Hauptzollamt Landshut zieht Bilanz

Eine Rekordsumme an Rauschgift und 900 neue Brexit-Zöllner

18.05.2021 | Stand 18.05.2021, 14:02 Uhr

Um sicherzugehen, dass Ware aus dem Ausland nicht geschmuggelt wird, ist die Kontrolle der Warenabfertigung eine wichtige Teilaufgabe des Zolls. −Foto: Hauptzollamt Landshut

765 Millionen Euro Gesamteinnahmen, über acht Millionen Warenabfertigungen und 14.000 bei Verkehrskontrollen Überprüfte. Das Hauptzollamt Landshut zieht Bilanz für das Jahr 2020.


Im Hauptzollamt Landshut betrug die Höhe der Gesamteinnahmen im Jahr 2020 in etwa 765 Millionen Euro, die sich aus rund 20 Millionen Euro Zölle, 585 Millionen Euro Einfuhrumsatzsteuer und etwa 160 Millionen Euro Verbrauchsteuern zusammensetzen.



Fast 129 Milliarden Euro hat der Deutsche Zoll für den Bundeshaushalt und 4,7 Milliarden Euro an Zöllen für die EU eingezogen. Den größten Anteil hatten mit 63,2 Milliarden Euro die Verbrauchsteuern.





Deutschlandweit Rekordmengen an Rauschgift sichergestellt




Insgesamt bearbeiteten die vier Zollämter des Hauptzollamts Landshut, Hallbergmoos, Passau, Plattling und Suben-Autobahn , vergangenes Jahr über acht Millionen eingegangene Pakete.



Deutschlandweit stellten Zöllner laut Bilanz in über 250 Millionen Zollabfertigungen aus Nicht-EU-Staaten im Gesamtwert von fast einer Billion Euro Rekordmengen an Rauschgift sicher. Darunter waren über neun Tonnen Kokain, mehr als drei Tonnen Marihuana und rund 1,1 Millionen Tabletten an Amphetaminderivaten – überwiegend Ecstasy.



Neben der Kontrolle von Paketen auf illegale Schmuggelware prüft der Zoll bei der Einfuhr von Schutzausrüstung, beispielsweise Corona-Schutzmasken, unter anderem die Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften. Das beinhaltet das Prüfen der CE-Kennzeichnungen.





Mann mit 630 Stück Munition und Revolver überführt



Die Verkehrswege-Kontrollen des Hauptzollamts Landshut, die regional in Passau, Plattling und Zwiesel ansässig sind, prüften im vergangenen Jahr auf sämtlichen Verkehrswegen im Bezirk über 11.000 Objekte und 14.000 Personen. Dabei wurden Drogen wie Amphetamin, Marihuana, Haschisch und über 1,1 Millionen Zigaretten sichergestellt.



Im Januar dieses Jahres stoppten Zöllner zudem in Zwiesel ein Auto mit deutschem Kennzeichen am Ortsrand von Bayerisch Eisenstein. Bei der Kontrolle wurden zuerst unter der Abdeckung im Kofferraum 630 Stück Munition gefunden, anschließend unter dem Beifahrersitz ein Revolver. Der Beschuldigte hatte keine Erlaubnis für die Schusswaffe und Munition und wurde vorläufig festgenommen. Das Zollfahndungsamt München mit Dienstsitz Nürnberg übernahm die weiteren Ermittlungen. Wohnungsdurchsuchungen wurden durchgeführt.





Schäden durch Schwarzarbeit fast verdreifacht



Die Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS) beim Hauptzollamt Landshut hat im vergangenen Jahr 1.640 Straf- und 580 Ordnungswidrigkeitenverfahren eingeleitet. Im Rahmen der Ermittlungen hat die FKS Schäden in der Gesamthöhe von rund 25 Millionen Euro aufgedeckt. Dies entspricht fast einer Verdreifachung zu 2019. Fast 1.000 Arbeitgeber wurden geprüft, 2.153 Strafverfahren abgeschlossen. Für die Straftäter wurden Freiheitsstrafen von insgesamt 40 Jahren erwirkt.



Deutschlandweit überprüfte die FSK mehr als 45.000 Arbeitgeber und leitete rund 105.000 Strafverfahren ein. Knapp 107.000 Strafverfahren wurden erfolgreich abgeschlossen.





58 Millionen Euro von Schuldnern eingetrieben



Wenn jemand ausstehende Leistungen nicht bezahlt, treibt der Zoll diese ein. Neben Zollzahlungen sind das auch Beiträge für das Arbeitsamt, Krankenkasse oder andere Sozialbehörden. Die Vollstreckungsstelle des Hauptzollamts Landshut behandelte 2020 110.000 dieser Fälle und trieb dabei rund 58 Millionen Euro ein. Nicht immer können die Vollziehungsbeamten dabei geschuldete Beiträge in bar kassieren.
Kommt es dann zur Pfändung von Wertgegenständen, werden diese zum Teil über das virtuelle Auktionshaus unter www.zoll-auktion.de verkauft.


Rund 79 Nachwuchskräfte hat das Hauptzollamt derzeit in Ausbildung. Diese absolvieren eine zweijährige Lehrzeit im mittleren und ein dreijähriges Studium im gehobenen Dienst. Ausbildungs- und Praxisphasen wechseln sich bei den 42 Ausbildungshauptzollämtern ab.





Corona und der Brexit als neue Herausforderungen





Ein Neuerung erwartete den Zoll mit dem Ausstieg Großbritanniens aus der EU. In Vorbereitung auf den Brexit wurden laut Bilanz 900 zusätzliche Stellen geschaffen.



Eine insgesamt positive Bilanz zieht Gerhard Pieper, Leiter des Hauptzollamts Landshut, angesichts der Corona-Pandemie: „Dank einer rasch angepassten technischen Ausstattung konnten unsere Beschäftigte ihre Tätigkeiten in nahezu sämtlichen Aufgabenbereichen ganz überwiegend im Homeoffice erledigen und wir daher die Herausforderungen, die die Pandemie an uns stellt, insgesamt gesehen schnell und gut meistern“, so Pieper. „Zudem wird der Zoll sich auch aktuell personell verstärken und weiterhin eine hohe Zahl an Nachwuchskräften einstellen. Dementsprechend heißt es auch bei der Nachwuchsgewinnung pandemiebedingt neue Wege zu gehen", stellt er in Aussicht.