Pflegeausbildung während der Pandemie - Darauf sollten sich Azubis einstellen

18.03.2021 | Stand 18.03.2021, 14:50 Uhr

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Corona beherrscht inzwischen ein Jahr lang unser Leben, die Medien und vor allem die Mitarbeiter in der Pflege. Diese ganz besonders, denn sie sind gefragt, wenn Erkrankte versorgt werden müssen. Auch Auszubildende sind ggf. von einigen Besonderheiten betroffen, die sich aber teilweise sogar positiv auswirken.

Die theoretische Ausbildung
Die Pflegeausbildung hat ohnehin erst vor kurzer Zeit eine Reform erfahren und wird als generalistische Pflegeausbildung durchgeführt. Die Inhalte sind aufgrund dessen neu strukturiert worden und in den ersten zwei Jahren für alle Fachrichtungen gleich. Erst im dritten Jahr wird auf die angestrebte Fachrichtung hingearbeitet. Die spezifischen Inhalte werden entsprechend erst im letzten Ausbildungsjahr vermittelt. Die Pandemie wirkt sich hier dahingehend auf, dass die Schulschließungen sich auch auf die Berufsschulen auswirken und auf Homeschooling ausgewichen werden musste oder es verstärkt theoretische Einheiten in Kleingruppen in den Ausbildungseinrichtungen gibt. Selbst wenn Präsenzunterricht möglich ist, müssten Klassen eventuell verkleinert werden, um den Abstand zu gewährleisten. Die Maskenpflicht an sich ist für Pflegekräfte keine Neuheit, sie müssen sie nur länger tragen, als außerhalb der Pandemiezeiten.


Für Auszubildende gibt es einen Anspruch auf ausbildungsbegleitende Hilfen, was kurzgefasst als Nachhilfe für die schulischen Inhalte verstanden werden kann. Diese sind ggf. ebenfalls von Schulschließungen und Onlinestunden betroffen. Auszubildende in der generalistischen Pflegeausbildung profitieren stark davon, dass die Praxisanleiter in den Pflegeeinrichtungen entstehende Nachteile gut ausgleichen können. Denn die Auszubildenden haben die Chance in ihrem praktischen Diensten, theoretische Inhalte zu hinterfragen und sich von den Anleitern erklären zu lassen.


Auch wenn es wie eine Ironie des Schicksals klingt, die Vorgaben des Infektionsschutzgesetzes, werden Auszubildende deren Pflegeausbildung die in der Pandemie fällt, mit Sicherheit verinnerlichen und das Gesetz, Standards bei Infektionen und sämtliches Wissen um Hygienemaßnahmen so sicher lernen, dass sie zu den Prüfungen nur noch wenig Lernaufwand betreiben müssen.


Die praktische Ausbildung
Pflegekräfte haben immer mit Infektionskrankheiten zu tun und Hygiene und Infektionsschutz sind auch ohne Pandemie ein wichtiger Teil der täglichen Arbeit in der Pflege. Die Pandemie führt hier lediglich zur Verschärfung einzelner Maßnahmen und dazu, dass quasi jeder Pflegebereich wie eine Infektionsstation behandelt wird.


Die Einschränkung der Besuche senkt das Infektionsrisiko nicht nur für Patienten und Altenheimbewohner, sondern auch für die Pflegekräfte. Trotzdem ist nicht von der Hand zu weisen, dass der Kontakt mit vielen Menschen, das Infektionsrisiko leicht erhöht. Und auch ohne Besucher gibt es genug Menschen, mit denen Pflegende in engen Kontakt treten. Allein die Kollegen, mit denen sie zusammenarbeiten und die außerhalb der Pflegeeinrichtungen ja auch Kontakte haben. Allerdings haben Pflegekräfte sowohl die Kenntnisse, wie auch die Mittel, sich mit den geeigneten Hygienemaßnahmen bestmöglich zu schützen.


Im Umgang mit Senioren oder Kranken tragen die Pflegekräfte einerseits mehr Verantwortung, weil sie nun auch mental näher an ihre zu betreuenden Personen heranrücken. Sie müssen nicht nur ihre Arbeit erledigen, sondern auch Besucher ersetzen. Viele sehen dies allerdings auch als Bereicherung ihres Arbeitsalltags an. Andererseits sind vor allem in Krankenhäusern die fehlenden Besucher auch eine Entlastung für Pflegende.
Die Pandemie hat enorme Herausforderungen an das Gesundheitssystem gestellt und es ist durchaus zu hoffen, dass die Erfahrungen sich langfristig positiv auf die Arbeit in der Pflege und das Gesundheitsmanagement im Land auswirken.


