Skorpion-Alarm im Schlafzimmer

„Ist noch wer wach und kann mich retten?“

19.02.2021 | Stand 19.03.2021, 13:36 Uhr

Die junge Frau fing den Skorpion mit einem Marmeladenglas ein. Foto: pr

Das große Krabbeln: Zuerst war sie geschockt, doch dann ging eine junge Frau (26) im Raum Landshut mitten in der Nacht auf Skorpion-Jagd ...

Von Dominic Casdorf

Landshut. Spinnen, Käfer, Insekten – es gibt einige heimische Krabbler, die sich hin und wieder in unsere Wohnungen verirren. Unangenehm zwar, aber kein Grund zur Panik. Der ungebetene Gast jedoch, den eine 26-Jährige in der Nacht auf Mittwoch (10. Februar) entdeckte, hat die junge Frau regelrecht erschaudern lassen. Im Schlafzimmer bemerkte sie – einen Skorpion!

Die 26-Jährige arbeitet als Betreuerin in einer Kinderwohngruppe bei Landshut. Gegen Mitternacht will sie sich im Bereitschaftsraum hinlegen. Dann wird sie stutzig. Da schleicht doch etwas die Zimmerdecke entlang! Sie schaut genauer hin – und bekommt einen Riesenschreck. Tatsächlich, ein Skorpion! Pechschwarz, einige Zentimeter lang. Unverwechselbar mit Giftstachel am gekrümmten Schwanz. Was tun, mitten in der Nacht?

In der gemeinsamen WhatsApp-Gruppe ihrer Arbeit sendet sie Fotos und einen denkwürdigen Hilferuf ab. „Ist noch wer wach und kann mich retten?“ Kollege Markus M. (33) liest die Nachricht. „Ich habe sie etwas beruhigt“, erzählt er. Nach dem ersten Schock nimmt die 26-Jährige allen Mut zusammen und geht mit einem Marmeladenglas auf Skorpion-Jagd. Es gelingt ihr schließlich, den Krabbel-Exoten einzufangen. Natürlich muss der festgesetzte Besucher umgehend einen Namen bekommen. Markus M. sagt: „Wir haben ihn Herbert getauft.“ Herbert, der Skorpion.

Nach Rücksprache mit der Reptilienauffangstation in München kommen sie mit einer Spinnentier-Expertin aus dem Landkreis Landshut in Kontakt. Daniela Krippner hält selbst Skorpione und gewährt Herbert seit Mittwoch in einem Terrarium Asyl. „Er zählt zu den mindergiftigen Skorpionen“, erzählt die 39-Jährige. Ein Euscorpius italicus wohl. Sein Gift hat in etwa die Wirkung eines Bienen- oder Wespenstiches. Daniela Krippner rät trotzdem zur Vorsicht: „Man sollte Skorpione niemals auf die Hand nehmen. Das sind keine Kuscheltiere.“ Auf seinem Speiseplan stehen Asseln, Mehlwürmer, Käfer. „Was er in seiner Größe eben so verputzen kann.“

Wie Herbert allerdings zuvor in die Wohngruppe gelangte, bleibt ein Rätsel. Als blinder Passagier vielleicht, ein Mitbringsel aus südlicheren Gefilden? „Wir haben alle keine Ahnung“, sagt Markus M., „wegen Corona war ja schon ewig keiner von uns mehr im Urlaub.“

Und die furchtlose Skorpion-Jägerin? Die hat das Erlebte ganz gut verdaut, aber ein mulmiges Gefühl wird erstmal bleiben. Immerhin: Es ist unwahrscheinlich, dass sich irgendwo in der Wohngruppe ein weiterer Skorpion versteckt. Daniela Krippner gibt vorsichtig Entwarnung: „Skorpione sind im Normalfall Einzelgänger. Weitere Exemplare würde ich am Fundort nicht vermuten.“