„Kirche muss unter die Leute“

Nur für kurze Zeit: So funktioniert die Pop-up-Kirche in Landshut

In Landshut gibt es bis Ende Oktober eine Pop-up-Kirche in der Neustadt – und die wird gut angenommen

10.10.2021 | Stand 11.10.2021, 9:41 Uhr

Kirche mal an einen anderen Ort bringen, das war der Ansporn für die evangelische Dekanin Nina Lubomierski (l.). Geboren war die Idee der Pop-up-Kirche, für deren Organisation Doris Bauer verantwortlich zeichnet. −Foto: Mühlehner

Es geht geschäftig zu an diesem Freitag in der Landshuter Neustadt. Um kurz vor 12 Uhr erklingt Glockengeläut, aber nicht von der nahen St.-Martins-Kirche. Es kommt aus einer Ecke, wo es eigentlich kein Gotteshaus gibt.

Das hat sich vorübergehend geändert: Seit Anfang Oktober lädt die Pop-up-Kirche des evangelischen Dekanats in der Neustadt 528 „einfach zum Dasein“ ein. Doris Bauer, stellvertretende Geschäftsführerin des Evangelischen Bildungswerks und Organisatorin der Pop-up-Kirche, ist überzeugt: „Kirche muss unter die Leute.“

Noch bis Ende Oktober ist die Pop-up-Kirche geöffnet. „Pop up“, das kommt aus dem Englischen und bedeutet so viel wie „aufploppen“ – Geschäfte, die aus dem Nichts in ein leerstehendes Gebäude einziehen und nur wenige Wochen dort bleiben. Das Konzept sieht man in größeren Städten immer wieder – eine Pop-up-Kirche bleibt aber etwas Besonderes. „Wir sind zwar nicht die Ersten, die sowas machen“, sagt Dekanin Nina Lubomierski, die die Idee hatte. „Aber wir sind die Ersten mit einem Programm dieser Art.“

Von Corinna Mühlehner

Es geht geschäftig zu an diesem Freitag in der Landshuter Neustadt. Um kurz vor 12 Uhr erklingt Glockengeläut, aber nicht von der nahen St.-Martins-Kirche. Es kommt aus einer Ecke, wo es eigentlich kein Gotteshaus gibt.

Das hat sich vorübergehend geändert: Seit Anfang Oktober lädt die Pop-up-Kirche des evangelischen Dekanats in der Neustadt 528 „einfach zum Dasein“ ein. Doris Bauer, stellvertretende Geschäftsführerin des Evangelischen Bildungswerks und Organisatorin der Pop-up-Kirche, ist überzeugt: „Kirche muss unter die Leute.“

Noch bis Ende Oktober ist die Pop-up-Kirche geöffnet. „Pop up“, das kommt aus dem Englischen und bedeutet so viel wie „aufploppen“ – Geschäfte, die aus dem Nichts in ein leerstehendes Gebäude einziehen und nur wenige Wochen dort bleiben. Das Konzept sieht man in größeren Städten immer wieder – eine Pop-up-Kirche bleibt aber etwas Besonderes.

„Sind die erstem mit einem Programm dieser Art“

„Wir sind zwar nicht die Ersten, die sowas machen“, sagt Dekanin Nina Lubomierski, die die Idee hatte. „Aber wir sind die Ersten mit einem Programm dieser Art.“ Kirche einfach mal an einem anderen Ort, das war die Grundidee. „Gerade in der Corona-Zeit ist viel, was die Kirche macht und anbietet, verborgen geblieben. Mit der Pop-up-Kirche wollen wir zeigen und deutlich machen: Das gibt es auch weiterhin, ab Ende Oktober dann halt wieder am gewohnten Ort.“

Und es wird viel geboten: Der Vintage-Laden im vorderen Bereich hat eine Auswahl aus den Gebrauchtwarenhäusern von „Hab & Gut“ der Diakonie parat – und kommt gut an, wie die Dekanin bemerkt hat. „Jedes Mal, wenn ich herkomme, sehe ich was Neues, weil die Sachen gut weggehen“, freut sie sich.

Eine Leseinsel lädt zum Schmökern mit Büchern aus dem Bildungswerk und dem Ostbayerischen Kulturforum ein. In der Ansprech-Bar gibt es „Seelsorge im Vorbeigehen“. Alles ungezwungen, niederschwellig, wie Organisatorin Doris Bauer betont. Die Leute neugierig machen und ansprechbar sein. „Einfach Nächstenliebe“, nennt Bauer das. „Das ist, was Christ sein ausmacht.“

Schuldnerberatung bis Reisevorträge

Nebenbei bietet die Pop-up-Kirche viel Programm, von Schuldnerberatung über Globalisierungsspaziergänge bis hin zu Reisevorträgen. Viel geboten ist auch für Jugendliche und Kinder. „An den Samstagen bieten wir zum Beispiel an, dass ausgebildete Erzieherinnen auf die Kinder aufpassen“, erklärt Nina Lubomierski. Die Eltern könnten derweil shoppen oder einen Kaffee trinken gehen.

Einen Vermieter für die Pop-up-Kirche zu finden, sei nicht leicht gewesen, sagt Organisatorin Doris Bauer. „Die meisten wollen etwas Langfristiges“, weiß sie. Der jetzige Vermieter sei jedoch begeistert von dem Konzept.

Als Nina Lubomierski am Freitag dann die erste Andacht hält, ist sie aber „überwältigt“, wie gut das Angebot angenommen wird. Rund 20 Personen lauschen den Worten der Geistlichen, singen Lieder und freuen sich über die Gemeinschaft. „Es waren bekannte Gesichter da, aber auch Leute, die ich noch nie gesehen habe“, sagt sie. Einer davon ist Wilfried Jagst. Er wollte eigentlich in einen Markt in der Nähe. Dann habe er Glockengeläut gehört. „Ich war überrascht, wo das herkommt“, erzählt er. Er habe die Pop-up-Kirche bemerkt und sich gedacht, es könne nicht schaden, mal reinzuschauen. „Es hat mich angesprochen, weil es eben nicht die Kirche war. Hier fühlt sich gleich alles freundschaftlicher an.“