28.08.2020, 11:23 Uhr

Kultur Museum muss nicht verstaubt sein – das Freilandmuseum Oberpfalz ist der Beweis


Der ein oder andere kann mit dem Begriff „Museum“ nicht viel anfangen. Verstaubtes altes Zeug wird da ausgestellt, mag sich der ein oder andere denken. In Neusath und Perschen, Stadtteilen von Nabburg im Landkreis Schwandorf, liegt das Freilandmuseum des Bezirkes Oberpfalz. Alt ist hier so manches, auf dem ein oder anderen Exponat liegt auch Staub – aber verstaubt im sprichwörtlichen Sinne ist hier nichts. Im Gegenteil, das Museum lebt. Und dafür sogt seit 1. Januar Tobias Hammerl.

Regensburg/Nabburg. „Mit Dr. Tobias Hammerl haben wir einen hervorragend qualifizierten Wissenschaftler gewonnen, der eine langjährige Erfahrung als Museumsleiter vorweisen kann“, sagte Bezirkstagspräsident Franz Löffler im Juli 2019, als öffentlich wurde, dass Hammerl die Leitung des Freilandmuseums übernehmen wird. Da war dieser noch Leiter des Stadtmuseums Abensberg. Doch das „G‘wächs aus dem Labertal“, wie Hammerl sich gerne selber bezeichnet, wollte zurück in die Oberpfalz. Nun hatte sich die Chance geboten: „Als Oberpfälzer, Volkskundler und Museumsfachmann könnte ich mir keine schönere Aufgabe vorstellen, als das Freilandmuseum Oberpfalz zu leiten. Die fast 15 Jahre, die ich in Abensberg gearbeitet haben, waren eine sehr gute Zeit. Ich habe viel erreichen können, vor allem Dank des Vertrauens der Stadtspitze. Aber gerade einer kleinen Institution tut es auch gut, wenn irgendwann jemand neue Schwerpunkte und Akzente setzt. Deshalb war es für mich der ideale Zeitpunkt zurück in die Oberpfalz zu kehren“, schildert Hammerl. Der Einstieg in der Oberpfalz war dann fließend, drei Monate lang war Hammerls Vorgängerin Dr. Birgit Angerer noch im Haus und stand mit Rat und Tat zur Seite. „Meine Hauptaufgabe ist es derzeit, das Museum konzeptionell weiter zu entwickeln. Ein Museum ist eine gesellschaftliche Institution. Möchte es für die Menschen relevant sein, so darf es nie stehen bleiben. Meine Vorgängerin hat mit großer Weitsicht die Themen Umwelt und Nachhaltigkeit zu Schwerpunkten der Museumsarbeit gemacht. Wir sind stolz, dass das Museum nun als einziges Freilandmuseum Bayerns eine staatlich anerkannte Umweltstation ist“, berichtet Hammerl. „Ich möchte das Museum zu einem Ort machen, der die Entwicklung des ländlichen Raums erlebbar macht.“

Dabei blickt er aktuell auf unruhige Zeiten zurück, das Coronavirus hatte auch Auswirkungen auf das Freilandmuseum: „Zunächst verzögerte sich der Start in die Saison um fast zwei Monate. Wir durften am 12. Mai mit einem detaillierten Hygienekonzept unsere Pforten öffnen“, sagt Hammerl. Doch man war auch zuvor nicht untätig: „Wir haben die Zwangspause genutzt, unsere digitalen Kanäle neu aufzustellen und unsere Veranstaltungsformate corona-konform zu überarbeiten. Wir haben mit dem ,Ratsch über‘n Gartenzaun‘ eine traditionelle Form der Kommunikation mit Abstand aufgegriffen. Veranstaltungen, wie unser Rosstag oder der Tag der alten Haustierrassen finden derzeit statt, jedoch stark entzerrt. Unser großes Glück ist, dass wir mit über 30 Hektar Museumsgelände wirklich sehr viel Platz haben. ,Überlaufen‘ gibt es bei uns einfach nicht.“

Dass die digitalen Kanäle immer wichtiger werden, war die vergangenen Wochen zum Beispiel bei Facebook zu sehen, hier gab es immer wieder Neuigkeiten aus dem Freilandmuseum: „Ein Museum muss die Menschen erreichen. Zwar ist es unser Hauptanliegen, dass die Menschen zu uns kommen und sich unsere Gebäude im Original anschauen. Aber genauso wichtig ist es, das Museum zu den Menschen zu bringen. Und das geht mit unseren digitalen Kanälen sehr gut“, so Hammerl.

In normalen Jahren verzeichnet das Museum im Schnitt rund 60.000 Besucherinnen und Besucher. Derzeit kommen „mehr Einzelpersonen und Familien, aber weniger Gruppen und Schulklassen“ ins Museum. „Wir bieten jedoch ein Ferienprogramm für Schülerinnen und Schüler an, das sich an Familien richtet, deren Eltern keinen Urlaub mehr haben. Außerdem werden wir den Schulen im neuen Schuljahr verstärkt Angebote machen, die an den Schulen stattfinden, da mit hoher Wahrscheinlichkeit auch nächstes Jahr keine Exkursionen, Klassenfahrten und Wandertage ins Museum stattfinden werden“, so der Museumsleiter.

Träger des Freilandmuseums ist der Bezirk Oberpfalz, bis Juli 2020 trug des den Namen Oberpfälzer Freilandmuseum Neusath-Perschen, dieser wurde nun in Freilandmuseum Oberpfalz geändert. Es finden sich dort rund 50 historische Gebäude aus der ganzen Oberpfalz auf dem großzügigen Gelände. Im Zentraldepot sind auf 2.100 Quadratmetern rund 40.000 Objekte eingelagert. „Das Museum ist grundsätzlich gut aufgestellt. Dafür bin ich dem Bezirk Oberpfalz sehr dankbar. Die Kunst in den nächsten Jahren wird sein, aus den zur Verfügung stehenden Mitteln das Maximum herauszuholen. Wir haben zwar Pläne, etwa ein Depot für die Maschinen und Bulldogs, aber wir werden sehen müssen, wie sich die Haushalte in den nächsten Jahren entwickeln“, sagt Hammerl. Das wird dann wohl auch von den Folgen der Corona-Krise abhängen.

Weitere Infos gibt es im Internet unter www.freilandmuseum-oberpfalz.de.


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