10.12.2020, 08:48 Uhr

Täglich Musikvideos „#KallmünzerWinterMoment “ – ein Zeichen der Solidarität mit der Kulturszene in den Zeiten der Pandemie

 Foto: Martin Schmid Foto: Martin Schmid

Lara Helmig von der Eventagentur „Donauevents“ bringt noch ein paar Lichter am Bühnenvorhang an. „So gefällt es mir“, murmelt sie vor sich hin. Ludwig Pirkl nickt zustimmend. Die beiden dekorieren gerade zusammen einen Raum für das Projekt „#KallmünzerWinterMoment“ des „KulturEcks“ Kallmünz. „Gar nicht so einfach. Wir müssen ja sämtliche Hygieneregeln einhalten“, meint Ehrenmitglied Pirkl, der sein Haus als Drehort für verschiedene Musikvideos zur Verfügung gestellt hat.

Kallmünz. Was sich hinter dem Projekt verbirgt, erklärt Martin Schmid von „KulturEck“, der die Idee dazu hatte und ein passendes Konzept entworfen hat: Ab dem 13. Dezember, dem Tag der Heiligen Lucia, der Lichtbringerin, sollen bis Weihnachten täglich Musikvideos von Musikern aus der Region über Youtube, Facebook und Instagram veröffentlicht werden. „Intention war für uns, dass man durch die Veranstaltung ,#KallmünzerWinterMoment‘ ein kulturelles Licht in einer Zeit entzündet, in der sonst kulturelle Dunkelheit herrscht. Und ein Licht ist immer auch Zeichen der Hoffnung. Hoffnung darauf, dass bald wieder Kulturveranstaltungen und ein normales Leben möglich sind. Ich denke, dass wir gerade in der Weihnachtszeit besonders merken, wie schön Veranstaltungen wie Christkindlmärkte, Konzerte oder Theaterbesuche in der Vergangenheit waren und wie selbstverständlich die Arbeit der Kulturschaffenden in der Gesellschaft oftmals wahrgenommen wurde“, so Schmid.

Dass das „KulturEck“ genau die richtige Organisation ist, um die Musiker der Region zu fördern, davon ist die Vorsitzende Dr. Eva Schropp überzeugt. Überregionale Bekanntheit erreichte der Verein bereits in den letzten Jahrzehnten als Ausrichter des Kallmünzer Brückenfestes oder der Kunstschaunacht. Schropp führt seit dreizehn Jahren den Verein, der sich zum Ziel gesetzt hat, Kultur unter die Leute zu bringen und den Künstlern eine Bühne zu geben. „Beides ist in Zeiten der Pandemie nur sehr eingeschränkt möglich. Im vergangenen Jahr mussten wir sämtliche geplante Konzerte und Ausstellungen absagen. Deswegen ist es mir eine Herzensangelegenheit, diese Adventsaktion heuer durchzuführen“, so Schropp. Ihr ist zudem wichtig, dass die Musiker für ihre Arbeit auch entsprechend entlohnt werden. Das „KulturEck“ hat deswegen beschlossen, dass jeder teilnehmende Künstler einen bestimmten Betrag für seinen Auftritt bekommen soll. „Um die Kosten für den Verein aber möglichst gering zu halten, haben wir ein Spendenkonto zu unserem Projekt eingerichtet. Wir bitten alle Leute, die sich wie wir für Kultur interessieren und die Arbeit der Künstler wertschätzen, dieses Projekt durch eine Spende – eine Art virtuelle Gage – finanziell zu unterstützen.“

Es wird langsam Mittag am Set. Der Duft von Elsässer Flammkuchen liegt plötzlich in der Luft. „Damit mir niemand verhungert“, ruft jemand hinter der Türe. Es ist Ilse Arnauld des Lions, die in Kallmünz das kleine französische Café Pique-Nique betreibt. „Auch wenn ich als Gastronomin selbst von der Krise sehr betroffen bin, möchte ich einen kleinen Beitrag zu dieser tollen Aktion leisten“, meint die gebürtige Französin lächelnd. Momentan kann sie ihre Spezialitäten nur „to go“ über ein Fenster verkaufen. Dennoch hat sie sich was einfallen lassen: „Ich verkaufe in meinem Café Lose und helfe so, das Projekt mitzufinanzieren. Zu gewinnen gibt es sämtliche Leckereien aus meiner Backstube. Momentan muss man einfach kreativ sein und das Beste aus der Situation machen.“

