01.10.2020, 15:23 Uhr

Sprachkonzert „Aus der Mitte der Gesellschaft“ – Nachgespräch mit Autor Marc Becker am 6. Oktober im Theater

 Foto: Jochen Quast Foto: Jochen Quast

Ein Sprachkonzert mit Widerhall eröffnet am Freitag, 2. Oktober, die Regensburger Schauspielsaison im Theater am Haidplatz. Schauspieldirektor Klaus Kusenberg führt Regie bei Marc Beckers Stück, das sich mit der gefährdeten Mittelschicht, ihren Abstiegsängsten, Worthülsen, ihrem Zynismus und der wortreichen Verzweiflung ihrer Suche nach Sinn und Begründung ihrer Existenz auseinandersetzt.

Regensburg. Das Theater Regensburg lädt herzlich ein zu einem Abend mit herrlich durchkomponiertem, stark rhythmischen Text, der teilweise absurde Lautkombinationen und Bedeutungsverschiebungen in sich trägt. Sie sind durchschnittlich groß und durchschnittlich dick. Sie haben 1,37 Kinder und kaufen ihre Kleidung bei H&M. Sie sind zynisch, aber engagiert, sie sind unzufrieden, aber satt und leben wohlhabend auf Kredit. Sie schreiben Einkaufszettel und Beschwerdebriefe. Sie? Wer ist das? Das ist die Mitte der Gesellschaft. Aber gibt es die überhaupt noch? Alle reden vielmehr von steigenden Einkommensunterschieden und wachsenden sozialen Unterschieden. Die Angst vorm gesellschaftlichen Abstieg ist groß.

Marc Becker hat für seine Auseinandersetzung mit der Mitte der Gesellschaft die Form eines „Sprachkonzertes“ gewählt. Fünf Darstellerinnen und Darsteller – darunter die neuen Ensemblemitglieder Marlene Hoffmann und David Markandaya Campling – geben der „Mitte“ ihre Stimme und versuchen eine Bestandsaufnahme. Wortgewaltig, witzig und ironisch verhandelt diese besondere Konzert in einzelnen und mehreren Stimmen ein Phänomen, das gleichermaßen schwammig und trotzdem seit Jahren enervierend ist. Wer sind die Mitte eigentlich? Was wollen diese Menschen vom Leben? Warum soll man auf andere Rücksicht nehmen? Wieso ist sich immer jeder selbst der nächste? Warum kann man die so einfach scheinenden Lösungen für all die schwierigen Probleme nicht mal schnell in die Tat umsetzen? Woher kommt all der Frust und wieso ist es so schwer, glücklich zu sein?

Der Text des Sprachkonzerts wird auf die Spielerinnen und Spieler aufgeteilt, jedes Wort, jede Silbe, manchmal nur ein Laut muss dabei mit einer individuellen Haltung, mit einem speziellen Tonfall versehen werden. Das Wunderbare ist, dass dadurch dann doch wieder Figuren und Bruchstücke einer Geschichte entstehen – der Zuschauer kann gar nicht anders, als ständig nach Sinn und Zusammenhang zu suchen. Der Unterschied zu den formenspielerischen Texten des Dadaismus, an den das Stück bisweilen erinnert, liegt darin, dass Marc Becker immer sein inhaltliches Anliegen im Blick hat.

„Aus der Mitte der Gesellschaft“ feiert seine Premiere am Freitag, 2. Oktober, um 19.30 Uhr, im Theater am Haidplatz. Das Theater Regensburg freut sich mitteilen zu können, dass Autor Marc Becker zur dritten Vorstellung von „Aus der Mitte der Gesellschaft“ am Dienstag, 6. Oktober, nach Regensburg kommt. Im Anschluss an die Vorstellung führen Regisseur und Schauspieldirektor Klaus Kusenberg, Dramaturgin Laura Mangels und Autor Marc Becker ein circa 30-minütiges Nachgespräch und stehen für Fragen aus dem Publikum zur Verfügung.

Maskenpflicht gilt auch auf dem Sitzplatz bis zum Beginn der Vorstellung und nach der Veranstaltung. Während der Vorstellung darf man die Maske abnehmen. Einlass ist bereits ab 30 Minuten vor der Vorstellung. Die Sitzplätze werden nach Reihenfolge des Eintreffens vom Einlasspersonal zugewiesen. Jeweils zusammenhängende Paare oder Gruppen können nur gemeinsam eingelassen werden. Zwischen den Gruppen beziehungsweise Einzelsitzen werden jeweils Hygieneschutzwände eingebaut. Ein Nacheinlass ist leider nicht möglich. Zur Zeit ist im Theater am Haidplatz leider kein Gastronomieservice möglich. In allen Spielstätten sind Belüftungsanlagen installiert, die den Räumen Frischluft zuführen. Die Steuerung ist so eingestellt, dass mindestens ein Frischluftstrom 50 Kubikmeter pro Stunde pro Person gewährleistet ist, dies wird oft sogar überboten.


0 Kommentare