24.05.2019, 12:08 Uhr

Kampf, Gefluche und Geschre Historische Stadtführung in Hof – Hussitenüberfall mit Krach und Pulverdampf

(Foto: Andreas Rau)(Foto: Andreas Rau)

Es gibt Kampf, Gefluche und Geschrei, kreischende, um Erbarmen bittende, flehende weinende und schutzsuchende Frauen. Sie haben einfach Angst vor dem, was da kommen soll, was man gehört hat und es einfach hat nicht glauben wollen. Aber so, wie man es erzählt hatte, ist es gekommen, bloß noch viel schlimmer als man es sich in seinen kühnsten Träumen hätte nicht vorstellen können.

HOF Die schrecklichen Schilderungen von Zeitgenossen über diese Hussiten wurden nur noch von der Wirklichkeit übertroffen. Wer fliehen konnte, floh in die Wälder, der Rest wurde grausam ermordet, verbrannte in den Häusern oder verhungerte bzw. erfror anschließend in der eisigen Kälte. Aber es gab auch die wehrhaften und mutigen Frauen, die sich nicht scheuten, den Gegnern, dank ihres Glaubens die Stirn zu bieten. Und solche gab es in Hof viele.

Diese historischen Ereignisse, der Überfall der Hussiten auf Hof, mündeten in die Entstehung des Hofer „Nationalfeiertages“, dem Schlappentag. Im Vorfeld werden die geschichtlichen Gegebenheiten traditionell in einer szenischen Stadtführung vorbei an den historischen Punkten der Innenstadt einem breiten Publikum gezeigt. Die Führung startet am 15. Juni um 14 Uhr an der Hospitalkirche.

Angeführt von Elisabeth, die sich mit Vojislav, dem Hauptmann der Hussiten, knallharte Wortgefechte lieferte. Vojislav mit seinen Männern ist sich seiner Macht wohl bewusst und lässt sich von seinem Vorhaben nicht abbringen, die Kirche, das Kloster und dieses ganze armselige Nest niederzubrennen. Die Hussiten verfolgen ihre Ziele mit Feuer, Blut und Tod. Elisabeth kann nur verbal kontern, dass sie – die Ketzer Gottes – ihre gerechte Strafe zu spüren bekommen werden. Der Hussitenhauptmann spornt seine Männer immer wieder mit dem Schlachtruf an: „Auf ihr Männer – die ihr Gottes Streiter seid!“ –und die Männer antworten: „Hus! – Hus! – Hus! Bis es aber zu den Wortgefechten der beiden Hauptdarsteller kommt, sind auf der rund 1,2 Kilometer langen Wegstrecke von der Hospitalkirche über das Klarissenkloster bis zum Pausenhof der Neustädter Schule mehrere Zwischenstationen mit Aktionsszenen, auch mit Knalleffekt und Rauch vorgesehen. Insgesamt kommen knapp 40 Mitwirkende zum Einsatz: Dies sind die Hussiten, die Hofer Bürgerinnen, der Mönch, die Nonne, die Marketenderin, der Tuchhändler mit Frau und Magd, der Kaufmann und die Lautsprecherträger, sowie noch ein Musikus, ein Trommler und der Moderator. Daneben auch ein Nachtwächter, Scharfrichter und Herold, allerdings in anderen Funktionen.

Neben den Aktionsszenen werden die Besucher viel Wissenswertes über die Kirchen, die Klöster, die Reformation und den Schlappentag erfahren. Die Schäden, die die Hussiten bei ihrem „rauchenden Spaziergang“ hinterließen, waren beträchtlich. Letztendlich versank die Stadt Hof am 25. Januar 1430 in Schutt und Asche. Noch war es Winter, Hunger und Not kehrten hier ein. Die Bürger erholten sich nur langsam von dem grausamen Überfall. Was die Hussiten aber nicht geschafft haben war, die Hofer Bürger von ihrem katholischen Glauben abzubringen. Ein altes Weiblein aus der Mordgasse hatte jedoch vorhergesagt, dass ein Mönchlein kommen und den Glauben verändern wird. Die Gebete für den Erhalt des einheitlichen katholischen Glaubens konnten jedoch die religiöse Erneuerungsbewegung der Kirche nicht aufhalten, die Reformation der Kirche im 16. Jahrhundert unter Martin Luther führte zur Gründung der evangelischen Kirchen.

Die Teilnehmer der Führung dürfen gespannt sein, wie dieses mittelelterliche Stadtführungsspektakel vonstattengeht. Neu ist die Wegstrecke, beginnend um 14 Uhr an der Hospitalkirche und endend im Pausenhof der Neustädter Schule. Dort folgt dann die Verabschiedung vor einem aufgebauten Hussitenlager. Eine weitere Neuerung: Jasmin Sarah Zamani, Regie-Assistentin und Regisseurin am Theater Hof, berät die Laiendarsteller fachlich und unterstützt sie ebenfalls bei den Proben.


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