Viele Dosen übrig

Sonderimpfaktionen und Appelle in Stadt und Landkreis Landshut

02.07.2021 | Stand 02.07.2021, 16:41 Uhr

Lange Zeit stocke der Nachschub mit Impfstoffen. Derzeit kommen zu wenig impfwillige Bürger in das Impfzentrum des Landkreises Landshut in Kumhausen. −Foto: Elmar Stöttner

Weil noch zahlreiche Corona-Impfstoffdosen verfügbar sind, starten sowohl die Stadt als auch der Landkreis Landshut Sonderimpfaktionen.

Monatelang herrschte akuter Impfstoffmangel in Deutschland, doch diese Zeiten sind offenbar vorbei. Plötzlich scheint das wachsende Angebot die Nachfrage erheblich zu übersteigen. Wie die Einrichtungen in vielen anderen Landkreisen und kreisfreien Städten tut sich auch das Impfzentrum der Stadt Landshut nach eigenen Angaben trotz Aufhebung der bislang geltenden Priorisierungsregeln zunehmend schwer, freie Impftermine an Bürger aus dem Stadtgebiet zu vergeben.

„Für das Wochenende stehen beispielsweise 2000 Dosen für Erstimpfungen zur Verfügung, bis Donnerstagnachmittag hatten sich aber nur 300 Interessenten dafür gemeldet“, berichtet die Stadt. Deshalb hat sich die Stadt Landshut nun zur Aktion „Offene Impftage“ entschlossen.

So funktioniert die Sonderimpfaktion ohne Anmeldung in Landshut

Am Wochenende wird es den „ersten Stich gegen Corona“ auch ohne vorherige Anmeldung für alle Bürger ab 16 Jahren geben. Interessierte können einfach am Samstag zwischen 11 und 17 Uhr oder am Sonntag von 9 bis 17 Uhr ins Impfzentrum kommen. Voraussetzung ist lediglich die Vorlage des Personalausweises und des Impfpasses. Verimpft wird am Samstag das Vakzin des Herstellers BioNTech-Pfizer, am Sonntag der Impfstoff von Moderna. Letzterer ist allerdings nur für Erwachsene ab 18 Jahren zugelassen.

„Es hilft nichts, die Lage schönzureden: Mit den erfreulicherweise sinkenden Infektionszahlen ist leider auch die Impfbereitschaft deutlich zurückgegangen“, sagt Oberbürgermeister Alexander Putz. Zwar habe mittlerweile etwa die Hälfte der Bevölkerung zumindest eine erste Impfung gegen das Coronavirus erhalten, doch das reiche noch längst nicht aus, um gegen eine spätestens im Herbst drohende neue Infektionswelle gewappnet zu sein. „Wir dürfen die Sommermonate nicht verschenken, sondern müssen die Zeit nutzen, um die Impfkampagne entscheidend voranzutreiben und möglichst viele Menschen gegen das Coronavirus zu immunisieren“, mahnt Putz. Dafür sei man aber auf die Mithilfe der bislang noch ungeimpften Bürger angewiesen. „Ich bitte daher alle herzlich: Nehmen Sie das Impfangebot wahr! Schützen Sie sich und Ihre Mitmenschen!“

Impfzentrumleiter: Bis zu den Sommerferien vollständig geimpft

Mit Appellen allein wollen es der OB und Thomas Schindler, Leiter des Impfzentrums der Stadt Landshut, indes nicht bewenden lassen. „Wir müssen versuchen, diejenigen, die momentan noch mit der Impfung zögern, zu überzeugen und zu motivieren“, sagt Schindler. Dazu sollen nicht zuletzt die „Offenen Impftage“ am Wochenende einen Beitrag leisten. „Viele eigentlich Impfwillige werden derzeit vom zugegebenermaßen ziemlich bürokratischen Anmeldeverfahren über das BayIMCO-System abgeschreckt. Zudem hören wir immer öfter, dass das eigentliche Problem der Termin für die Zweitimpfung ist, weil dieser mitten in die Sommerferien fallen würde“, berichtet Schindler. Beide Probleme sollen mit der Aktion am Wochenende gelöst werden.

„An den „Offenen Impftagen“ ist es möglich, sich spontan und ohne langwierige Anmeldeprozedur im Impfzentrum impfen zu lassen. Und weil die Zweitimpfung bereits nach vier statt nach sechs Wochen erfolgt, ist man rechtzeitig zum Beginn der Sommerferien vollständig geimpft“, erklärt Schindler. OB Putz unterstützt die Aktion: „Ich hoffe, dass dieses attraktive Angebot auf rege Nachfrage stößt. Denn das würde uns im Kampf gegen die Pandemie wieder ein Stück voranbringen.“

Dass die Aktion für die Stadt Landshut auch mit organisatorischen Risiken verbunden ist, wollen Putz und Schindler nicht verschweigen. „Durch den Wegfall der Anmeldepflicht und den Verzicht auf vorherige Terminvereinbarung bieten wir den Impfwilligen an den beiden ‚Offenen Impftagen‘ zwar die von vielen gewünschte maximale Flexibilität. Die Kehrseite der Medaille ist jedoch, dass wir dadurch nicht kalkulieren können, wie viele Impflinge tatsächlich kommen werden“, erklärt Schindler. Man werde zwar an der Einfahrt ins Impfzentrum – wie etwa im Bürgerbüro üblich – Wartemarken verteilen, damit Betroffene in etwa einschätzen können, wann sie an die Reihe kommen könnten. Außerdem werde das Impfzentrum in voller Personalstärke arbeiten, so dass bis zu 1200 Impfungen pro Tag möglich wären.

