Am Klinikum Landshut

Verletzungen, die einfach nicht verheilen: BFW-Wundambulanz kann helfen

23.11.2022 | Stand 23.11.2022, 15:20 Uhr

Gute Erfahrungen hat Patient Christian Biberger (M.) bei der BFW Wundambulanz unter der Betreuung von Standortleiter Daniel Haberlandt (l.) gemacht. Seine Wunde am Bein hatte er schon 20 Jahre. Der Behandlungserfolg freut auch Geschäftsführer Thomas Fürstberger. Foto: Mühlehner

Über 20 Jahre hat Christian Biberger eine Wunde am Bein ertragen, die einfach nicht heilen wollte. Der Hausarzt des 56-Jährigen habe die Wunde immer wieder verbunden. Geschlossen hat sie sich nicht. Bis der Mann aus Schatzhofen bei Furth im Juli dieses Jahres auf die BFW Wundambulanz aufmerksam geworden ist. Knapp acht Wochen war er dort in Behandlung – dann war Bibergers Wunde zum ersten Mal seit 20 Jahren komplett verheilt.



„Herr Biberger leidet an einer chronischen Venenschwäche“, erklärt Thomas Fürstberger, Geschäftsführer der BFW Wundambulanzen. Er hat früher selbst als Gesundheits- und Krankenpfleger gearbeitet und erklärt: „Eine chronische Venenschwäche bedeutet, dass das Blut aus den unteren Extremitäten nicht mehr richtig zum Herzen zurückfließt.“ Durch den entstandenen Druck kommt es zu Wassereinlagerungen und geschwollenen Beinen. „Da können unscheinbare Wunden durch den Körper als ,Austrittspforte‘ genutzt werden “, so Fürstberger. Das Ergebnis: eine Wunde, die nicht heilt.

Eines der teuersten Probleme im Gesundheitswesen

So wie Christian Biberger geht es vielen Menschen. Der Geschäftsführer der Wundambulanzen vermutet sogar, dass es sich bei chronischen Wunden um eines der teuersten Probleme im Gesundheitswesen handelt. Und: Die große Welle an Patienten kommt erst noch, vermutet auch Daniel Haberlandt, Standortleiter der BFW Wundambulanz in Landshut. Als Gründe nennt dieser den demografischen Wandel und die Zunahme von Wohlstandserkrankungen.

Um diesem Problem entgegenzutreten, hat Thomas Fürstberger 2020 mit den drei Partnern Michael und Daniel Beck sowie Martin Wiester die BFW Wundambulanzen gegründet. Neben Landshut gibt es Standorte in Traunstein und München, an denen jeweils eine Pflegekraft im Einsatz ist. Die Einrichtungen sind zudem bewusst in der Nähe zu einer Klinik angesiedelt.

Das hat einen Grund: „Das Problem ist, dass wir in Sachen chronische Wunden meist keine vernünftige Diagnostik haben“, erklärt Fürstberger. „Das heißt, es wurden die Symptome, aber nicht die Ursache behandelt.“ Dieser wollen die Wundambulanzen auf die Spurgehen – und hier kommt die Zusammenarbeit mit den Kliniken ins Spiel. „Dort ist die nötige Infrastruktur für die Diagnostik vorhanden“, erklärt der Geschäftsführer und nennt die Gefäßchirurgie als Beispiel.

Gleichzeitig sicherten die Wundambulanzen den Erfolg im Prozess der Patientenentlassung. Für den Patienten wird ein Therapiepfad erstellt. Dazu zählt etwa, welches Verbandsmaterial verwendet wird und die Absprache mit dem Hausarzt. Denn durch die fehlende Kontrollinstanz werden in der Klinik erzielte Erfolge oft wieder zunichte gemacht, etwa wenn die Patienten es zu Hause quasi schleifen lassen.

Meist zwei Mal im Monat kommen Betroffene zur Untersuchung in die Wundambulanz. Die restliche Zeit kümmern sich in den häufigsten Fällen Angehörige um das Verbinden, bei Bedarf stellt die Wundambulanz auch den Kontakt zu einem Pflegedienst her. „Wir arbeiten mit den Gesundheitseinrichtungen in der Umgebung zusammen“, betont Thomas Fürstberger.

Wunde nässte und wurde größer, statt zu verheilen

Oft wird bei Abschluss einer Patientenbehandlung ein Kompressionsstrumpf nötig. Einen solchen trägt auch Christian Biberger. „Ich hab mir so mit 35 irgendwie mal das Bein aufgeschürft“, erinnert sich dieser, als er auf der Patientenliege im Behandlungsraum der Wundambulanz in Landshut sitzt. Was eigentlich ein harmloser Kratzer war, wurde bald immer schlimmer. Die Wunde nässte, wurde größer statt sich zu schließen.

„Es war mal besser, mal schlechter“, beschreibt der 56-Jährige die Besuche beim Hausarzt. Knapp 20 Jahre lebte er mit dieser Wunde, die einen großen Teil seines rechten Unterschenkels eingenommen hat. Wenn Daniel Haberlandt, Intensivpfleger und Standortleiter in Landshut, die Wunde heute untersucht, ist dort eine rosafarbene Fläche mit bräunlichen Rändern zu sehen. Trocken und verheilt.

Für Christian Biberger sind damit 20 Jahre voller Strapazen beendet. Das sorgt für tiefe Erleichterung, würde man vermuten. Doch die Antwort ist überraschend verhalten. „Klar ist das gut. Dann brauchst halt nicht mehr so stark aufpassen.“ Biberger lächelt und zuckt mit den Schultern. Für Geschäftsführer Thomas Fürstberger keine ungewohnte Reaktion. „Das ist bei vielen Patienten auch ein psychologischer Schutz. Wenn man über Jahre keine Besserung erfährt, es immer mal besser, dann wieder schlechter wird, da sagen viele: Schauen wir mal, ob es so bleibt.“

Wenn jedoch keine neuen Diagnosen hinzukommen und sich die Patienten an die Vorgaben halten,gebe es aus medizinischer Sicht keinen Grund, warum die Wunde wiederkommen sollte, erklärt der Geschäftsführer. Den Weg zur Wundambulanz hat Christian Biberger durch eine Empfehlung vom Klinikum Landshut gefunden, nachdem er dort behandelt worden war. „Auch die Hausärzte haben ihr Bestes getan“, ist Christian Biberger überzeugt. „Aber man muss auch an entsprechend spezialisierte Kräfte vermitteln.“ Genau dafür sei die BFW Wundambulanz am Klinikum Landshut gegründet worden, sagt der Geschäftsführer. „Wir bieten eine Anlaufstelle für Betroffene und können so auch die ansässigen Hausärzte unterstützen“, ist er überzeugt.

Patientenzahlen haben sich seit Januar verdoppelt

Ihren ersten Partner haben die Wundambulanzen in der AOK Bayern gefunden. Gefördert werden sie zudem vom Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege im Rahmen der Förderung innovativer medizinischer Versorgungskonzepte (IMV). Ziel dabei ist es, dem Ärzte- und Fachkräftemangel in der Pflege entgegenzuwirken. „Anhand der Patientenzahlen lässt sich der Bedarf unserer Einrichtungen ableiten. Seit Januar 2023 haben sich unsere Patientenzahlen mehr als verdoppelt“, sagt Fürstberger. Für ihn ist die Existenz der Wundambulanzen eine Win-Win-Situation für Patient und Gesundheitswesen: „Wir verbessern die Versorgungsstruktur und senken zugleich die Kosten.“