25.08.2020, 08:58 Uhr

„Corona Design Lab“ Architektur ist systemrelevant – Ausstellung im „Donumenta Art Lab Gleis 1“

Die architektonische Umsetzung des Dosentelefons – das Coronophon. Foto: Patrizia Schmid-FellererDie architektonische Umsetzung des Dosentelefons – das Coronophon. Foto: Patrizia Schmid-Fellerer

Wie bis zu sechs Menschen mit Abstand und aerosolfrei miteinander kommunizieren können, zeigen Studierende der OTH in einer Ausstellung im „Donumenta Art Lab Gleis 1“ am Hauptbahnhof in Regensburg. Kreativ, praktisch, augenzwinkernd und humorvoll begegnen sie der Pandemie. Besucherinnen und Besucher des „Corona Design Lab“ können die neuartigen Rauminstallationen auch ausprobieren.

Regensburg. „Kreative Antworten auf die Krise“, nennt Seminarleiter Till Gröner, was Studierende in seinem Seminar entwickelt haben. Gröner ist der Gründer von „Supertecture“, eines gemeinnützigen Unternehmens für soziale Architektur aus gebrauchten Materialien in Krisenregionen. Im Sommersemester 2020 standen zunächst Entwurf und Planung einer „Autobahn-Kirchen-Moschee-Toilette“ in Tansania im Vorlesungsverzeichnis. „Dann kam Corona und wir haben uns gefragt, ob wir uns nicht in dieser Krise engagieren sollten und zeigen wie systemrelevant Architektur ist“, erklärt Sprecherin Theresa Bösl. „Wir wollten auch so gelobt werden wie die Krankenschwestern.“ Architektur sei immer eine Reflexion auf Gegebenheiten.

In intensiven Zoom-Sitzungen entwickelten die Studierenden praktische und abgefahrene Raumkonzepte für besseres Abstandhalten. Mit ihren Lösungen treffen sie den Nerv der Gesellschaft in Zeiten von Corona. „Wir sind eine 1,5-Meter-Abstand-Gesellschaft“, sagte Regina Hellwig-Schmid, künstlerische Leiterin des Donumenta e.V. und dessen Vorsitzende. Bei der Ausstellungseröffnung moderierte sie ein Gespräch mit Seminarleiter Till Gröner, Studierenden-Sprecherin Theresa Bösl und Hans Simon-Pelanda, Historiker und zweiter Vorsitzenden des Donumenta e.V. Wie notwendig die neue Ausrichtung von Architektur aktuell ist, zeigen die Anfragen von Senioren-Einrichtungen und Gastronomie-Betrieben für innovative Lösungen, berichtete Till Gröner. Bei der Ausstellungseröffnung gab es bereits eine Anfrage für eine corona-kompatible Arztpraxis. Bisher sei das „Corona Design Lab“ einzigartig, ergaben die Recherchen der Studierenden.

Die Ausstellung „Corona Design Lab“ überrascht Besucherinnen und Besucher bereits auf dem Treppenabsatz zur ehemaligen Fußgängerunterführung mit dem sogenannten „Coronophon“. So nennen die Studierenden die Architektur gewordene Version des Dosentelefons. Über einen gelben Hörschlauch können zwei Personen unter auf Stelzen stehenden Hauben miteinander sprechen. Im „Corona-Salon“ können sich drei Personen durch Glasscheiben voneinander getrennt treffen, beim „Coronoskop“ sind es schon vier. Inspiration für diesen Raum brachten die häufigen Zoom-Sitzungen der Studierenden. Verspiegelte Wände und Decken führen dazu, dass sich die in den vier Abteilen liegenden Personen alle sehen und einander so wie in einem Kaleidoskop oder eben auf einem Zoom-Bildschirm begegnen können.

Wer sich mit einem „Coronocart“ ausstattet, hält den Sicherheitsabstand von 1,5 Metern automatisch ein und stattet sich dazu mit einer vor Aerosolen schützenden Folie aus. Fünf dieser umgebauten Einkaufswagen stehen in der Ausstellung. Ausprobieren ist ausdrücklich erwünscht! Am Ausgang zu Gleis 9 nehmen Besucherinnen und Besucher an einem Tisch für sechs Personen Platz. Hier sorgen durchsichtige Wände für sichere Meetings. Alle Exponate wurden aus gebrauchten Materialien gebaut. Die Ausstellung im „Donumenta Art Lab Gleis 1“ am Hauptbahnhof Regensburg geht bis zum 6. September. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.donumenta.de.


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