Minuten, in denen wir unaufmerksam waren, das Spiel gekostet“, meinte Verteidiger Emil Quaas. „Die Straubinger haben das eiskalt ausgenutzt.“

Die Niederbayern fanden somit nach zwei Niederlagen nach der Länderspielpause wieder in die Spur. Am Dienstag hatten sie sich im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League mit 0:4 gegen Frölunda Göteborg geschlagen geben müssen, am Freitag folgte eine 1:5-Liga-Pleite gegen die Grizzlys Wolfsburg.

Die Ingolstädter ließen die Gastgeber, die auf ihren besten Torjäger Travis St. Denis aufgrund einer Sperre verzichten mussten, in den ersten Spielminuten nicht in die Partie kommen, konnten sich aber auch keine großen Chancen erspielen. Das Derby war geprägt von viel Kampf und jeder Menge Emotionen, die nach zehn Minuten zu einem Handgemenge vor der ERC-Bank führten.

Im folgenden Vier gegen Vier brillierte Panther-Torhüter Garteig mit gleich zwei spektakulären Rettungsaktionen in Folge gegen JC Lipon, der bei einem Konter alleine auf ihn zugelaufen war (11.). Die Tigers schöpften dadurch Selbstvertrauen, doch auch gegen Jason Akeson (16.) und Joshua Samanski (18.) war Garteig souverän zur Stelle.

Nach der Drittelpause erspielten sich die Gäste mehr Chancen. Die Top-Möglichkeiten von Tye McGinn und Daniel Pietta konnte jedoch Straubings junger Goalie Florian Bugl entschärfen (22.). Der erst 20-Jährige lieferte am Sonntag eine ganz starke Partie: Als ERC-Kapitän Fabio Wagner mit viel Geschwindigkeit auf ihn zukam, parierte Bugl souverän mit dem Schoner (25.), bei einem gefährlichen Schuss Wayne Simpsons aus der Drehung reagierte er in Sekundenschnelle (25.). Doch auch der ERC konnte sich auf seinen Rückhalt Garteig verlassen, so im Duell gegen Akeson (23.) wie auch gegen Lipon (29.).

Nach einer halben Stunde folgte der spielerische Glanzpunkt in dieser kampfbetonten Partie – durch Ingolstadts erste Sturmreihe: Charles Bertrand leitete den Angriff mit viel Geschwindigkeit ein, Mirko Höfflin spielte den Puck mit Übersicht quer auf Simpson, der Bugl zum 0:1 überwand (30.).

Die Straubinger waren dadurch gezwungen, fortan offensiver zu agieren, doch Samanskis Schuss endete bei Garteig (12.)., Brandon Mannings Unterzahlkonter am Pfosten (39.). Kurz nach Ablauf der Strafe vergab Simpson 18 Sekunden vor dem Drittelende den zweiten Treffer für den ERC (40.).

Die Straubinger drückten im letzten Abschnitt auf den Ausgleich. Die Panther dagegen wollten die knappe Führung verwalten – und schenkten sie dann innerhalb von 23 Sekunden her: Ian Scheid und Travis Turnbull nutzten den kollektiven Tiefschlaf des ERC und drehten die Partie mit einem Doppelschlag auf 2:1 (49.). Die Gäste hatten sogar Glück, dass Lipon bei einem Unterzahlkonter (53.) und Parker Tuomie (54.) in Überzahl an Garteig scheiterten. Für die Panther blieb nur noch ein Pfostentreffer von Höfflin (56.). „Wir haben es gut gespielt, wir hätten aber höher führen müssen, denn die Straubinger hatten nicht viele Chancen“, meinte Höfflin. „Eigentlich sah das alles ganz gut aus, aber dann haben wir kurz geschlafen und zwei Gegentore kassiert. Das darf nicht passieren.“

Die Panther verloren somit nach dem 2:5 gegen die Adler Mannheim am Freitagabend das zweite Spiel des Wochenendes. Nach der starken Phase im Oktober ist der ERC-Motor etwas ins Stocken geraten: In den vergangenen vier Spielen haben die Ingolstädter neun Punkte liegengelassen. „Wir wussten, dass es hier schwer werden würde, denn Straubing spielt zu Hause wirklich sehr stark“, befand ERC-Trainer Mark French. „Sie haben nach unserem Tor weiter gepusht und konnten unsere Fehler nutzen. Wir hatten noch Möglichkeiten zum Ausgleich, aber die Straubinger haben das souverän verhindert.“

Unterstützung ist allerdings bereits im Anflug: Im Auswärtsspiel am kommenden Freitag bei den Kölner Haien steht den Panthern Neuzugang Stefan Matteau zur Verfügung, der an diesem Montag in der Schanz eintreffen und dem ERC wieder mehr Offensivpower verleihen soll.

DK


Straubing Tigers: Bugl – Kohl, Brandt; Lampl, Manning; Scheid, Bourque; Zimmermann – Lipon, Samanski, Tuomie; Akeson, Connolly, Adam; Turnbull, Brunnhuber, Schönberger; Valenti, Zengerle; Leier.
ERC Ingolstadt: Garteig – Jobke, Edwards; Gnyp, Hüttl; Wagner, Quaas – Bertrand, Höfflin, Simpson; Flaake, Stachowiak, Friedrich; McGinn, Pietta, Storm; Krauß, Brune, Henriquez.
Schiedsrichter: Ansons/Hunnius. – Zuschauer: 4126. – Tore: 0:1 Simpson (30.), 1:1 Scheid (49.), 2:1 Turnbull (49.). – Strafminuten: 8/6.