31.08.2020, 12:40 Uhr

Bayern-Museum Oldtimer aus Nürnberg zieht ins Zentrum der Bayernausstellung „Tempo, Tempo – Bayern in den 1920ern“ ein

 Foto: HdBG/altrofoto.de Foto: HdBG/altrofoto.de

Er ist mit seinen 93 Jahren auch heute manchmal noch auf Bayerns Straßen unterwegs, zieht die Blicke auf sich und ist eine wahre Rarität: der FAUN „K3“, eines der größten Objekte der künftigen Bayernausstellung „Tempo, Tempo – Bayern in den 1920ern“ im Haus der Bayerischen Geschichte in Regensburg.

Regensburg. Der FAUN hat seine Parkposition an prominenter Stelle eingenommen, jetzt kann die Ausstellung darum aufgebaut und eingerichtet werden. Eröffnung für das Publikum ist am Samstag, 26. September.

Hinter FAUN stehen die Fahrzeugfabriken Ansbach und Nürnberg AG, die 1920 zu den FAUN-Werken vereint wurden. Bekannt durch Fahrzeuge für Abfallentsorgung und Straßenreinigung, wurden am Unternehmenssitz in Ansbach von 1924 bis 1928 auch Automobile entwickelt und in echter Handarbeit produziert. Das erste Modell „6/24 PS Typ K2“ war mit einem Vierzylindermotor mit 1405 ccm Hubraum und 24 PS ausgestattet. 1926 folgte der „6/30 PS Typ K3“, dessen Vierzylindermotor aus 1550 ccm Hubraum 30 PS leistete. Der exklusive rote Flitzer der 1920er-Jahre steht im Zentrum der künftigen Bayernausstellung, ist eine private Leihgabe und wird bis heute gehegt und gepflegt.

„Tempo, Tempo“ – das Thema Mobilität in der Bayernausstellung

„Die Zeit fährt Auto. Doch kein Mensch kann lenken“, so der Schriftsteller Erich Kästner im Jahr 1928. Der Verkehr in den 1920er-Jahren in Bayern wurde zunehmend dichter und gefährlicher. Ampeln und Verkehrspolizisten regelten neuerdings das Nebeneinander von Fußgängern, Radlern und motorisierten Verkehrsteilnehmern. Das musste sich erst einspielen und die Unfallzahlen stiegen drastisch an. Verkehrsaufklärung tat not: Plakate und Filme riefen zu Vorsicht und Rücksicht auf.

Die neue Mobilität und ihre Begleiterscheinung sind eines der vielen Themen, das in der Bayernausstellung „Tempo, Tempo – Bayern in den 1920ern“ aufgegriffen wird. Viele weitere Aspekte dieses kontroversen Jahrzehnts des Auf- und Umbruchs werden beleuchtet. Denn: Die Folgen des Ersten Weltkriegs, die Hyperinflation und die Extremisten von links und rechts belasten die junge Demokratie. Trotzdem ermöglicht wirtschaftlicher Aufschwung bescheidenen Wohlstand, zunehmende persönliche Mobilität und Aufbruch. Das Tempo dieses Jahrzehnts wird auch an den neuen Tanzstilen, neuen Musikinstrumenten und den bis heute populären Schlagern deutlich. Die gesellschaftliche Entwicklung wird aber auch kritisch gesehen. Thomas Mann machte sich über den Einfluss der Nationalsozialisten berechtigte Sorgen. Der Ruf Münchens als Kulturstadt steht auf dem Spiel. Der Volkssänger Weiß Ferdl befürchtet hingegen: „Wir amerikanisieren uns“, wie er eines seiner Lieder überschreibt.

Viele Originalexponate, Filme, Musikbeispiele und Hörstationen ermöglichen in der Bayernausstellung „Tempo, Tempo – Bayern in den 1920ern“ vom 26. September 2020 bis 7. Februar 2021 im Haus der Bayerischen Geschichte in Regensburg einen bunt gemischten Rundgang durch dieses Jahrzehnt. Die ideale Ergänzung stellt der Film zur Ausstellung dar, „Wartesaal. Das Schauspiel zur Ausstellung“. In rund 30 Minuten treffen sich Größen der bayerischen Kabarettszene in den unterschiedlichsten gesellschaftlichen Rollen in Wartesälen der 1920er-Jahre. Christoph Süß hinterfragt umringt von Luise Kinseher, Helmut Schleich, Christian Springer, Max Uthoff und Schauspielern des Münchner Volkstheaters verschiedenste Entwicklungen und Aspekte der Zeit.


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