24.09.2019, 20:31 Uhr

Kultur Stadtführung mit Günther Plößl durch das vergessene Zentrum Burglengenfelds

Diese Ansichtskarte zeigt den Bahnhof Burglengenfeld im Jahr 1904. Mit dem Anschluss an die Bahn schaffte die Stadt den Sprung in die Moderne. (Foto: Dr. Margit Berwing-Wittel)Diese Ansichtskarte zeigt den Bahnhof Burglengenfeld im Jahr 1904. Mit dem Anschluss an die Bahn schaffte die Stadt den Sprung in die Moderne. (Foto: Dr. Margit Berwing-Wittel)

Die Vorstadt in ihrer ursprünglichen Ausdehnung zwischen Friedhof und Brunnmühle ist Thema einer spannenden Stadtführung am Sonntag, 6. Oktober, in Burglengenfeld mit Ortsheimatpfleger Günther Plößl. Treffpunkt ist um 15 Uhr am Georgianger (Volksfestplatz). Die Führung dauert rund anderthalb Stunden, Erwachsene zahlen drei Euro, Kinder unter 8 Jahren sind frei. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

BURGLENGENFELD Bekanntlich war die Vorstadt viel früher besiedelt als die Alt-Stadt und mit der Pfarrkirche St. Georg auf der Widen auch das eigentliche religiöse Zentrum im frühen Mittelalter, als die Ansiedlung noch weitgehend aus vier autonomen so genannten. „Urhöfen“ – zwei links und zwei rechts der Naab – bestand. Die Georgskirche selbst wurde 1817 als „entbehrlich“ betrachtet und abgerissen. In der Vorstadt gab es zudem neben mehreren Wirtshäusern auch eine eigene Schule, die ebenfalls abgerissen wurde; das frühere Armenhaus dort wurde in den 1980er-Jahren ein Raub der Flammen. Günther Plößl weiß neben historischen Gegebenheiten zahlreiche Anekdoten und Kuriositäten aus dem Leben der Vorstadtbewohner zu erzählen - von dramatischen Unglücksfällen und Hochwasserereignissen bis zur Badeordnung der 1930er-Jahre – die beim Fährbetrieb von der Vorstadt zum Irlbad ausgehängt war.

Die Vorstadt ist ein Stadtviertel, das stets Veränderungen unterworfen war. Seitdem hat sich gerade in diesem Stadtviertel viel verändert – heute bestimmen Industrie- und Gewerbetriebe das Bild, wie seit 1913 das Zweigwerk der Heidelberg Cement AG damals noch Portland-Zementwerk) seinen Betrieb aufnahm und sich in der Folge Veredelungsbetriebe, aber auch Künstler auf den neuen Werkstoff spezialisierten. Handwerk, Handel und Gewerbe haben in der Vorstadt ebenso eine lange Tradition – angefangen bei der Griesmühle (später Schweinesbein-Mühle), deren Silo in den 1990er-Jahren zu einem Wohnensemble umgebaut wurde, bis hin zu Handwerkern aller Art (mehrere Schreiner, Metzger, Glaser, Schmied, Fischer usw.), die den kurzen Weg über die Naabbrücke nutzten, um ihre Produkte bei den Bürgern der Altstadt anzubieten.

Mit dem verspäteten Bau eines Eisenbahnanschlusses Ende des 19. Jahrhunderts schaffte Burglengenfeld dann endlich den Sprung in die Moderne, was mit der Einstellung des Personenverkehrs 1967 ein Ende nehmen sollte. Heute fahren zuweilen noch mit Zement beladene Güterzüge auf den alten Gleisen, und auch das Bahnhofsgebäude hat seine alte Form bis heute behalten. Wegen des Bahnhofsbaus musste die St. Sebastianskirche – errichtet zum Dank für die Errettung der Stadt vor der letzten großen Pestepidemie 1713 – um rund 60 Meter versetzt werden und wurde am neuen Standort mit einem von Günter Mauermann (Weiden) gestalteten Brunnen aufgewertet.


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