24.10.2018, 11:37 Uhr

„Der Tod gehört zum Leben“ Führung zu den Kunstdenkmälern auf dem Burglengenfelder Friedhof

Die Grabstätte von Henri Goffard, Gründer des Eisenwerks Maximilianshütte im Jahre 1852, ist auf dem Burglengenfelder Friedhof zu bestaunen. (Foto: Alexander Spitzer)Die Grabstätte von Henri Goffard, Gründer des Eisenwerks Maximilianshütte im Jahre 1852, ist auf dem Burglengenfelder Friedhof zu bestaunen. (Foto: Alexander Spitzer)

„Der Tod gehört zum Leben“ – so sagt man oft leichthin, aber gerade zu Allerheiligen und Allerseelen zeigt sich, wie eng wir auch nach Jahren und Jahrzehnten noch mit unseren Verstorbenen verbunden sind. Auf einem geführten Rundgang am Sonntag, 4. November, um 15 Uhr über den Burglengenfelder Friedhof erfahren interessierte Gäste vieles über die Geschichte der dortigen Kunstdenkmäler, aber auch über prominente Burglengenfelder Familien und die Bräuche und Rituale, die man früher und heute bei Beisetzungen und bei der Grabpflege vollzog.

BURGLENGENFELD Museumsleiterin Dr. Margit Berwing-Wittl und Stadtführerin Theresia Kral (Maxhütte-Haidhof) sowie Ortsheimatpfleger Günther Plößl bieten einen besinnlichen Spaziergang zwischen frisch geschmückten Gräbern an, wo am Spätnachmittag kurz vor dem Dunkelwerden eine ganz besondere Stimmung herrscht. Formen, Farben und Materialien der Grabdenkmäler, Blumenschmuck und die Symbolsprache der Friedhofskultur und die Bräuche rund um Allerheiligen spielen dabei eine Rolle.

In der Vorstadt befand sich die mittelalterliche Urpfarrei St. Georg auf der Wieden, von der heute noch die Nebenkapelle St. Anna mit Epitaphen seit dem 15. Jahrhundert zu finden ist. Eindrucksvolle Grabtafeln und figürlich gestaltete Grabstätten sind in Burglengenfeld vor allem aus den letzten beiden Jahrhunderten zu finden, darunter bedeutende Kunstwerke von den Bildhauern Fritz König (Landshut), von Karl und Franz Bornschlegel sowie von Christine Sabel (Burglengenfeld). Die Grabstätte von Henri Goffard – Begründer des Eisenwerks Maximilianshütte 1852 – ist ebenso zu bestaunen wie prunkvolle Familiengräber und bescheidene , anrührende Grabstätten für zu früh verstorbene Kinder. Auch die Gedenkstätte für die drei Opfer des „Blutigen Palmsonntag“, die im April 1919 die Räterevolution nach Kallmünz bringen wollten, wird aufgesucht. Dort war auch lange der kommunistische Widerstandskämpfer Josef Schmid, der im Mai 1945 wenige Tage vor Kriegsende von den Nationalsozialisten im KZ Dachau umgebracht wurde, beigesetzt.

Anfang November richten die Familien ihre Gräber für den Winter her und gedenken an Allerheiligen ihrer verstorbenen Familienmitglieder und Freunde. Neben den katholischen Hochfesten und Gedenktagen gibt es weitere, oft aus dem Mittelalter stammende Bräuche, Rituale und eine eindrucksvolle Symbolsprache. Diese Sepulkralkultur, wie der offizielle Fachbegriff für Friedhofskunst lautet, lässt sich in Burglengenfeld sehr eindrucksvoll nachvollziehen. Viele Grabsteine erzählen darüber hinaus Geschichten von Burglengenfelder Familien, die ihren Reichtum nicht nur im Leben, sondern auch nach dem Tod mit prächtigen Grabstätten demonstrierten.

Museumsleiterin Dr. Margit Berwing-Wittl, Theresia Kral und Günther Plößl werden bei dem rund 90-minütigen Rundgang über den Friedhof zahlreiche künstlerisch gestaltete Gräber aufsuchen, über die hier betrauerten Bürger der Stadt berichten und den Teilnehmern historische Bräuche und Rituale rund um das Sterben und die Grabgestaltung vorstellen.

Die Friedhofsführung findet am Sonntag, 4. November, um 15 Uhr statt, der Treffpunkt ist vor dem Haupteingang des Friedhofs. Die Führung kostet pro Person vier Euro. Anmeldung ist nicht erforderlich, alle Interessenten sind herzlich eingeladen.


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