19.10.2020, 13:10 Uhr

Tauschprinzip Freie Bücher in der Zelle am Andreasstadel in Regensburg

Bücherzelle vor dem Andreasstadel. Foto: Ludwig Rimböck/KulTür RegensburgBücherzelle vor dem Andreasstadel. Foto: Ludwig Rimböck/KulTür Regensburg

Wer früher nach dem Wissen der Welt suchte, war in einer der großen Bibliotheken gut aufgehoben. Heutzutage, wo wir alle unsere kleinen Taschencomputer mit uns herumtragen, steht uns nahezu unbegrenztes Wissen praktisch überall und quasi sofort zur Verfügung. Schlechte Zeiten für die analogen Medien, deren Aussterben zwischenzeitlich auch immer wieder prophezeit worden ist.

Regensburg. Aber wie es mit den Totgesagten nun so ist, sie leben eben doch länger. Bücher werden nach wie vor und immer noch gelesen, wohl auch weil sie nicht nur Informationsvehikel, sondern weil sie auch Kulturgut sind. Aber wohin mit dem Buch, wenn es sich ausgelesen hat, und woher der Nachschub, wenn einem die Lust auf Neues packt? Wer nicht gerade über genügend Platz für eine überbordende Privatbibliothek und die ausreichenden Mittel für eine ständige Neubeschaffung verfügt, zwei Ressourcen, die in immer geringerem Maße vorhanden sind, ist mit der Bücherzelle am Andreasstadel in Regensburg gut bedient.

Das Prinzip ist einfach und entspringt der schon vor gut dreißig Jahren entstandenen Idee des Bookcrossing. Wer Bücher übrig hat, die ansonsten nur zu Hause im Regal verstauben würden, kann sie in die Bücherzelle einstellen. Und wer auf der Suche nach neuem Lesestoff ist, kann sich in der Zelle umsehen und sich das eine oder andere interessante Buch mitnehmen. Durchschnittlich wechseln 100 Bücher wöchentlich ihren Besitzer. Initiiert wurde die Bücherzelle am Andreasstadel Anfang 2017 von Studierenden der OTH Regensburg, finanziert durch die Regensburger Kulturstiftung der Rewag. Betreut wird sie seitdem durch ehrenamtliche Freiwillige von KulTür Regensburg e.V., die das Projekt seit nun gut dreieinhalb Jahren fortführen.

KulTür Regensburg ist bekannt geworden als eine Institution, die Menschen in prekären Lebenslagen, die aus eigenen Mitteln dazu oft nicht in der Lage sind, die „kulturelle Teilhabe“ ermöglicht, beispielsweise durch kostenlose Vermittlung von Eintrittskarten für Veranstaltungen oder Museen, aber auch durch eigene Kulturarbeit, wie zum Beispiel Lesungen oder Workshops. Da ist es nur naheliegend, Kultur auch in ihrer gedruckten Form weiterzugeben. Und das nicht nur in der Bücherzelle, ein entsprechendes Regal befindet sich mittlerweile auch im Büro von KulTür am Obermünsterplatz.

Das Tauschprinzip funktioniert dabei sehr gut. Manchmal auch insofern zu gut, als dass mehr Bücher in der Zelle eingestellt als mitgenommen werden. „Daher, liebe Spendende, nur Mut, nehmt Euch gerne auch Bücher mit. Aber achtet bitte auch darauf, die Bücherzelle nicht zur Entsorgungszelle werden zu lassen“, so KulTür. Mittlerweile gibt es auch weitere Bücherzellen- beziehungsweise Verschenkschrankprojekte in Regensburg, und auch andere soziale Einrichtungen freuen sich über Spenden (zum Beispiel Transition Regensburg oder Donaustrudl). Wer in der digitalen Welt nach „Bücherzelle Regensburg“ sucht, findet gleich als obersten Treffer in der Suchmaschine den Wikipedia-Eintrag der Zelle am Andreasstadel, ganz analog in der Andreasstraße 28. Mit Koordinaten, sodass man sich digital von dem schlauen Telefon auch gleich hinführen lassen kann.


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