24.09.2020, 11:30 Uhr

Jubiläum „Heimatpflege macht die Oberpfalz lebenswerter“ – 70 Jahre Kultur- und Heimatpflege


Das Jubiläum „70 Jahre Kultur- und Heimatpflege des Bezirks Oberpfalz“ sollte eigentlich mit einem großen Fest gefeiert werden, doch corona-bedingt wurde die Feierlichkeit – wie so viele andere auch – in kleinerem Rahmen abgehalten als geplant. Im Prioratsgarten in Regensburg begrüßte Bezirkstagspräsident Franz Löffler am Freitag, 18. September, bei strahlendem Sonnenschein die Gäste des Festakts, unter ihnen die Bezirksheimatpfleger aus der Oberpfalz.

Regensburg. „Für uns als Bezirkstag der Oberpfalz sind diese Bereiche der Heimatpflege, des Denkmalschutzes und der regionalen Kulturarbeit weit mehr als die Erfüllung der gesetzlich vorgegebenen Pflicht- und Sollaufgaben“, betonte Löffler und blickte in seiner Einführung zurück auf „ein ganzes Menschenalter“ Kultur- und Heimatpflege. „Trotz der schwierigen Zeit nach dem Krieg“, erzählte der Bezirkstagspräsident, habe die Oberpfalz zu den Vorreitern gehört, als im Jahr 1950 Georg Rauchenberger sein Amt als – damals noch ehrenamtlicher – Bezirksheimatpfleger antrat. Rauchenberger sei „durchaus eine bekannte Persönlichkeit“ gewesen, dessen Hauptinteresse der Denkmalpflege, insbesondere den Oberpfälzer Burgen, galt. 1968 wurde die Bezirksheimatpflege in der Oberpfalz aufgewertet und Adolf Eichenseer trat als erster hauptamtlicher Bezirksheimatpfleger seinen Dienst an. Damit habe „eine neue Zeitrechnung im Bereich der Oberpfälzer Heimatpflege“ begonnen.

Eichenseers Schwerpunkte lagen in der Trachten- und Volksmusikpflege, damit habe er Grundlagen gelegt, „die auch heute noch sichtbar sind“, so Löffler. Aus dem „Oberpfälzer Volksmusikarchiv“ spielten „Die 7gscheitn“ am Freitag dann auch gleich das ein oder andere Stück. Eichenseer habe die meiste Arbeit in den pflegenden, öffentlichkeitswirksamen Teil seines Aufgabenspektrums gesteckt und erhielt darin Unterstützung von seiner Frau Erika Eichenseer, die sich vor allem in den Bereichen regionale Literatur und Laientheater engagierte. Nach dem Ehepaar Eichenseer übernahm ab 1994 der Bezirksheimatpfleger und Sprachwissenschaftler Dr. Franz Xaver Scheuerer die Aufgaben der Kultur- und Heimatpflege in der Oberpfalz.

Löffler gab auch einen kleinen Ausblick, denn Heimatpflege müsse „dem Menschen von heute etwas zu sagen haben“. Ziel sei es, so der Bezirkstagspräsident, „Einheit und Vielfalt in ein Gleichgewicht zu bringen. Dies gelingt, wenn Heimat Menschen nicht ausgrenzt, sondern einbindet“. Prof. Dr. Daniel Drascek, Lehrstuhlinhaber für Vergleichende Kulturwissenschaft an der Universität Regensburg, freute sich besonders über die zahlreichen Verbindungen von Universität und Bezirksheimatpflege. Die Praktikantinnen und Praktikanten seien stets begeistert und hochmotiviert, „viele wollen jetzt Bezirksheimatpfleger werden“. Drascek betonte zudem, dass besonders immaterielles Kulturerbe wie überlieferte Erzählungen, Feste, Bräuche, Tänze und so weiter erhalten werden müssen und freute sich, dass bereits viele kulturelle Zeugnisse aus der Oberpfalz in bayerische und deutsche Kulturverzeichnisse aufgenommen wurden.

Die Festrede hielt schließlich der Bezirksheimatpfleger des Bezirks Oberfranken, Prof. Dr. Günter Dippold. Ein Bezirksheimatpfleger, so Dippold, dürfe nicht auf seinem Standbein des Spezialwissens stehenbleiben, er müsse Präsenz zeigen und „daheim sein auf vielen Feldern, ohne die Scheuklappen enger fachlicher Kenntnis“. Er müsse zudem mehrsprachig sein und sowohl der Sprache der Wissenschaft als auch der der Politik mächtig sein. Dippold freute sich auch besonders über den „bereichernden Austausch“ zwischen den Bezirksheimatpflegern. „Ein Netzwerk ist wesenhaft für die Arbeit als Bezirksheimatpfleger“, so Dippold. Abschließend betonte der Bezirksheimatpfleger in seiner Festrede: „Kultur- und Heimatpflege hat die Oberpfalz ein Stück lebenswerter gemacht“.

Dem stimmte Dr. Tobias Appl, Bezirksheimatpfleger der Oberpfalz, in seinem Schlusswort zu, bedankte sich bei seinen Vorrednern und freute sich, dass es trotz Corona möglich war, wenn auch in kürzerer Form als geplant, Elemente aus Musik und Laienspiel in den Festakt zu integrieren. So gab es neben einem Auftritt der „Die 7gscheitn“ auch Musik der Oberpfälzer Sängerin „Die Nowak“ zu hören und mehrere Szenen aus dem bayerischen Faust auf der Bühne im Prioratsgarten zu sehen.


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