Landshut

Café „Zum grünen Zweig“: „Wir wollen vegan schmackhaft machen“

16.06.2022 | Stand 17.06.2022, 13:36 Uhr

Eine Gegenbewegung zur heutigen Konsumgesellschaft, hundert Prozent vegan, möglichst viel Bio – das ist der Traum von Moritz Kaiser (v.l.), Antonia Bummer und ihrem Bruder Alois. Vor kurzem haben sie ihr Café „Zum grünen Zweig“ eröffnet.

Von Corinna Mühlehner

Das Café „Zum grünen Zweig“ lädt zum Verweilen ein. Helles Holz und Pflanzen, dazu rustikale Möbel und sanfte Grüntöne an den Wänden – hier soll man sich wohlfühlen.



Das ist den Betreibern – den Geschwistern Antonia (25) und Alois Bummer (29) sowie dessen Partner Moritz Kaiser (30) – fast noch wichtiger als das komplett vegane und möglichst aus Bio-Produkten zubereitete Essen. Nach über zwei Jahren Corona-Einschränkungen wollen die drei Landshuter mit ihrem Café in der Zweibrückenstraße einen Ort der Begegnung schaffen.

Vegan oder nicht vegan – „das ist eine moralische Frage“, betont Antonia Bummer. Die Betreiber des „Grünen Zweigs“ ernähren sich alle komplett ohne tierische Produkte. „Die Art und Weise des heutigen Fleischkonsums ist einfach nur pervers“, sagt Alois Bummer. Und sie sei nicht zeitgemäß. „Das weiß zwar jeder, siehe Massentierhaltung und Billigfleisch“, so Bummer. „Aber man muss was dafür tun, dass es nicht so ist. Die Verantwortung liegt bei uns allen.“

Auch Fleischesser und Vegetarier kommen vorbei

Die Nachfrage nach veganen Angeboten sei da, betonen die Betreiber. „Und das bewegt sich durch alle Altersschichten. Wir haben auch erstaunlich viel ältere Kundschaft, die einfach Interesse hat“, sagt Alois Bummer. Auch sei die Kundschaft nicht immer rein vegan. „Es kommen viele Vegetarier, aber auch Fleischesser, die einfach mal was Neues ausprobieren wollen. Das ist total gemischt.“

Das Ziel im „Zum grünen Zweig“ sei es, vegane Küche schmackhaft zu machen. „Und zu zeigen, dass das nicht immer mit einer großen Veränderungen einhergehen muss“, erklärt der 29-Jährige. Denn genau davor hätten viele Angst. „Wir wollen die Leute nicht verändern, aber wir wollen sie zur Veränderung inspirieren“, fasst es Alois Bummer zusammen.

Genau deshalb haben sich die drei Landshuter auf traditionell bayerische sowie mitteleuropäische Küche spezialisiert. Fürs Kochen und Backen ist in erster Linie Moritz Kaiser zuständig, Service und Barista-Aufgaben übernimmt Antonia Bummer. Ihr Bruder Alois kümmert sich vorrangig um die Geschäftsführung und Bürotätigkeiten. Das Angebot im Café wechselt je nach Saison. Spargel-Quiche, Tempeh mit Kartoffel-Sellerie-Stampf, Zwiebelgulasch mit Semmelknödeln oder Pilzragout sind nur einige Beispiele der veganen Küche im „Zum grünen Zweig“.

Als Café dürfen natürlich auch die süßen Leckereien nicht fehlen. „Jetzt kommt die Erbeer-Zeit, dann gibt‘s zum Beispiel Erdbeer-Vanille-Tarte oder -Mousse“, erklärt Moritz Kaiser.

Auf den Teller kommt auch selbstangebautes Gemüse

Die drei freuen sich schon aufs Sommergemüse. „Dann gibt‘s was mit Tomaten und Zucchini“, so Alois Bummer. Und zwar aus dem eigenen Garten. Auf der angegliederten Terrasse mit Blick auf die Isar wachsen in den Blumentöpfen auch allerlei Kräuter und Gemüse für die Küche des „Zum grünen Zweigs“. „Damit man das Essen auch sieht, das nachher auf dem Teller landet“, erklärt Alois Bummer. Zudem sei es auch einfach schön anzusehen. „Wir haben halt Mangoldstauden statt Geranien“, lacht er.

Ernährung ohne tierische Produkte ist im Wachstum, so Bummer. „Und wir wollen diese Entwicklung verkörpern.“ Am liebsten mit einem Café in ihrer Heimatstadt, in dem darüber hinaus möglichst auf Bio-Produkte geachtet wird. Etwas, das sich in der Gastronomie leider nur sehr wenige trauen würden. „Obwohl immer mehr Leute drauf schauen. Aber wenn man Essen geht, sieht man halt auf dem Teller nicht, ob es Bio ist.“

Ihre Produkte beziehen die drei Betreiber möglichst aus der Region. Allerdings ließen sich in einem Café Importprodukte nicht vermeiden. „Da achten wir dann aber darauf, dass das Fair Trade ist, etwa beim Kaffee“, betont Antonia Bummer.

„Coffee-to-give“ für Bedürftige

Etwas Gutes tun wollen die drei Betreiber auch mit dem „Coffee-to-give“. Dabei bezahlt man zum Beispiel einen Kaffee und hängt den Kassenbon an die Pinnwand draußen vorm Laden. „Dort können sich Bedürftige oder jemand, der einfach nur seinen Geldbeutel vergessen hat, den Bon nehmen, und zu uns in den Laden kommen, um sich das Entsprechende abzuholen“, erklärt Antonia Bummer. Angst, dass das Angebot ausgenutzt wird, haben die Betreiber nicht. „Natürlich fußt das Ganze auf Vertrauen“, sagt die 25-Jährige. „Aber der Kaffee ist ja so oder so bezahlt.“

Die Betreiber des „Zum grünen Zweigs“ sind alle Quereinsteiger in der Gastronomie. Alois Bummer ist gelernter Kaufmann, war zuletzt im Lebensmitteileinzelhandel tätig. Seine Schwester Toni ist Heilerziehungspflegerin, hat in Berlin Erfahrung im Service gemacht – in einer veganen Metzgerei. Moritz Kaiser ist Designstudent. Was sie alle vereint: die Liebe und Leidenschaft für vegane Küche.

Und das Miteinander. Ihr Café soll ein Ort der Begegnung sein. Stammtische, Spiele- oder Karaoke-Abende, Poetry Slams, Live-Musik und Vorlesungen – „wir wollen eine andere Kultur etablieren“, sagt Antonia Bummer. Eine, bei der zum Verweilen eingeladen wird. „Da kann man sich auch einfach mal reinsetzen und ein Buch lesen. Wir wollen, dass die Leute einfach Lust haben, hier zu sein.“