OB Putz bittet um Geduld

Dennoch bittet OB Putz Impfwillige, die die Sonderaktion am Wochenende nutzen wollen, schon jetzt um Geduld: „Wer sich bewusst für diesen Weg entscheidet, der muss bereit sein, gegebenenfalls auch längere Wartezeiten in Kauf zu nehmen“, so der Rathauschef. „Dafür ist man dann pünktlich zu den Ferien zuverlässig mit einem der begehrten mRNA-Impfstoffe gegen Corona geschützt und kann guten Gewissens in den Urlaub starten.“

Auch im Landkreis Landshut hat man mittlerweile zu wenige Impflinge für zu viele Impfdosen. „Zu viele wiegen sich offenbar in Sicherheit angesichts niedrigster Ansteckungsraten und offener Biergärten und weil Reise-Warnungen reihenweise wegfallen“, so das Landratsamt. Das könnte ein bitteres Erwachen geben, warnen Experten – wie im Herbst vor einem Jahr. „Alle Fachleute, die Landrat Peter Dreier beraten und die Fakten-Basis für Entscheidungen auf Landkreis-Ebene schaffen, warnen davor, dass erneut auf einen Sommer der weitgehenden Sorglosigkeit Herbst- und Wintermonate der Versagungen folgen können“, heißt es in der Pressemitteilung weiter. Dreier appelliert daher eindringlich an alle Bürger über 18 Jahre, die geimpft werden können, dieses Angebot auch anzunehmen.

Wie oft habe er den schleppenden, ja wochenlang versiegenden Nachschub-Fluss an Impfstoffen kritisiert, sagt der Landrat: Und häufig haben sich Bürger direkt ans Landratsbüro gewandt, weil sie irgendwie durchs Raster des bayernweiten BayImCo-Computerprogramms gefallen seien, das sich wiederholt nicht gerade als Spitzenprodukt einer Hightech-Nation erwiesen habe.

Die Fußball-EM und die Delta-Variante

Nur ein möglichst hoher Anteil an Geimpften in der Bevölkerung bietet einen ausreichenden Schutz vor einer vierten Welle, betonen auch der Mediziner Jürgen Königer, Pandemie-Beauftragter der Kliniken der Region, die Epidemiologin Nathalie Fietze und ihre Stellvertreterin, die Krankenschwester und Fachkraft der Sozialmedizin Nicole Hegner, die seit vielen Monaten mit ihrem Team für den Landkreis Landshut Tag für Tag mit voller Kraft für die Bewältigung der Pandemie auf regionaler Ebene arbeiten.

Wie sie betrachtet auch Constantin Andratschke, der Leiter des Landkreis-Impfzentrums in Kumhausen, die Lage mit Sorge: Die Impfquote unter den rund 161.000 Landkreis-Bürgern liegt derzeit knapp über 50 Prozent (bei Erstimpfungen) und bei 38 bis 40 Prozent der Menschen, die bereits zwei Impfungen erhalten haben. Es seien also viele geschützt – aber noch deutlich zu wenig.

Die täglichen Meldungen über Lockerungen und Reisefreiheit, die Bilder von Menschenmassen in den Fußball-Stadien bei der Europa-Meisterschaft und die Aussicht, dass der Termin der Zweitimpfung die Urlaubsplanung durcheinanderbringen könnte – das seien einige Auslöser für die Impfmüdigkeit von „Wackel-Kandidaten“, wie Andratschke die Gruppen der Impfunwilligen nennt.

So läuft die Impfanmeldung im Landkreis Landshut ab

Die hochansteckende Delta-Variante, die, wie wiederholt vom Landratsamt berichtet, längst auch mit Fällen in Stadt wie Landkreis Landshut angekommen ist, stellt nach übereinstimmender Meinung aller Fachleute eine große Gefahr dar. „Aber eines steht offensichtlich auch fest“, erläutert Andratschke: „Impfungen schützen auch gegen die Delta-Variante, nicht unbedingt vor einer Ansteckung mit dem Virus-Ableger, aber nach allem, was man weiß, vor massiven Verläufen und damit vor einer Einlieferung ins Krankenhaus.“

Wer sich als Landkreis-Bürger impfen lassen will, dem empfiehlt das Landratsamt einen kurzen Anruf unter der Telefon-Nummer 0871/408-5560 oder eine Terminvereinbarung per E-Mail unter impfzentrum@landkreis-landshut.de. Noch im Juli, wahrscheinlich innerhalb der nächsten zwei Wochen, wird der Landkreis dank einer Sonderzuweisung erneut eine Sonder-Impfaktion mit dem Impfstoff des Typs Johnson&Johnson durchführen. Wenn der Termin steht, wird er unverzüglich publik gemacht.