Künstler Remo Leghissa

Ein Kunstschmied, der einst ein Förster war

03.08.2022 | Stand 03.08.2022, 17:56 Uhr

Der Kontrast aus friedlicher Natur und lautem Schmieden ist prägnant. Den Künstler Remo Leghissa müsse man aber ganzheitlich denken, wie ein Freund sagt: Sein Werk und sein Schaffen in und nicht außerhalb der Natur. −Fotos: Bayer

Von Veronika Bayer

Remo Leghissa ist ein ruhiger Mann mit offenem Lächeln. Diese Ruhe findet man auch in seinem „Garten“ wieder – einem etwa sechstausend Quadratmeter großen Areal, auf dem Libellen über das vor sich hinplätschernde Wasser schwirren, Schmetterlinge von Blume zu Blume flattern und der Wind in den Bäumen spielt.



Einmal im Jahr lädt Remo Leghissa zum Skulpturensommer nach Wölflau ein: Dann flanieren Besucher über Wiesen, Wege, am Teich entlang über die Brücke, an Kunstwerken vorbei. „Das ist ein Erlebnis“, hatte ein Besucher einmal gesagt: „Schöner kann so eine Ausstellung nicht sein.“ Eine offene Ausstellung, denn der Besuch im privaten Garten kostet keinen Eintritt. Und stets lädt Remo Leghissa noch andere Künstler ein, während des Skulpturensommers im Park auszustellen.

Studium der Forstwirtschaft

Es war ein weiter Weg bis dahin. Bevor Remo Leghissa Künstler wurde, studierte er Fortwirtschaft, heiratete, wurde Vater. Viel Zeit zu Träumen habe er nicht gehabt, nachdem ihm klar wurde, dass ihm zwar der grüne Bereich gefalle, aber die Beamtenlaufbahn nichts für ihn sei: „Ich musste mir wirklich ernsthaft überlegen, wovon leben. Was ich will.“ Remo Leghissa spricht von einem „magischen“ Moment, einer „abrupten Entscheidung, plötzlicher Gewissheit“ Künstler werden zu wollen, die ihn nach einer Zeit der Suche überkommen habe und für die er im Nachhinein sehr dankbar sei. Im Herbst 1989 fängt er schließlich an, seine zentrale Lebenserkenntnis in die Tat umzusetzen und konsequent künstlerisch zu arbeiten.

„Mir war klar, dass ich mit anderen Jobs weitermachen muss. Dass es ein fließender Übergang werden muss. Der erste Entschluss war so: Ich möchte es schaffen, mein Einkommen zu einem Drittel aus der Kunst zu bestreiten. Das war die erste Etappe, das erste Ziel. Und das hat sich dann immer mehr verschoben, je mehr sich der Erfolg eingestellt hat.“ Also konsequentes Unternehmertum? Remo Leghissa schmunzelt. Er sei immer mit beiden Beinen auf dem Boden gestanden.

Großvater brachte ihm früh die Arbeit mit Eisen näher

Geprägt haben ihn Kindheitserfahrungen, ebenso wie später „der familiäre und berufliche Aufbau“. Rund 15 Jahre habe letzterer im Endeffekt gedauert und er geschah neben Jahrzehnten Familienzeit – die sieben Kinder sind heute alle erwachsen, Remo Leghissa ist bereits Opa von fünf Enkeln. Sein eigener Großvater war Kunstschmied und habe ihm früh die Arbeit mit Eisen nähergebracht. „Das war eine fundamentale Erkenntnis“, sagt er: „Die Freude am Metall.“ Warum aber gerade ein solches Material, sperrig und schwer? „Das Endgültige, die Auseinandersetzung mit der Härte“, das mache ihm Freude, sagt er. Seine Eltern, sehr naturverbunden, regten ökologisches Bewusstsein an, das das Forstwirtschaftsstudium noch einmal sensibilisierte. „Bei beiden Auseinandersetzungen, Natur und Metall, muss ich Gesetzmäßigkeiten erkennen“, beschreibt der Kunstschmied, der seinen riesigen Garten anlegt, pflegt und dort Platz für seine Werke schafft, den „kleinsten gemeinsamen Nenner“.

Die Natur öffnet neue Räume

Das Schaffen in der Natur in Auseinandersetzung mit der Natur ist für Remo Leghissa ein zentraler Aspekt. Die Natur habe ihren eigenen Plan, sagt er. Darin zu gestalten heiße auch, sich der Endlichkeit in ihrer Unendlichkeit bewusst zu sein: Dass das Werk nie fertig werde, aber auch dass „man am Ende den Kürzeren zieht“. Die Natur schlage einen neuen, einen eigenen anderen Weg ein. „Viel von dem, was man gemacht, gestaltet, realisiert und an Ideen eingebracht hat, geht in die Brüche.“ Doch die Natur öffne neue Räume. „Teil des großen Ganzen zu sein und nicht Beherrscher, Fremdkörper oder dergleichen“ sei Teil seiner Haltung, Teil seines „spirituellen Denkens“ geworden, sagt Remo Leghissa.

Mattias Bischoff, ein technischer Künstler, ist einer der Menschen, die in Wölflau schon ausgestellt haben. Er kennt Remo Leghissa seit Jahren. Bischoff sagt über ihn, dass es „eine Wesenheit“ sei, die da agiere und mache. Jemand, der nicht nur Metall schmiedet, sondern auch jemand, der den Rasen mäht, die Blumen pflegt. „Er macht alles. In dieser „Einheit, die aus sich selbst heraus lebt, ist Remo mit Teil dieser Einheit in einem geistig-meditativen Prozess, der ihn beflügelt“, sagt er.

In seiner Schmiede formt er Metall zu Kunst

Lächelnd sieht man den Meister Remo Leghissa anderntags in der Schmiede. Funken sprühen, in der Mache wieder ein Werk für den Garten: in „weicheren“ Formen, denn davon sei seine derzeitige Schaffensperiode geprägt. In feinen Linien ist auf dem Metall markiert, wo und wie die Arbeit weitergehen soll. Wenn das Feuer kommt, ist von der Skizzierung nichts mehr zu erkennen. Aber die Form nimmt mehr und mehr Gestalt an. Am Ende wird auch dieses Werk seinen Platz in der Natur findet.