Würdevoller Abschied

Erste Tierbestattung im Landkreis Landshut eröffnet

31.01.2022 | Stand 31.01.2022, 6:04 Uhr

In Altdorf hat Ursula Stangl die erste Tierbestattung im Landkreis eröffnet. −Foto: Mühlehner

Von Corinna Mühlehner

Um Menschen zu helfen, ihre Haustiere würdevoll zu beerdigen, hat Ursula Stangl in Altdorf die erste Tierbestattung im Landkreis Landshut eröffnet.



Ein Hund, der einen 13 Jahre begleitet hat, eine Katze, mit der man praktisch aufgewachsen ist – irgendwann kommt der Tag, an dem man Abschied nehmen muss. Der Tod eines Haustiers ist für viele sehr belastend.

„Ein Tier ist genau so ein Lebewesen wie der Mensch“, ist Ursula Stangl überzeugt. Sie ist Fachfrau, hat zuvor in der Humanbestattung gearbeitet. „Tiere sind ein Familienmitglied und haben es deswegen verdient, würdevoll und liebevoll bestattet zu werden“. Eine Tierbestattung zu eröffnen, war aber gar nicht so einfach: „Es hat sich sehr gezogen, weil die Behörden selbst erst klären mussten, was alles nötig ist. So einen Fall gab es im Landkreis noch nicht“, sagt Ursula Stangl. Seit November ist jedoch alles geregelt.

Tierfriedhof oder Feuerbestattung

Nun kann Stangl Tierliebhabern einen wichtigen Halt geben. „Wenn ein Tier stirbt, wird dir ein Teil von deinem Herzen rausgerissen“, so ihre Erfahrung. Deshalb will sie Menschen helfen, Abschied zu nehmen. „Wir übernehmen die Überführung des Leichnams von zu Hause oder vom Tierarzt“, erklärt sie. Ursula Stangl und ihr Lebensgefährte regeln dann je nach Bestattungswunsch der Kunden alles mit den betroffenen Stellen.

Verstorbene Lieblinge können dabei auf einem Tierfriedhof beigesetzt werden, aber auch eine Feuerbestattung sei möglich. Um zu gewährleisten, dass dabei wirklich alles richtig läuft, fahren Ursula Stangl und ihr Lebensgefährte selbst nach München zum Tierkrematorium. „Im Gegensatz zu Menschenasche darf man die des Tieres zu Hause behalten“, informiert sie.

3D-Pfotenabdruck als Andenken

Ob eine elegante Urne in Dunkelrot, eine rosa Pyramide mit Pfotenabdrücken oder ein modernes und schlichtes Design aus Holz – bei Ursula Stangl hat der Kunde zahlreiche Möglichkeiten, um die Asche seines Tieres ganz nach seinen Wünschen aufzubewahren. „Es gibt sogar eine Urne, in die ein Baumsamen eingepflanzt wird, der dann wächst“, sagt die Inhaberin. Und sogar eine Seebestattung sei denkbar. Wer sich ein Andenken wünscht, kann einen 3D-Pfotenabdruck anfertigen lassen – oder sogar einen Diamanten aus der Asche. „Der Preis geht bei 1300 Euro los“, erklärt Ursula Stangl. Und variiere je nach Größe. Bis zu 20.000 Euro könne ein Diamant kosten.

Wenn ein Tier stirbt, stellt sich für den Besitzer immer die Frage, was mit dem Leichnam geschieht. Wer keinen Garten hat oder das Tier dort wegen etwaiger Vorschriften nicht vergraben darf, muss sich also über Alternativen Gedanken machen. Die Stadt Landshut bietet diese an – allerdings war Ursula Stangl schockiert, als sie Genaueres erfuhr. „Da wirfst du dein Tier, das dich jahrelang begleitet hat, einfach in einen Container auf dem Wertstoffhof. Da dreht sich mir der Magen um. Die Tiere werden einfach weggeschmissen.“ In der Tierkörperbeseitigungsanlage könne es dann sein, dass die verstorbenen Lieblinge zu Tiermehl oder anderen Ressourcen verarbeitet werden. Für Stangl eine grausige Vorstellung.

Auch Vorsorge ist ein wichtiges Thema

Die Hemmschwelle, wenn es um den Tod des geliebten Haustiers geht, sei groß. „Das ist wie beim Menschen, viele wollen darüber gar nicht nachdenken“, weiß sie. „Und wenn es soweit ist, zieht es ihnen den Boden unter den Füßen weg.“ Sie kenne das aus der Humanbestattung, wenn die Angehörigen mit Fragen überhäuft würden, aber gar nicht richtig da wären. „Die wissen Tage später manchmal gar nicht mehr, was sie gesagt haben.“

Das sei im Falle eines verstorbenen Tieres oft nicht anders. Genau deshalb bietet Ursula Stangl auch Vorsorge an. Abseits der Planung, wie das Tier nach seinem Tod bestattet werden soll, kann sich der Besitzer auch für den Fall seines eigenen Todes Gedanken macht, wo sein Tier danach hinkommt. „Wir schauen dann, dass das Tier entsprechend vermittelt wird und nicht im Tierheim bleibt.“

Tiere gehören zu Ursula Stangls Leben. Sie sei mit Tieren aufgewachsen und habe sich mit ihren Eltern schon immer ehrenamtlich engagiert. Gerade deshalb ist es Ursula Stangl so wichtig, dass die treuen Begleiter am Ende ihres Lebens auch würdevoll bestattet werden. „Das ist meine Berufung.“ Auch deshalb sei sie an 365 Tagen im Jahr, 24 Stunden am Tag erreichbar.