Hat die Pandemie auch Vorteile für Auszubildende in der Pflege?
Zumindest im Zusammenhang mit der Priorisierung der Impfgruppen haben Auszubildende einen kleinen Vorteil, durch die Pandemie. Sie sind wie ausgebildete Pflegekräfte in der ersten Impfgruppe, vor allem die Auszubildenden die in Seniorenheimen eingesetzt sind. In Kliniken wird meist intern noch priorisiert, wer mit besonders gefährdeten Patientengruppen arbeitet, darf vor den Mitarbeitern geimpft werden, die nicht mit z.B. Transplantierten, Senioren oder Tumorpatienten arbeiten.
Die öffentliche Diskussion zum Thema, dass Geimpfte mehr Freiheiten bekommen sollen, hat zwar aktuell noch keine konkreten Lockerungen für Geimpfte hervorgebracht. Sollte es jedoch tatsächlich soweit kommen, dass Konzertveranstalter nur Personen mit Impfnachweis einlassen oder Reiseanbieter diese bevorzugen, kann sich eine frühe Impfung auch hier vorteilhaft auswirken. Allerdings können alle Vergünstigungen im Freizeitbereich nicht aufwiegen, was es bedeutet, die eigene Familie durch eine frühe Impfung schützen zu können. Besuche bei Eltern und Großeltern sind für Pflegemitarbeiter und -auszubildende gefahrlos möglich, sobald sie geimpft wurden. Seniorenheime und Kliniken bieten an, sich um Impftermine zu kümmern oder holen sogar mobile Impfteams ins Haus. Den endlos dauernden Anrufen bei der Hotline, den Tücken der komplizierten Verfahrensweise etc. müssen sich Pflegende und Pflegeauszubildende somit gar nicht erst stellen.


Als Auszubildende in der Pflege gesund durch die Pandemie kommen
Corona zeigt deutlich, dass es keine Frage der eigenen Hygiene ist, ob sich ein Pflegender infiziert oder nicht. Dieses Virus ist so unberechenbar und Pflegekräfte müssten wie Raumfahrer ausgestattet sein, um sich bestmöglich zu schützen und dürften diese Sicherheitskleidung auch im Supermarkt etc. nicht ablegen. Das geht natürlich nicht. Und dem hohen Infektionsrisiko stehen Fälle gegenüber, in denen mehrere Personen eng mit einem Infizierten zu tun hatten und einige sich angesteckt haben, andere nicht. Es muss also weitere Faktoren geben, die darüber entscheiden, ob und wie stark eine Infektion sich beim Einzelnen entwickeln kann.


Klar, dass die Einhaltung der AHA Regeln und Hygienemaßnahmen in Kliniken einen gewissen Schutz bieten. Doch auch die eigene Konstitution und Abwehrstärke spielen eine Rolle. Sportler, die positiv getestet wurden, sind teilweise ohne Symptome geblieben und standen unmittelbar nach dem Ende der Quarantäne auf Skisprungschanze oder Fußballplatz und gewannen. Also sind Fitness, Ernährung und Lebensweise ebenfalls Faktoren, die sich auf die Schwere der Infektion auswirken können und Langzeitsymptome möglicherweise verhindern.


Mehr als sonst ist es daher anzuraten, sein Immunsystem zu stärken, Sport an der frischen Luft zu treiben (anders ist es ja derzeit auch kaum möglich) und sich mit gesundem leckerem Essen zu verwöhnen. Auch die Psyche spielt eine Rolle für die Empfänglichkeit für Infektionen. Stress schwächt das Immunsystem. Die Arbeit in der Pflege und das Lernen für die Berufsschule sind Stress. Es ist daher umso wichtiger sich Techniken anzueignen, die Stress abmildern und helfen, Zeiten der Regeneration so effektiv wie möglich zu nutzen, um sich zu entspannen und Kraft zu tanken. Viele Pflegeeinrichtungen bieten ihren Mitarbeitern und Auszubildenden hier Hilfen und Kurse an oder praktizieren sogar mit Bewohnern und Mitarbeitern zusammen Sportarten wie Yoga oder Entspannungstechniken wie autogenes Training oder progressive Muskelentspannung. Unter dem Fachbegriff Psychohygiene wird dies Thema in der Theorie behandelt.



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