27.08.2020, 10:13 Uhr

Auszeichnung Die Preisträgerinnen und Preisträger der Kulturförderpreise 2020 stehen fest

Eva Karl-Faltermeier. Foto: Linda KohlEva Karl-Faltermeier. Foto: Linda Kohl

n seiner Sitzung am Dienstag, 25. August, hat der Ferienausschuss über die Vergabe der Kulturförderpreise 2020 entschieden. Die Preisverleihung findet am 17. November statt. Die Entscheidung über den Kulturpreis und den Hochschulpreis ist bereits am 23. Juli gefallen.

Regensburg. IDie Kulturförderpreise der Stadt Regensburg 2020 zu je 2.500 Euro werden vergeben an Eva Karl-Faltermeier, Barbara Sophie Höcherl und den Verein „Regensburg liest“.

Eva Karl-Faltermeier erhält den Kulturförderpreis für ihr künstlerisches Wirken. Eva Karl-Faltermeier wurde 1983 in Regensburg geboren. Sie studierte Germanistik, Politikwissenschaften und Spanische Philologie an der Universität Regensburg und in Guanajuato, Mexiko. Im Hauptstudium spezialisierte sie sich auf bayerische Dialektforschung und Deutsch als Fremdsprache. Nach einem Volontariat in der Regensburger Lokalredaktion beim Straubinger Tagblatt/Donau Post arbeitete sie zwei Jahre als Politik- und Wirtschaftsredakteurin in Straubing. Danach war sie einige Jahre als Expertin für Social Media, Marketing und Kommunikation für verschiedene Firmen freiberuflich tätig und arbeitete zuletzt in der Pressestelle der Stadt Regensburg. Ende März 2020 hat sie sich für das Kabarett und das Leben als freischaffende Künstlerin und Texterin entschieden. Eva Karl-Faltermeier war von 2007 bis 2009 zweite Vorsitzende des Kunstvereins „GRAZ“ in Regensburg und war in dieser Funktion auch Kuratorin einiger Lesungen und Ausstellungen. In dieser Zeit begann sie zum ersten Mal Kurzgeschichten zu lesen und war seit dem ersten Pecha -ucha-Abend als Vortragende mit am Start. 2015 gewann sie den Wettbewerb der 20. Ausgabe und wurde „Pecha-Kucha-Meisterin Regensburgs“. 2018 trat Eva Karl-Faltermeier in ersten Mixed-Shows und bei Slams auf. Ihr erstes Bühnenprogramm „Es geht dahi“ erarbeitete sie im selben Jahr mit Franziska Wanninger. Die Lieder des Programms begleitet sie selbst auf einer Autoharp. Im Laufe des Jahres 2019 gewann Eva Karl-Faltermeier verschiedene Slams (unter anderem Zeltfestival Passau) und belegte beim Kulmbacher Kleinkunstbrettla den dritten Platz. Sie war von der Alten Mälzerei für die bayerischen Meisterschaften im Poetry Slam nominiert, die 2020 jedoch wegen der Corona-Pandemie ausfielen. Am 25. Oktober 2019 feierte Eva Karl-Faltermeier im Saal des Restaurants Walba bei Regensburg Premiere ihres Programms „Es geht dahi“. Die Premiere in München spielte sie am 23. Januar 2020 im Vereinsheim in Schwabing. 2020 ist sie neben ihren Solo-Auftritten in verschiedenen Vorprogrammen (Hannes Ringlstetter, Martin Frank und Charlotte Roche/Lena Kupke) sowie in mehreren Dokumentationen und Kabarett-Formaten des Bayerischen Rundfunks zu sehen. Auf ihrem Instagram-Account löst Eva Karl-Faltermeier die Grenzen zwischen Realität, Kabarett und absolut erfundener Selbstinszenierung auf, indem sie in ihren Stories (halb)wahre Geschichten erzählt, Tanzvideos on demand ins Leben gerufen hat und Kabarett-Persönlichkeiten wie Corona-Kritiker „Lucky“ aus der Taufe hebt. Ihr Instagram-Account ist inzwischen bereits Gegenstand von Kritiken. Eva Karl-Faltermeiers künstlerisches Wirken zeichnet sich aus durch ihre Offenheit und Ehrlichkeit sowie eine „unverwechselbare Sprache aus Kompromisslosigkeit und Wut, Verletzlichkeit und Selbstironie“ (Florian Toperngpong, Kulturförderpreisträger 2018). Für ihre besonderen Leistungen in den Bereichen Poetry Slam und Kabarett wird Eva Karl-Faltermeier mit dem Kulturförderpreis 2020 ausgezeichnet.

