15.10.2020, 14:32 Uhr

Preisübergabe Bezirk zeichnet Glaskünstler Bernhard Dagner mit dem Kulturpreis aus

Der Glaskünstler Bernhard Dagner und Bezirkstagspräsident Franz Löffler nach der Preisübergabe. Foto: Bezirk OberpfalzDer Glaskünstler Bernhard Dagner und Bezirkstagspräsident Franz Löffler nach der Preisübergabe. Foto: Bezirk Oberpfalz

Bezirkstagspräsident Franz Löffler zeigte sich „hellauf begeistert“, den mit 3.500 Euro dotierten Kulturpreis des Bezirks Oberpfalz in Krummennaab an den Glaskünstler Bernhard Dagner zu übergeben. „Wir feiern diese Auszeichnung praktisch im Wohnzimmer des Preisträgers“, sagte Löffler am Wohn- und Arbeitsort des Künstlers in der Mannl-Villa zu der corona-bedingt stark eingeschränkten Anzahl an Festgästen.

Krummennaab. Das Haus wurde 1919 vom Architekten Josef Koch, unter anderem Bauherr der bezirkseigenen Weinschenkvilla in Regensburg, als Direktorenvilla für den Porzellanfabrikanten Mannl gebaut. Nach bewegender Geschichte, unter anderem in NS-Zeiten als Heim für den „Bund deutscher Mädels“ und in den 60er-Jahren als Wohnort für griechische Gastarbeiterinnen, hat die Familie Dagner 1998 das bereits für den Abriss vorgesehene Haus gekauft und von Grund auf saniert. „Es ist mir eine Ehre, in diesem geschichtsträchtigen Haus den Kulturpreis des Bezirks Oberpfalz zu verleihen“, sagte Bezirkstagspräsident Löffler und wies darauf hin, dass es angesichts der Vielfalt Oberpfälzer Kulturschaffens nicht schwer sei, Preisträger für den jedes Jahr in drei Kategorien ausgeschriebenen Kulturpreis zu finden.

„Ein Künstler arbeitet immer in einer Tradition, er ist Teil einer Kette“, führte Löffler aus und verwies auf Ortsnamen im Landkreis Cham wie Alt- oder Neuhütte, die auf die Geschichte Oberpfälzer Glasherstellung hinweisen. Besonders begeistert zeigte sich Löffler von der 10.000 Stunden Regel des Künstlers. „Erst wenn man so lange an einem Objekt gearbeitet hat, kann man es der Öffentlichkeit präsentieren“, sagte der Preisträger. „Diese Demut zeigt sich in Ihren Werken“, lobte Löffler.

Dagner, der 1983 bis 1989 an der Akademie der Bildenden Kunst in Nürnberg studiert hatte, kehrte vor rund 20 Jahren in die Oberpfalz zurück und entdeckte den Werkstoff Glas. Dagner nutzt die unterschiedlichen Farbspiele der Gläser und wendet verschiedene Techniken wie Glasschneiden, Schleifen, Sandstrahlen oder das Verkleben der Glasschichten an, um das „in seinen Augen möglichst perfekte Kunstwerk zu schaffen“, hob Löffler hervor. Sich selbst sieht er als Glasmaler, der den Grundrohstoff Flachglas, den er von der traditionsreichen Glashütte Lamberts aus Waldsassen bezieht, so übereinanderlegt und in Verbindung bringt, dass mittels geometrischer Formen einzigartige Farbkombinationen und optische Effekte entstehen. „Jeden Handgriff mache ich selbst“, sagt Dagner, sogar die Holzrahmen stelle er selber her. Neben seiner künstlerischen Arbeit unterrichtet er als Kunsterzieher am Gymnasium in Eschenbach und als Dozent an der Fachakademie für Sozialpädagogik in Weiden.

Dr. Alfred Scheidler, stellvertretender Landrat des Landkreises Tirschenreuth, lobte den Künstler für seine Energie und Leidenschaft. Er hoffe, dass die Auszeichnung auch Ansporn sei, weiterzumachen. „In Zeiten der Globalisierung und Digitalisierung schaffe Kultur und Kunst Orientierung und wirke identitätsstiftend“, so Scheidler. Krummennaabs Bürgermeisterin Marion Höcht verband ihren Stolz, dass der Künstler in ihrer Gemeinde lebt mit der Frage: „Was nützen 10.000 Arbeitsstunden, wenn man kein Talent hat?“ Angesichts der Sanierung des Hauses und seiner künstlerischen Arbeit lobte sie Talent und Ausdauer Dagners und wünschte ihm weiterhin viel Leidenschaft und Energie, seine Ideen zu verwirklichen.


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