„Eine neue regionale Identität“

Produzent erklärt: Das steckt hinter dem Vilstal-Song

26.08.2021 | Stand 26.08.2021, 18:36 Uhr

Stefan Seibold, Jahrgang 91, lebt in Vilsbiburg und arbeitet als Unternehmensberater. Aktuell managt er auch die Entstehung der Vils-Residenz, deren Konzept er selbst entworfen hat. F.: pr

Von Veronika Bayer

„Barfuß durch die grünen Wiesen“, „wir fühlen uns frei“ und „hier wird Stress durch Glück ersetzt“: Dass der Vilstal-Song ein Image prägt, merkt man bereits am Text.

Ende Juli erschien mit dem Titel „Unsere Zeit“ der Vilstal-Song. Während vorherige Lieder über die Stadt Landshut vor allem musikalische Liebeserklärungen bezeugen, tritt der Vilstal-Song mit einem anderen Anspruch auf: Er hat das Ziel, die Region „branchenübergreifend zu fördern“, wie es eine Mitteilung vom Niederbayern-Forum ausdrückt.

Hier können Sie selbst reinhören:






Vilstal-Song Kontext

Die Idee zum Vilstal-Song hatte Stefan Seibold und gemeinsam mit Marcus Theinert wurde komponiert und produziert. Zu hören ist das Vils-Residenz Ensemble mit Marcus und Irene Theinert, gesungen in deutscher Sprache, sowie ein Kinderchor. Veröffentlicht wurde der Song von der Vils-Residenz und dem Bayern-Park mit Unterstützung des Niederbayern Forums.




Jeder Betrieb, ob Restaurant, Café, Freizeitarena oder Industrie in der Region könne den Song spielen. Ein Werbe-Song? Wir haben mit Stefan Seibold, einem der Produzenten, über den Vilstal-Song und dessen ungewöhnliche Ausrichtung gesprochen.

Herr Seibold, wieso das Vilstal – und nicht ein Song über Landshut oder Vilsbiburg?
Stefan Seibold: Das ist zu klein gedacht. Die Region ist viel größer, das Vilstal ist fast so groß wie der Bayerische Wald. Es umfasst vier Landkreise und reicht von Erding bis Vilshofen. Eigentlich ist es eben die Region zwischen München und Bayerischem Wald, der Kern von Niederbayern.

In dem Video zum Song wird eine Radtour nachgestellt. Hat das einen Hintergrund?
Stefan Seibold: Grundidee ist das Image der Region aufzuwerten, ihr eine neue Identität einzuhauchen und Marketing für die Region zu betrieben. Derzeit entstehen zahlreiche neue Radwege. Die Region im Bayerischen Golf- und Thermenland ist sehr beliebt bei Radfahrern. Ein Rad passt in den Zeitgeist.

Wieso muss die Region aufgewertet werden?
Stefan Seibold: Es gibt keinen einheitlichen Markenauftritt für die Gegend. Diese übergeordnete Marke schaffen wir gerade. Dafür haben wir keine Kosten und Mühen gescheut. Die Region ist super cool, sie kann was und das sollte sie auch zeigen. Die Region muss sich nicht verstecken. Wenn man von München hier her zieht, dann rümpfen viele Menschen oft ihre Nasen. Das ist ungerechtfertigt. Ich bin beruflich viel in München unterwegs, aber meine Heimat ist Vilsbiburg. Unsere Heimat muss gefördert und auf eine neue Ebene gestellt werden. Zudem müssen neue Zielgruppen angesprochen werden, denn die Geschäftsreisenden werden nicht mehr in der Anzahl wie vor Corona kommen.

Wie soll sich das also Ihrer Meinung nach gestallten?
Stefan Seibold: Die Region soll als attraktiv wahrgenommen werden. Eine neue regionale Identität soll sich aufbauen. Klar, das geht nicht von heute auf morgen. Aber das Vilstal hat so viel zu bieten. Wir leben hier nicht im Hinterland. Das war vielleicht mal vor 50 Jahren so, dass Niederbayern ein Armenhaus war. Heute gibt es hier Top-Unternehmen, Top-Technik, viele intelligente Köpfe. Dennoch ist die Natur vor der Haustür und bietet Erholungswert. Hier treffen sich Stadt und Land auf Augenhöhe. Der Vilstal-Song ist für alle da, er soll wirklich die Region auf eine neue Wahrnehmungsstufe heben. Alle sollen sehen, wie schön wir es hier haben. Wir leben hier im Paradies.

Kann man Veränderungsversuche der Identität einer Region nicht auch kritisch sehen?
Stefan Seibold: Es kommt nur darauf an, was damit erreicht werden soll und wer es macht. Das typisch niederbayerische Gemütliche soll ja erhalten bleiben, diese besondere Mentalität hier. Aber die Region hat den Wendepunkt vergessen. Gerade Corona hat noch mal einige Trends beschleunigt, die es sowieso schon gab. Nach Corona wird es riesige Herausforderungen geben. Der Tourismus wird und muss sich ändern, sonst verliert die Region ihren Anschluss.

Wie soll dieser veränderte Tourismus aussehen?
Stefan Seibold: Sanfter und nachhaltiger. Die Menschen müssen fair bezahlt werden. Ich bin kein Fan von Massentourismus. Das Einheimische muss belassen werden und der Tourismus sich in die Natur integrieren. Darum geht’s. Man muss das intelligent machen: Die Region aufwerten mit Maß und Ziel.