Erste Bilanz

Unwetter setzt Landshut unter Wasser - Hunderte Einsätze in Südostbayern

29.06.2021 | Stand 30.06.2021, 0:23 Uhr

Reißende Wassermassen in Landshut. −Foto: PPM

Von Katarina Cavar

Eine Unwetter-Zelle ist am Dienstagabend über die Region gezogen. Besonders stark getroffen hat es die Stadt Landshut: Hier waren unter anderem große Teile der Innenstadt überflutet.

Auf Facebook kursieren bereits zahlreiche Videos von den Wassermassen im Landshuter Stadtgebiet: Menschen waten durch das hüfthohe Wasser waten und Autos werden weggespült oder völlig durchflutet.

Eines der Facebook-Videos, das die außergewöhnlichen Wassermassen in der Landshuter Altstadt zeigt:



Wie ein Polizeisprecher auf Nachfrage der PNP berichtet, war in Landshut vor allem der Bereich Niedermayersstraße/Kaserneneck betroffen. Hier habe es einen kleinen Murenabgang gegeben und der Bereich wurde stark überflutet. Zum Anpfiff des EM-Fußballspiels Deutschland gegen England zogen Starkregen, Blitz und Donner über die Stadt.

„Ein Unwetter, wie es nur alle fünf bis zehn Jahre vorkommt“

Es gab Sturzbäche, verschlammte Straßen, weggeschwemmte Autos, ausgespülte Gullydeckel, umgestürzte Bäume, vollgelaufene Keller, beschädigte Stromkästen und Öltanks, wie der Lagedienst der integrierten Leitstelle Landshut, Mirko Olzem, die Situation beschrieb. Verletzt wurde nach ersten Erkenntnissen aber niemand. „Das war ein Unwetter, wie es nur alle fünf bis zehn Jahre vorkommt“, ergänzte er.

Große Wassermassen seien innerhalb kürzester Zeit über der Stadt niedergegangen. Zwischen 17.30 Uhr und 20.45 sind Feuerwehr und Rettungsdienst nach Angaben der Leitstelle zu knapp 650 Einsätzen ausgerückt. Das sei deutlich über dem Durchschnitt gewesen. Bei der Polizei kamen etwa 20 Einsätze hinzu. Eine Schadensbilanz konnte die Polizei am Abend noch nicht abgeben. Die Aufräumarbeiten dauerten noch an. Viele werden das Ausmaß der Schäden erst am Morgen erkennen, wie Olzem sagte. Im Jahr 2016 habe es ein ähnliches Unwetter in der Ortschaft Essenbach in der Nähe von Landshut gegeben.

In Niederaichbach (Landkreis Landshut) stürzte wegen des Starkregens ein Hallendach sowie die Seitenwand der Halle eines Logistikdienstleisters teilweise ein. Verletzte habe es auch hier aber nicht gegeben, da sich zu dem Zeitpunkt niemand im Gebäude befunden habe. Jedoch entstand laut Polizei „ein nicht unerheblicher Sachschaden“, auch weil dort gelagerte Teile eines Fahrzeugherstellers in Mitleidenschaft gezogen wurden.

Die Unwetter-Lage im restlichen Niederbayern

Auch im restlichen Niederbayern hatten die Einsatzkräfte viel zu tun. Allein das Polizeipräsidium Niederbayern registrierte zwischen 17 bis etwa 21 Uhr über 270 Einsätze. Hierbei habe es sich überwiegend um umgestürzte Bäume gehandelt, so ein Sprecher gegenüber der PNP. Außerdem gab es noch einige beschädigte Stromleitungen, überflutete Straßen, ausgehobene Kanaldeckel und vereinzelte witterungsbedingte Unfälle. Schwer verletzt worden sei ersten Erkenntnissen zufolge jedoch niemand. Laut dem Polizeisprecher entspanne sich die Lage jedoch langsam - zumindest würden weniger Notrufe eingehen.

Neben Stadt und Landkreis Landshut war einer der weiteren Unwetter-Schwerpunkte der Landkreis Deggendorf. Nach Informationen der Kreisbrandinspektion gab es hier bis etwa Uhr rund 100 Einsätze. Ein Viertel davon hätten sich im Stadtgebiet Deggendorf ereignet. Außerdem musste die Bahnstrecke auf Höhe Ulrichsberg von umgestürzten Bäumen befreit werden.

In Heberstfelden (Landkreis Rottal-Inn) wurde ein Zunftbaum Opfer des Unwetters: Dieses wurde so stark beschädigt, dass es auf ein benachbartes Wirtshaus viel. Verletzt wurde dabei aber offenbar niemand. Außerdem war in Eggenfelden gegen 18.15 Uhr in vielen Haushalten der Strom weg. Ähnlich erging es auch Bürgern in der Gemeinde Hutthurm (Landkreis Passau).

In Geiselhöring (Landkreis Straubing-Bogen) und Johanniskirchen (Landkreis Rottal-Inn) musste die Feuerwehr zudem nach Blitzeinschlägen ausrücken, wobei sich die Schäden laut Polizei jeweils im unteren drei- bzw. vierstelligen Eurobereich bewegten.

Bahnverkehr beeinträchtigt - 20.000-Volt-Leitung stürzt auf Alpaca-Gehege

Ein Sprecher der Polizei in Rosenheim berichtete am Abend ebenfalls von auf Straßen und Autos gestürzten Bäumen und vollgelaufenen Kellern im südlichen Oberbayern. Die Feuerwehr in München verzeichnete nach eigenen Angaben bis zum Abend rund 75 Einsätze. Es seien Keller und Unterführungen vollgelaufen. Starker Wind habe Äste abgebrochen, der Verkehr sei behindert worden. Außerdem musste unter anderem der Bahnverkehr auf der Bahnstrecke München-Plattling eingestellt werden.

In Töging am Inn (Landkreis Altötting) stürzte am frühen Abend eine 20.000-Volt-Leitung in ein Alpaca-Gehege sowie an das angrenzende Haus. Glücklicherweise sind dabei weder Menschen noch Tiere verletzt worden.

Das Polizeipräsidium Oberpfalz berichtete am Abend von über 200 eingegangen Notrufen wegen der Unwetter.