„Ab April hoffentlich mehr Tempo“

Stadt Landshut erhält in der Karwoche nur 240 Impfdosen

25.03.2021 | Stand 25.03.2021, 15:47 Uhr

In der Stadt Landshut ist Corona-Impfstoff immer noch Mangelware. Foto: 123rf.com

Die Corona-Impfkampagne in Deutschland schreitet trotz sprunghaft steigender Infektionszahlen weiterhin nur langsam voran. Dieser negative Bundestrend wirkt sich natürlich auch auf die Stadt Landshut aus. Seit vergangenem Freitag konnten aufgrund der anhaltenden Impfstoffknappheit nur rund 750 Erstimpfungen vorgenommen werden.

Von tg/lw

Landshut. Das waren nochmals fast 200 weniger als in der Vorwoche, in der aufgrund der zwischenzeitlichen Aussetzung der Impfungen mit dem Vakzin des Herstellers AstraZeneca bereits ein regelrechter Einbruch der Erstimpfungen um rund 25 Prozent zu verzeichnen gewesen war. Seit dem 27. Dezember 2020 wurden insgesamt 8.012 Bürgerinnen und Bürger zumindest einmal gegen das Coronavirus SARS-Cov-2 geimpft, das entspricht ziemlich genau 11,0 Prozent der rund 73.000 Einwohner. Die bei den bisher verwendeten Vakzinen für einen vollständigen Impfschutz erforderliche zweite Dosis werden – einschließlich der für den morgigen Freitag terminierten Impfungen – 4.184 Landshuterinnen und Landshuter erhalten haben. Das bedeutet gegenüber dem Ende der Vorwoche eine Zunahme um immerhin gut 1.100 Personen.



Für die kommende Karwoche ist nach den aktuell vorliegenden Informationen leider mit einem weiteren starken Rückgang der Liefermengen zu rechnen. Der Grund: Eine Zuweisung von Impfstoffdosen des Herstellers AstraZeneca an die Landkreise und kreisfreien Städte ist laut Regierung von Niederbayern nächste Woche nicht geplant, weil „eine Auslieferung an die Hausärzte zur dortigen Verimpfung beginnend Mitte nächste Wochen vorgesehen“ sei. Das habe negative Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit des städtischen Impfzentrums, sagt Leiter Thomas Schindler. „In der Karwoche stehen uns für Erstimpfungen nur etwa 240 Dosen von BioNTech-Pfizer zur Verfügung. Die können wir sehr bequem an einem Vormittag verimpfen – denn wir könnten mit unserem Personal und von der Infrastruktur her problemlos 1.000 Menschen pro Tag versorgen.“ Der Schwerpunkt im Impfzentrum werde nächste Woche daher erneut auf den Zweitimpfungen liegen müssen: „Dafür zweckgebunden bekommen wir deutlich mehr Impfstoff, weil diese Zweitimpfungen sich terminlich nach der jeweiligen Erstimpfung richten und vor drei Wochen eben relativ viele Erstimpfungen verabreicht werden konnten.“



Oberbürgermeister Alexander Putz macht aus seinem Ärger über die sich abzeichnenden neuen Verzögerungen keinen Hehl: „Die Corona-Impfkampagne in Deutschland kommt noch immer nicht in Schwung. Drei Monate nach dem offiziellen Start sind kaum mehr als zehn Prozent der Stadtbevölkerung wenigstens einmal geimpft“, so Putz. „Diese Zwischenbilanz ist ernüchternd und allein der Tatsache geschuldet, dass Bund und EU den Kommunen nach wie vor bei Weitem nicht ausreichend Impfstoff zur Verfügung stellen können. Statt der immer wieder versprochenen, deutlichen Steigerung der Liefermengen geht es nun seit Wochen auf niedrigem Niveau noch weiter bergab. Da fehlen mir mittlerweile die Worte.“



Der Oberbürgermeister kann den wachsenden Unmut der Bevölkerung über das Krisenmanagement der Bundesregierung und die zunehmende Pandemie-Müdigkeit daher verstehen. „Dennoch müssen wir uns dieser bitteren Realität stellen und schon im eigenen Interesse richtig darauf reagieren: Wir sind mitten in der dritten Welle, die Neuinfektionen steigen bundesweit exponentiell an, die Krankenhäuser auch in unserer Region füllen sich. Die Infektionslage ist sehr ernst und besorgniserregend – und die wenigen Impfungen, die bisher durchgeführt wurden, helfen uns noch nicht entscheidend weiter“, sagt Putz. Daher müsse man erneut auf die zwar bewährten, aber eben auch sehr belastenden Infektionsschutzmaßnahmen zurückgreifen, um die Welle zu brechen.



„Ich appelliere daher einmal mehr an alle Landshuterinnen und Landshuter: Halten Sie sich an die bekannten Abstands- und Hygieneregeln. Schränken Sie private Kontakte außerhalb des eigenen Hausstands auf das absolut notwendige Mindestmaß ein. Arbeiten Sie so oft wie möglich von zuhause aus. Verzichten Sie auch in den Osterferien auf Reisen und Tagesausflüge. Tragen Sie in der Öffentlichkeit, gerade in Innenräumen, konsequent FFP-2-Masken. Und nutzen Sie die Möglichkeit von Schnell- und Selbsttests.“ Die Einhaltung dieser Regeln und das Befolgen der Aufrufe sei ein Gebot der Vernunft. „Es geht nicht darum, der Kanzlerin, dem Ministerpräsidenten oder gar dem OB einen Gefallen zu tun. Es geht allein darum, sich selbst, seine Angehörigen, die Mitmenschen und das gesamte Gesundheitssystem zu schützen“, sagt Putz. „Ich bitte Sie deswegen alle: Lassen Sie sich nicht dazu verleiten, den Infektionsschutz zu vernachlässigen oder gar bewusst zu missachten. Damit helfen Sie nur dem Virus“



Das Ziel sei trotz aller Rückschläge und Fehler im Krisenmanagement doch bereits in Sicht: „Ab April ist vom Bund wesentlich mehr Impfstoff zugesagt, die Impfungen werden daher hoffentlich schnell an Tempo gewinnen. Daher bin ich zuversichtlich, dass wir die Pandemie bis zur Jahresmitte dank der Durchimpfung weiter Teile der Bevölkerung unter Kontrolle bringen können. Und dann wird die von uns allen sehnlichst erwartete Rückkehr in ein normales Alltagsleben mit seinen Freiheiten endlich möglich sein.“