Vilshofen/Landshut

Vion: Tarifverhandlungen in der Fleischindustrie gehen weiter

30.05.2021 | Stand 30.05.2021, 9:44 Uhr

Warten auf ein Ergebnis: Während in der Fleischindustrie schon mehrere Verhandlungsrunden durchlaufen wurden, hat dem Metzgerhandwerk eine Gesprächsrunde gereicht, um einen neuen Tarifvertrag abzuschließen. −Foto: dpa

Bisher gibt es immer noch keine Einigung, wenn es um die Tarifgespräche in der Fleischindustrie geht. Für die Vion-Mitarbeiter in Ostbayern geht es am 11. Juni in die nächste Runde.



Die Metzger können sich freuen: 30.000 Beschäftigte im bayerischen Fleischerhandwerk bekommen mehr Geld. Doch die Kollegen in der Fleischindustrie müssen noch warten. Da laufen seit rund vier Monaten die bundesweiten Tarifgespräche. Und auch bei Vion, wo parallel mit der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) ein Haustarifvertrag verhandelt werden soll, gibt’s zwar noch kein Ergebnis, aber einen Termin fürs nächste Treffen: 11. Juni.



„Es gab Bewegung. Auch die von Arbeitgeberseite vorgeschlagene Eingruppierung ist ganz ordentlich, was die Facharbeiter aufwärts betrifft. Das Angebot für Hilfs- und Anlernkräfte dagegen ist unmoralisch und würde in Vilshofen etwa die Hälfte der Belegschaft treffen“, sagt Kurt Haberl, 2. Landesbezirksvorsitzender der NGG. Deswegen habe man die Gespräche vertagt.

Von Carmen A. Laux

Bisher gibt es immer noch keine Einigung, wenn es um die Tarifgespräche in der Fleischindustrie geht. Für die Vion-Mitarbeiter in Ostbayern geht es am 11. Juni in die nächste Runde.



Die Metzger können sich freuen: 30.000 Beschäftigte im bayerischen Fleischerhandwerk bekommen mehr Geld. Doch die Kollegen in der Fleischindustrie müssen noch warten. Da laufen seit rund vier Monaten die bundesweiten Tarifgespräche. Und auch bei Vion, wo parallel mit der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) ein Haustarifvertrag verhandelt werden soll, gibt’s zwar noch kein Ergebnis, aber einen Termin fürs nächste Treffen: 11. Juni.

„Es gab Bewegung. Auch die von Arbeitgeberseite vorgeschlagene Eingruppierung ist ganz ordentlich, was die Facharbeiter aufwärts betrifft. Das Angebot für Hilfs- und Anlernkräfte dagegen ist unmoralisch und würde in Vilshofen etwa die Hälfte der Belegschaft treffen“, sagt Kurt Haberl, 2. Landesbezirksvorsitzender der NGG. Deswegen habe man die Gespräche vertagt – auch im Hinblick auf die gerade auf Bundesebene laufende Gespräche zwischen Gewerkschaft und Fleischindustrie.



Haustarifvertrag ausgelaufen




Bei Vion – verhandelt wird der Haustarifvertrag für die bayerischen Standorte Vilshofen, Landshut und Waldkraiburg – ist der bestehende Vertrag zum 1. März ausgelaufen. Seit Anfang des Jahres bemühen sich beide Seiten um eine Nachfolgeregelung. Auf dem Weg in die inzwischen vierte Verhandlungsrunde gab es die üblichen Aufs und auch Abs wie gescheiterte Sondierungsgespräche und Warnstreiks. „Wir sehen beide Seiten nach wie vor auf einem konstruktiven Weg“, sagt Vion-Pressesprecher Thomas van Zütphen zu den Tarifverhandlungen. Jetzt komme es darauf an, inwieweit beide Parteien bereit seien, ihre jeweiligen Bewegungsspielräume auszunutzen.Die Gewerkschaft NGG fordert eine Tariferhöhung von 200 Euro für alle Beschäftigten, was einem Stundenlohn von etwa 12,50 Euro entspräche.

„Über den Einstiegslohn in der untersten Tarifgruppe ist das letzte Wort noch nicht gesprochen“, erklärt Thomas van Zütphen die Sicht von Vion. Ein weiterer Punkt, an dem es noch „hake“: die verschiedenen Entgeltgruppen. Die Gewerkschaft NGG hält an den neun Bewertungsgruppen fest, die bereits für den Standort Vilshofen in einem Werkstarifvertrag gelten. „Vion hat für die Entgeltgruppen ab Bewertungsgruppe 5 eine absolute Lohnerhöhung angeboten sowie eine prozentuale Erhöhung für die Entgeltgruppen 2 bis 4.“ Die Gewerkschaft dagegen fordere eine einheitliche, absolute Erhöhung für alle Entgeltgruppen – unabhängig von den zu verrichtenden Aufgaben beziehungsweise Tätigkeiten in den jeweiligen Gruppen.



„Ausbildung im Handwerk attraktiv“


„Die Verhandlungsparteien wollen nun bis zum 11. Juni Vorschläge ausarbeiten, wie eine absolute Erhöhung so dargestellt werden könnte, dass sie für Vion als verantwortungsvollem Arbeitgeber auch wirtschaftlich umsetzbar bleibt“, so der Pressesprecher. Kurz und knapp dagegen waren die Verhandlungen der Gewerkschaft NGG und des Landesinnungsverbandes des bayerischen Fleischerhandwerks (LIV). Im ersten Gespräch einigte man sich auf Folgendes: Ab 1. Juni steigt der Lohn für Vollzeitkräfte um einheitlich 67 Euro im Monat. Und damit die Branche auch für junge Menschen attraktiv wird, wurde der Lehrlings-Lohn deutlich nach oben geschraubt: Er steigt um 100 Euro im ersten und zweiten Ausbildungsjahr auf 850 beziehungsweise 950 Euro. Im dritten Lehrjahr gibt‘s dann 1100 Euro monatlich. „Damit liegen die Ausbildungsvergütungen im Vergleich zu anderen Handwerksbranchen im oberen Bereich und haben auch gegenüber der Industrie deutlich aufgeholt“, freut sich Kurt Haberl , Verhandlungsführer auf der Gewerkschaftsseite. Zum Vergleich: Schreiner bekommen im ersten Ausbildungsjahr 625 Euro, die Kfz-Branche zahlt 859 Euro, die Elektrobranche 780 Euro pro Monat.
Zufrieden mit dem Verhandlungsergebnis sind auch die Arbeitgeber: „Damit braucht sich das Metzgerhandwerk nicht verstecken. Im Gegenteil – wir zeigen damit, dass eine Ausbildung im Handwerk attraktiv ist und wir mit anderen Branchen sehr wohl mithalten“, sagt Werner Braun, stellvertretender Landesinnungsmeister des Fleischerverbandes Bayern und Vorsitzender der Tarifkommission.