Barbara Sophie Höcherl erhält den Kulturförderpreis für ihr künstlerisches Schaffen. Barbara Sophie Höcherl wurde 1983 in Wörth an der Donau geboren und hat an der Ladislav-Sutnar-Fakultät der Westböhmischen Universität in Pilsen Illustration und Grafik studiert. Seit 2012 arbeitet sie hauptberuflich als freischaffende Künstlerin und ist seit 2016 Mitglied im Berufsverband Bildender Künstler. Seit 2018 ist sie Förderkünstlerin der Oswald- Zitzelsberger Kunst- und Kulturstiftung mit Atelier im Künstlerhaus Andreas-Stadel. Die Anfänge ihrer künstlerischen Auseinandersetzung mit Materialien liegen sicher in der Zeit ihrer Ausbildung zur Staudengärtnerin im Hesperidengarten in Wenzenbach. Im Anschluss daran absolvierte sie als Studentin das Vorstudienjahr an der privaten Akademie für Gestaltung im Andreasstadel, bevor es Barbara Sophie Höcherl für ihr Studium in Regensburgs Partnerstadt Pilsen zog. Seit 2018 ist sie wieder ins Künstlerhaus Andreas-Stadel zurückgekehrt und arbeitet dort an ihren Installationen, Plastiken, Taxidermien und Grafiken. Immer wiederkehrend bei ihren Materialstudien sind Naturmaterialien aus Flora und Fauna, zuletzt erweitert durch Studien mit vom Menschen gemachten Gegenständen, wie etwa Schaumstoffe oder Verpackungsmaterialien. Ihre enge Verbundenheit zu ihrer Studienzeit in Pilsen und ihrer Heimat hier zeigt auch die Mitgliedschaft in der Künstlergruppe Šiška, deren Gründungsmitglied die Künstlerin ist. Ihre Vernetzung ins benachbarte Tschechien erlaubte ihr 2019 die Teilnahme am deutsch-tschechischen Malersymposium in Kvilda. Die Arbeiten von Barbara Sophie Höcherl werden nicht nur in Tschechien gewürdigt, sie hatte bereits 2018 eine Einzelausstellung in Italien. In Regensburg selbst ist die Künstlerin auch regelmäßig vertreten, beispielsweise in der Stadelgalerie des Künstlerhauses Andreas-Stadel (u. a. Einzelausstellungen 2018 und 2019) sowie bei der Jahresschau des Kunst- und Gewerbevereins. Im August 2020 wurde sie von „donumenta“ als Artist in Residence für einen vierwöchigen Aufenthalt nach Budapest entsendet. Ihre Sonderausstellung „Ave“ (lateinisch für Vögel), die von Januar bis Mai 2020 in der kurfürstlichen Kapelle im Luftmuseum Amberg zu sehen war, brachte der jungen Künstlerin viel Aufmerksamkeit. Ausgestellt wurden Skulpturen aus Vogelpräparaten, bei denen es sich um echte Vögel handelte. „Der größtmögliche Kontrast aus äußerlicher Schönheit und inhaltlicher Tiefe fasziniert die Künstlerin dabei und soll den Betrachter sensibilisieren und die Beziehung zwischen Mensch und Tier in Frage stellen.“ (Luftmuseum Amberg). Barbara Sophie Höcherls künstlerische Arbeiten bestechen durch Originalität sowie viel Feingefühl und intensive Auseinandersetzung mit den Themen Mensch und Natur, Schönheit und Vergänglichkeit. Für ihr künstlerisches Wirken wird Barbara Sophie Höcherl mit dem Kulturförderpreis 2020 gewürdigt.

