Markthallen-Flair

Pop-up-Store „Zwischenraum“ startet in Vilsbiburg

14.05.2022 | Stand 14.05.2022, 18:22 Uhr

Das Erdgeschoss des ehemaligen Modehauses bietet nun ein gemütliches Markthallen-Flair.

Von Veronika Bayer

Über ein Jahr ist es her, seit in Vilsbiburgs Innenstadt (Landkreis Landshut) das ehemalige Modehaus Brandl seine Pforten schloss. Nun hat die Stadt Vilsbiburg das Erdgeschoss des verwaisten Gebäudes am Stadttor gemietet, um darin für die nächsten drei Monate den Pop-up-Store „Zwischenraum“ zu betreiben.

Lichtdurchflutetes Markthallen-Flair empfängt einen nun, wenn man das Gebäude betritt. Es sind wieder Menschen da: Der Pop-up Store bietet mehreren Kleingewerbetreibenden und Freischaffenden aus der Region, die bisher vielleicht noch keinen Laden haben, die Chance, ihre Produkte und ihr Schaffen zu präsentieren. 17 Parzellen sind es insgesamt, in die das Erdgeschoss aufgeteilt und die separat für je 100 Euro pro Monat vermietet werden – beim Rundgang empfangen einen Kissen, Deko-Artikel, Duftlampen, Floristik, Ausstellungen und vieles mehr.

Konzept, um Innenstadt zu beleben

Für „Zwischenraum“ habe sich die Stadt entschieden, um dem Leerstand aktiv entgegenzuwirken, erklärt Vilsbiburgs Bürgermeisterin Sibylle Entwistle, die den Pop-up-Store am 5. Mai eröffnete. Bis Juli mindestens sollen nun je donnerstags und freitags von 10 bis 18 Uhr und Samstag von 10 bis 14 Uhr die Türen des ehemaligen Modehauses wieder offen stehen.

Anna Ulmer, vom Büro für Innenstadtmanagement der Stadt Vilsbiburg, sagt: „Der Pop-up-Store erfüllt die drei Punkte der Innenstadtstrategie: Es ist ein Miteinander vieler kleiner Firmen, es ist erlebnisreich durch unterschiedliche Produkte und die Leute haben eine hohe Aufenthaltsqualität, weil sie wie bei einer Messe durchlaufen können.“ Die Stadt habe nicht das Ziel, mit der Miete Geld zu verdienen, sondern wolle eine Möglichkeit bieten, sich sichtbar zu machen. Ulmer freut sich, dass „viele Teilnehmer das Konzept zum Leben erwecken“.

Dabei im „Zwischenraum“ ist etwa Siglinde Ammer aus Essenbach. Ihr Business: Sie sorgt dafür, dass Damen und Herren mit maßgeschneiderten Blusen bzw. Hemden ausgestattet werden. „Wie Haute Couture, nur bezahlbar“, erklärt sie. „Der Pop-up-Store ist für alle Kleinen eine mega Chance und durch das Messe-Flair für die Besucher interessant.“

Deko mit Laserbeschriftung

Martina Finn präsentiert Deko mit Laserbeschriftung. Seit 2017 betreiben die Finns einen kleinen Laden im Gewerbegebiet in Vilsbiburg. Weil der aber noch nicht so präsent sei, haben sie sich entschlossen, die Chance im Pop-up-Store wahrzunehmen. „Mein Mann hat sich sehr für Lasertechnik interessiert und sich damit selbstständig gemacht. Irgendwann habe ich dann entdeckt, dass man damit nicht nur Technisches, sondern auch Schönes machen kann“, erinnert sie sich schmunzelnd. Am meisten beeindrucke sie die Vielfalt: „Es ist schier unendlich, was man alles gravieren kann: Holz, Glas, Schmuck… Wir sind immer in der Entwicklung, es bleibt spannend.“

