22.09.2019, 20:59 Uhr

„Stille Stars“ Was Keramik-Requisiten über legendäre Filmszenen der DEFA verraten

„Die Legende von Paul und Paula“, 1973. (Foto: DEFA-Stiftung/Jürgen Brauer)„Die Legende von Paul und Paula“, 1973. (Foto: DEFA-Stiftung/Jürgen Brauer)

Sie zählen nicht nur zu den populärsten DEFA-Filmen aller Zeiten, sondern haben Filmgeschichte geschrieben: „Die Legende von Paul und Paula“ (1973) und die erfolgreiche Komödie „Der Mann, der nach der Oma kam“ (1972).

SELB/LANDKREIS WUNSIEDEL Bis heute berührt die tragisch-schöne Liebesgeschichte „Die Legende von Paul und Paula“ mit ihrer Romantik und Ironie, dem Plädoyer für Freiheit, den vielen kleinen Frechheiten und den unverwechselbaren Hauptdarstellern Winfried Glatzeder und Angelica Domröse die Zuschauer. Auch wenn sie eher beiläufig erscheinen, die „stillen Stars“, die bewusst platzierten Requisiten sind es, die letztlich die ganz besondere Stimmung des Films unterstreichen und unterschwellige Botschaften vermitteln. So steht Paulas Altbauwohnung mit Kohleofen im direkten Kontrast zu Pauls komplett neu eingerichteter Plattenbauwohnung mit Zentralheizung – ihre Welt erscheint romantisch, verspielt, seine dagegen gediegen und scheinbar perfekt. Auch die Blumenkränze und Girlanden, mit denen Paula in einer der Schlüsselszenen ihr Schlafzimmer schmückt, stehen wie das Geschirr mit Streublumen für die romantische Stimmung des Paares. Obwohl Paula auf gesellschaftliche Normen pfeift, ist sie doch ein Familienmensch und sehnt sich nach der wahren Liebe, das jedenfalls verrät ein Requisit im Raum: der dreiarmige Porzellanleuchter, der ein Bild von Paulas Großeltern beleuchtet.

Das klassische blau-weiß gemusterte Service der VEB Porzellanfabik Uhlstädt spielt ebenfalls eine stille, aber durchaus starke Rolle in einer der zentralen Szenen des damaligen DEFA-Kino-Klassikers „Der Mann, der nach der Oma kam“ mit dem beliebten Komiker Rolf Herricht in der Rolle des Familienvaters Günter Piesold. Es ist das Bewerbungsgespräch des attraktiven Studenten Erwin Graffunda, gespielt von Glatzeder, der sich der Schauspiel-Familie Piesold mit ihren vielen Kindern als Haushaltshilfe vorstellt, nachdem die Oma der Familie ausgefallen ist. Dass dieser ungewöhnliche Familienzuwachs in der Nachbarschaft zu allerhand Tratsch und kuriosen Verwicklungen führt, ist vorprogrammiert. Das „gute“ Porzellanservice mit dem traditionellen blau-weißen Blumendekor, mit dem die Familie ihren wichtigen Besuch in der entscheidenden Szene empfängt, unterstreicht nicht nur den formellen Charakter des Vorstellungsgesprächs, sondern vor allem den gediegenen Rahmen, den die sonst ziemlich chaotische Künstlerfamilie inszeniert, um ihren einzigen infrage kommenden Bewerber als Hausangestellten für sich zu gewinnen ...

Welche Rolle Requisiten aus Keramik im Film spielen, wie sie eingesetzt werden, welche oftmals versteckten Codes sie transportieren und welche spannenden Geschichten sie erzählen, ist aktuell in der Sonderausstellung „Stille Stars: Keramik in Film und Werbung“ im Porzellanikon – Staatliches Museum für Porzellan in Selb zu sehen (noch bis 26. Januar 2019).

Über die Sonderausstellung „Stille Stars“

Von legendären DEFA-Filmen wie „Die Legende von Paul und Paula“ bis zu „James Bond“, von „Pastewka“ bis „Stromberg“ – als bewusst platziertes Element in Kinofilmen, Werbespots oder auf Zeitschriftentiteln transportieren Keramik-Requisiten Botschaften, illustrieren einen bestimmten Zeitgeist oder erzeugen ein besonderes Lifestyle-Gefühl. Die Schau „Stille Stars: Keramik in Film und Werbung“ im Porzellanikon – Staatliches Museum für Porzellan in Selb rückt diese stummen Darsteller erstmals ins Rampenlicht und beleuchtet ihren Einsatz und ihre Wirkung in den jeweiligen Medien. Gezeigt werden Filmszenen, Werbeclips und Werbefotos aus verschiedenen Ländern in Europa, darunter Deutschland, England, Spanien, Schweden, Finnland – von den 1930er Jahren bis zum aktuellen Kinofilm heute. Aufwändige Inszenierungen und Medienstationen laden ein, in die bunte Welt der Kinofilme, Werbespots und Hochglanz-Magazine einzutauchen. Zu sehen ist die Ausstellung noch bis zum 26. Januar 2020.

Mehr zur Ausstellung erfahren Interessierte im Internet unter www.porzellanikon.org.


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