„Regensburg liest“ erhält den Kulturförderpreis für sein besonderes Engagement im Bereich der Literatur und der Leseförderung. Der Verein „Regensburg liest" wurde 2016 gegründet und hat derzeit circa 40 Mitglieder. Der Verein widmet sich der Leseförderung und organisiert Veranstaltungen rund um das Thema Buch, wie zum Beispiel die Aktion „Auf die Plätze, Bücher her!" auf dem Haidplatz. Die größte Bekanntheit und Aufmerksamkeit seitens der breiten Öffentlichkeit, der Kulturszene sowie den Medien erlangte der Verein mit der alle zwei Jahre stattfindenden Aktion „Regensburg liest ein Buch". Die ursprüngliche Idee von „Eine Stadt liest ein Buch" entstand 1998 in den USA und fand schnell breite internationale Resonanz. Seit 2002 wird die Aktion in Deutschland in verschiedenen Städten in jeweils eigener Form organisiert. Mit der Gründung des Regensburger Kreativ-Forums im Dezember 2014 sind zahlreiche branchenübergreifende Initiativen entstanden, darunter auch „Regensburg liest ein Buch“. Das Initiatoren-Team hat im Rahmen der Organisation dieses Formats den gemeinnützigen Verein „Regensburg liest“ gegründet. Ziel des Projekts „Regensburg liest ein Buch“ ist es, mit verschiedenen Veranstaltungsformaten und Aktionen möglichst viele Menschen mit unterschiedlichen Interessen zum Lesen, Nachdenken und Mitmachen zu animieren. Die Idee: Eine ganze Stadt liest ein Buch und so wird dessen Inhalt zum Stadtgespräch. Es steht über mehrere Wochen lang im Fokus zahlreicher kultureller und gesellschaftlicher Ereignisse, die sich alle diesem Buch, dessen Autorin oder dessen Autor und dem speziellen Thema widmen. Beteiligt sind zahlreiche kulturelle Initiativen und Institutionen der Stadt, Einzelpersonen, die Literaturszene, Bibliotheken, Buchhandlungen und Medien. Zu den Unterstützern und Förderern gehören namhafte regionale Firmen und Institutionen. 2016 drehte sich alles um das Buch „Glückskind“ von Stephen Uhly (44 Veranstaltungen mit ca. 2.000 Besucherinnen und Besuchern), 2018 war es „Der Fälscher, die Spionin und der Bombenbauer“ von Alex Capus (51 Veranstaltungen mit über 2.000 Besucherinnen und Besuchern). Für das Jahr 2020 wurde Benedict Wells Roman „Vom Ende der Einsamkeit“ ausgewählt. Von den geplanten 50 Veranstaltungen konnte wegen der Corona-Pandemie nur ein kleiner Teil stattfinden. Trotzdem zählte man circa 1.250 Besucherinnen und Besucher. „Regensburg liest ein Buch“ ist eine Initiative, die auf vielfältige Art und Weise das kulturelle Leben der Stadt Regensburg bereichert: Neben Einbindung von vielen lokalen Akteuren und Institutionen, über die zwischenmenschlichen Begegnungen und den regen Austausch bei den zahlreichen Veranstaltungen bis zur intensiven Auseinandersetzung mit wichtigen gesellschaftlichen Themen trägt das Projekt zur Stärkung des Zusammengehörigkeitsgefühls der Stadtgesellschaft bei. Für dieses besondere Engagement im Bereich der Literatur und der Leseförderung wird der Verein „Regensburg liest“ mit dem Kulturförderpreis 2020 geehrt.


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