Vor welche Hürden die Pandemie speziell die Musikerszene gestellt hat, davon weiß der Berufsmusiker Max Seelos aus Burglengenfeld zu berichten. Der Sohn des bekannten Bandleaders Ambros Seelos ist Schlagzeuger in mehreren Bands (unter anderem „Keller Steff Band“, „Da Rocka & da Waitler“, „Country Dudes“, „Rockin Suits“, „Die Blechbixn“). Während er in den Jahren vor Corona rund 150 Auftritte im Jahr hatte, so waren es heuer nur 15. Statt auf der Bühne tausende Menschen zu unterhalten, arbeitet der studierte Bachelor of Music derzeit auf 450-Euro-Basis in Wackersdorf bei einem Unternehmen, das medizinische Produkte herstellt. „Uns Musikern verlangt die Pandemie derzeit sehr viel ab. Neben den ausbleibenden Einkünften ohne Auftritte fehlt mir einfach auch das Gefühl, auf der Bühne zu stehen und den Leuten eine Freude zu machen“, erklärt der Drummer geknickt. Und weiter: „Ich habe mich riesig gefreut, als mich mein Kumpel Stephan Karl von ,KulturEck‘ angerufen und gefragt hat, ob ich ihn bei der Akquisition der Sänger unterstützen würde.“

Welche Musiker für das Projekt letztendlich gewonnen werden konnten, will Stephan Karl noch nicht verraten. Jedes Musikvideo soll eine Überraschung sein und die Zuhörer wie ein musikalischer Adventskalender die letzten Tage bis Weihnachten begleiten. Seine Aussagen machen aber definitiv neugierig: „Wir sind sehr breit aufgestellt. Wir haben Musiker dabei, die bereits bei ,Deutschland sucht den Superstar’ oder beim Heavy-Metal-Festival in Wacken auf sich aufmerksam gemacht haben. Den einen oder anderen Künstler erkennt man sicherlich auch auf der Straße.“

Realisiert wurden die Videos im „Sperlhaus“ und in den „Münter Stuben“ in Kallmünz. Hinter der Kamera standen der Filmemacher und Stadtmaus-Mitbegründer Hubertus Hinse („Drudenherz“) und der Komponist, Schauspieler und Regisseur Philippe Matic-Arnauld des Lions (Bayerischer Rundfunk, ZDF, KiKA). Regelmäßig sind die beiden mit Kurzfilmprojekten auf Festivals vertreten und konnten schon einige internationale Preise gewinnen. „So sollte es auch in diesem Jahr sein“, erzählt Hinse. „Aber mitten in die Regensburger Kurzfilmwoche ist der erste Lockdown geplatzt. Fast alle Festivals wurden danach in den Onlinebereich verschoben oder abgesagt.“ Auch der mystische Spielfilm „Drudenherz“, zu dem Matic-Arnauld des Lions die Musik komponierte, wurde hart getroffen. Doch das eingespielte Team weiß die Zeit zu nutzen. Mit Hochdruck arbeiten sie hinter den Kulissen an einem neuen Projekt: Im Herzen von Kallmünz soll die Kulturschmiede entstehen, ein Zentrum für Kultur, Theater, Musik und Film. „Kallmünz ist ein unglaublich inspirierender Ort“, so Matic-Arnauld des Lions, der Musik- und Kulturmanagement studierte. „Hier können wir mit Film- und Tonstudio Tür an Tür unsere Energie bündeln.“

Doch nicht nur das. Als Mitglied des Bundesverbandes Theaterpädagogik möchte Hinse auch Workshops anbieten. „20 Jahre Stadtmaus waren eine gute Zeit, aber jetzt zieht es mich wieder auf die Bühne.“ Von Laienspiel bis zu Fortbildungen für Profis wird ein breites Programm aufgestellt. „Wir möchten einen Ort der Kreativität schaffen. Da passt Kallmünz einfach perfekt. Und deswegen haben wir uns auch sehr gefreut, uns am Projekt des ,KulturEcks‘ beteiligen zu können.“

Am Ende eines zwölfstündigen Drehtages macht sich langsam Müdigkeit breit. Die letzten Lautsprecher werden abgebaut. Dann gibt es noch eine gute Nachricht per SMS: „Wir haben bereits in der Vergangenheit immer wieder Vereine aus Kallmünz bei ihren Events unterstützt. Als ortsansässiges Bauunternehmen wollen wir auch diesmal wieder unseren Beitrag leisten und die regionale, von der Corona-Krise so gebeutelte Kulturszene in Form einer Spende unterstützen. Wir wünschen euch viel Erfolg mit diesem tollen Projekt. Beste Grüße, Hans Küffner“. Eine tolle Neuigkeit. „Wir würden gerne noch auf den ereignisreichen Tag mit einem Bier anstoßen. Aber Corona macht uns auch da einen Strich durch die Rechnung.“


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