Kurz nach schwerem Unwetter

Sturzflutrisiko in Landshut: Stadt liegt detailliertes Gutachten vor

02.07.2021 | Stand 02.07.2021, 18:18 Uhr

Wasser hatte nach dem starkem Regen am Dienstag die Landshuter Innenstadt überflutet. Außergewöhnliche Regenmassen hatten die Altstadt am Dienstagabend unter Wasser gesetzt. −Foto: Claudia Hagn/dpa

Von Katarina Cavar

Noch immer ist das verheerende Unwetter über Landshut am Dienstagabend großes Thema in der Region. Nun liegt der Stadt ein Gutachten vor über das Sturzflutrisiko im Stadtgebiet.

Mit Regenmassen von 57 Litern pro Quadratmetern innerhalb einer halben Stunde war das Unwetter in Landshut ein „100-jährliches Ereignis“. Vor allem in den südlichen Stadtteilen und der Innenstadt wurden Keller und Erdgeschosswohnungen überschwemmt, Autos wurden von Sturzfluten mitgerissen und auch über die Stadtgrenzen hinaus kam es zu Schlammlawinen.

Eindrücke von den Sturzfluten am Dienstag in Landshut im Video:



Gutachten schon vor Jahren in Auftrag gegeben

Dass nun wenige Tage später eine detaillierte Analyse vorliegt, wie und wo Sturzfluten in Landshut entstehen können, sei „reiner Zufall“, erklärt Oberbürgermeister Alexander Putz am Freitag der PNP. Das Gutachten sei bereits 2017 im Rahmen eines Förderprogramms des Freistaats beschlossen und in Auftrag gegeben worden. Ursprünglich seien die Ergebnisse bereits vergangenes Jahr erwartet worden, wegen Verzögerungen wurde es nun am Freitag erstmals in der Bausenatssitzung diskutiert.

Das kam offenbar auch für so manche Stadtratsfraktion überraschend: Noch am Donnerstag hatten etwa die Grünen einen Dringlichkeitsantrag gestellt für die Erarbeitung eines Konzepts für das kommunale Starkregenrisikomanagement. Auch die ÖDP forderte, die Ursachen für die jüngsten Sturzfluten zu ermitteln.

3D-Modell der Stadt erstellt

In dem nun vorliegenden Gutachten wurde laut Putz ein 3D-Modell des gesamten Stadtgebiets erstellt, mit dessen Hilfe Starkregenereignisse simuliert wurden. Im Fokus stehen dabei Hanglagen, aber auch die Oberflächenbeschaffenheit spielte in den Analysen eine große Rolle. Basierend auf den Ergebnissen des Gutachtens, das am 16. Juli öffentlich im Bausenat präsentiert wird, sollen laut dem Oberbürgermeister Maßnahmen abgeleitet werden, wie in Zukunft die Gefahr von Sturzfluten minimiert werden könnten. „Dabei ist nicht die Bebauung das Problem, wie manche aus der Hüfte schießen“, ist sich Putz schon vor der öffentlichen Gutachten-Präsentation sicher. „Die größten Wassermengen sammeln sich entlang von Hängen unterhalb von Feldern.“

Welche konkreten Maßnahmen die Stadt daraus beschließen könnte, darüber könne der Oberbürgermeister noch nicht ins Detail gehen. Nur so viel: „Wir werden uns intensiv mit der Frage der landwirtschaftlichen Nutzung von Agrarflächen in Hanglagen beschäftigen.“ Als Beispiel nannte Putz den Anbau von Mais- und Sojapflanzen, die keine hohe Wasserspeicher-Kapazität hätten.

Bürgeraufruf für Video- und Bildmaterial

Wenn durch das Gutachten die Sturzflut-„Hotspots“ in Landshut identifiziert sind, soll das laut Putz auch Haus- und Grundstückseigentümern bei der Entscheidung helfen, ob und welche Gegenmaßnahmen sie treffen könnten. Der Oberbürgermeister gab jedoch auch zu bedenken, dass dabei stets auch die Gesamtsituation berücksichtigt werden müsse. Er zog einen Vergleich zum Hochwasserschutz: „Wenn jeder oben sein Grundstück absichert, verlagert sich das Problem weiter nach unten“, das gilt es laut Putz möglichst zu vermeiden.

Neben dem detaillierten Gutachten erhofft sich die Stadt auch Erkenntnisse von den privaten Sturzflutvideos und -fotos der Bürger vom Unwetter am Dienstag. Die Stadt hat am Donnerstag einen Aufruf gestartet, Material, das bei der Aufarbeitung der Ereignisse hilfreich sein könnte, per Mail an sturzflutinfo@landshut.de zu schicken.