Emilia Irnleitner und Markus Stadler von Sammy’s Zauberkiste betreiben in der Nähe von Adlkofen eine Erinnerungswerkstatt: Aus persönlichen Andenken, mit denen emotionale Geschichten verbunden sind – wie Babylocken, Souvenirs, Hufeisen, Kieselsteinen, Wagenteilen – macht die Erinnerungswerkstatt verewigte Gegenstände: Armbänder aus Tierhaar, Bilderrahmen aus Hufeisen, oder Tische aus Wagenrädern. Markus Stadler graviert zudem Spiegel mit besonderen Motiven wie Pferdeköpfen oder einer Harly Davidson. „Die Leute kommen zu uns mit ihren Wünschen und wir fertigen dann nach Auftrag Unikate an“, erklärt Irnleitner. Deshalb sind die Dinge, die sie nun im Store ausstellen, aus den eigenen vier Wänden: „Unser Wohnzimmer ist gerade leer“, so Emilia Irnleitner lächelnd.

Miteinander vieler Aussteller

David Schreck produziert als Freischaffender seit rund zwei Jahren Filme im Bereich Nachhaltigkeit und Regionalität. Auch er ist im Store, um zu präsentieren. „Das ist eine super Sache für Vilsbiburg. Sowas kennt man eigentlich nur von größeren Städten.“ Seine Filme, deren Musik er zudem selber macht, zeigt er auf einem Bildschirm.

Tochter Alena und Mama Petra Gebhardt aus Baierbach nähen genderneutrale Babykleidung aus biozertifizierten Stoffen. Das Mutter-Tochter-Gespann plant keinen eigenen Laden, dennoch nutzen sie als kleines Unternehmen die Chance, dabei zu sein. Auch in Landshut hätten sie solche Gelegenheiten schon genutzt.

Karin und Franz Haider betreiben eigentlich einen Laden in Aich. „Das ist aber nur ein Dorf, dort gibt es keine Laufkundschaft“, erklärt Franz Haider. Deshalb nutzen sie die Chance im Pop-up-Store, sich mit ihrer Floristik und den Deko-Artikeln für Garten, Hochzeiten und Co. publik zu machen. Als Handwerker, der beruflich mit Metall zu tun hat, stellt Franz Haider zum Beispiel Rosenbögen in gewünschten Größen her.

Nadine Gruber verarbeitet in Handarbeit eigene Wolle zu Zierkissen, Heilwollkissen oder Wollwalkkleidern. Zudem gibt sie Kinderkurse im Pop-up-Store, wie man vom Schaf zur Wolle kommt. „Altes Handwerk ist sehr spannend und wichtig, außerdem viel persönlicher“, sagt sie. Der Erlös werde ins „Bunte Land“ gesteckt: In der Nähe von Gerzen sind das drei Hektar, auf denen unter anderem schon ein Spielplatz entstanden ist, und wo Kreativ- und Entspannungskurse angeboten werden. „Das legen wir für alle Menschen an, die gern vorbeikommen“, sagt Gruber: „Ein Ort, wo man zur Ruhe kommen kann.“ Der Store ist ihr erster öffentlicher Anlauf.

Natascha Irmer aus Geisenhausen ist mit elektrischen Duftlampen der Firma Sensi vor Ort. Seit rund drei Jahren hat die ehemalige Automobilkauffrau beruflich auf Duft umgesattelt: für die Wohnung, für Autos, duftende Stofftiere oder Körperprodukte. „Durch Corona hat das Geschäft ziemlich geboomt, mittlerweile sind 320 Leute in meinem Team, weil viele ein zweites Standbein gebraucht haben.“ Einen eigenen Laden betreiben dürfe sie wegen der strengen Richtlinien von Sensi nicht, daher seien befristete Ausstellungen die einzige Möglichkeit, sich zu präsentieren.


Neben den Parzellen im „Zwischenraum“ kann auch ein Veranstaltungsraum angemietet werden. Wer selbst noch Interesse an einer Fläche hat, kann sich bei anna.ulmer@querfeld.design melden.