„Dann ging die Atemnot los…“

Long-Covid: Wie eine Bayerwald-Kur einem Paar aus der Region half

29.08.2021 | Stand 29.08.2021, 18:09 Uhr

An massiver Atemnot litten Anja und Robert Gschlößl infolge ihrer Corona-Infektion. −Fotos: lw

Anja und Robert Gschlößl aus der Nähe von Landshut hatten nach einer Corona-Infektion erhebliche gesundheitliche Probleme. Eine ambulante Kur im Bayerischen Wald gab ihnen die Luft zum Atmen zurück.

Anja und Robert Gschlößl genießen den Spaziergang durch den Kurpark in Bodenmais (Landkreis Regen). Die Sommersonne spiegelt sich im Wasser. Enten tauchen mit ihren Köpfen nach Essbarem. In den Bäumen zwitschern Vögel ihre Lieder. Noch vor wenigen Wochen wäre solch ein entspannter Rundgang für das Ehepaar aus der Nähe von Landshut undenkbar gewesen.



Anja und Robert Gschlößl hatten sich Ende April mit der Alpha-Variante des Corona-Virus angesteckt. „Wir lagen beide fünf Tage mit starken Grippesymptomen flach, mussten aber glücklicherweise nicht ins Krankenhaus“, so die 51-Jährige.

„Ich schaffte es nicht mal mehr zum Briefkasten“

Nach einer Woche sei die akute Infektion vorbei gewesen, ihnen ging es wieder relativ gut. „Doch dann ging die Atemnot los“, erinnert sich Anja Gschlößl. Das Ehepaar konnte nicht mehr Treppensteigen geschweige denn eine Runde spazieren gehen. „Ich schaffte es nicht mal mehr zum Briefkasten und das Duschen war wie ein Marathon“, schildert Robert Gschlößl. Die beiden ließen schließlich im Krankenhaus eine Computertomografie (CT) machen. „Dabei hat sich gezeigt, dass unsere Lungen stark geschädigt wurden“, erklärt der 60-Jährige.

Eigentlich sind die beiden aktive Menschen, fahren viel Fahrrad und gehen gerne Wandern. Dass sie das Corona-Virus so hart treffen würde, hätten die Gschlößls nicht gedacht. Mit den gesundheitlichen Folgen ihrer Erkrankung fühlten sie sich lange allein gelassen. „Da wir nicht im Krankenhaus behandelt werden mussten, bekamen wir keine stationäre Kur verschrieben. Wir haben bei den Krankenkassen alles versucht, doch vergeblich“, berichtet Anja Gschlößl. Sie sei eine Zeit lang sehr verzweifelt gewesen.

Schließlich wurde das Ehepaar auf den Heilstollen im Silberberg in Bodenmais aufmerksam. „Wir hatten ein Video gesehen, in dem ein ebenfalls Betroffener von der positiven Wirkung des Stollens berichtete“, erklärt sie. Das Ehepaar hat sich daraufhin beim Markt Bodenmais gemeldet, dessen Tourismus-Büro gemeinsam mit der örtlichen Silberberg-Klinik Corona-Betroffenen hilft, eine dreiwöchige ambulante Kur zu machen. „Als es dann geklappt hat, waren wir überglücklich“, so Anja Gschlößl.

Während ihrer ambulanten Kur sind die Gschlößls täglich in den Heilstollen tief im Innern des Silberbergs zur Untertage-Klima-Therapie. „Nach eineinhalb Wochen wurde unsere Atemnot besser. Stück für Stück konnten wir wieder durchatmen“, so Anja Gschlößl. Insgesamt 15 Mal war das Ehepaar im Stollen. „Auch die frische Waldluft im Bayerischen Wald hat uns extrem gutgetan“, ergänzt ihr Ehemann.

„Schwöre auf den Heilstollen“

„Wir können endlich wieder spazieren gehen, haben wieder Luft. Das ist kein Vergleich mehr mit vor drei Wochen“, freut sich Anja Gschlößl gegen Ende ihres Aufenthalts. „Diese ambulante Kur kann ich jedem empfehlen, der an Long-Covid leidet und keine stationäre Kur verschrieben bekommt. Ich bin heilfroh, hier gewesen zu sein und schwöre auf den Heilstollen“, erklärt Robert Gschlößl.

− lw