30.07.2020, 15:27 Uhr

„(Post-)Europa?“ Herbstausstellung mit Medienkünstler Peter Weibel im Kunstforum Ostdeutsche Galerie

Peter Weibel. Foto: Christof HierzholzerPeter Weibel. Foto: Christof Hierzholzer

Ab dem 3. Oktober zeigt das Kunstforum Ostdeutsche Galerie in Regensburg seine Highlight-Ausstellung des Jahres „Peter Weibel – (Post-)Europa?“ Geplant war die große Präsentation des Medienkünstlers, Kunsttheoretikers und Kurators Weibel für den Sommer. Sie sollte der Höhepunkt des Jubiläumsprogramms zum 50-jährigen Bestehen des Museums sein.

Regensburg. Durch die corona-bedingten Verschiebungen wird der Lovis-Corinth-Preisträger 2020 seine eigens für Regensburg konzipierte Schau nun im Herbst vorstellen. Der Lovis-Corinth-Preis 2020 geht an Peter Weibel. Seit Jahrzehnten prägt Weibel als Künstler, als Kunsttheoretiker und Kurator sowie als langjähriger Vorstand des Zentrums für Kunst und Medien Karlsruhe (ZKM) die internationale Szene der Medienkunst. Weibels künstlerisches Schaffen umfasst Experimentalfilm, Computerkunst, Videokunst, Konzeptkunst und Performance.

Die Ausstellung im Kunstforum Ostdeutsche Galerie gibt einen Einblick in Peter Weibels vielfältiges Lebenswerk. Es ist insbesondere die kritische Auseinandersetzung mit politischen und gesellschaftlichen Phänomenen, die seine Kunst auszeichnet. Die Regensburger Ausstellung versammelt solche Arbeiten, in denen sich Weibel mit Kernfragen rund um Europa befasst. Wie der Titel „(Post-)Europa?“ ankündigt, legt er den Finger in die Wunden und berührt die Wurzeln der vielschichtigen Krise. Natürlich ist es kein Zufall, dass sich der Ausstellungszeitraum teils mit der sechsmonatigen EU-Ratspräsidentschaft Deutschlands deckt.

Die Werkauswahl bietet einen Überblick über sein gesamtes Schaffen von seinen Anfängen in den 1960er Jahren bis heute. So ergründet Weibel mit seiner Computer-Videoinstallation „Die Vertreibung der Vernunft“ von 1993 ein einschneidendes historisches Ereignis – nämlich die erzwungene Emigration von Künstlern und Intellektuellen Österreichs zwischen 1933 und 1945. Zugleich widmet er sich aktuellen Fragen, wobei er von Beginn an vielfach visionär ins Schwarze trifft. Bezeichnend hierfür ist seine Installation „Station W – die Welt ein Krankenhaus“, entstanden 2019. Die neueste, für die Ausstellung angefertigte Arbeit, heißt „Brennt das Haus Europa?“. Auch hier führt Weibel mehrere Bedeutungsstränge zusammen. Vor allem aber zeigt er dem Betrachter im wahrsten Sinne des Wortes den Spiegel – so trägt die Figur der Europa plötzlich das eigene Gesicht, wodurch man aktiv in die Verantwortung gezogen wird.

Den Lovis-Corinth-Preis verleiht das Kunstforum Ostdeutsche Galerie alle zwei Jahre. Gegründet von der „KünstlerGilde e.V.“ wurde er 1974 erstmals im Kunstforum Ostdeutsche Galerie vergeben. Ausgezeichnet werden bildende Künstlerinnen und Künstler, deren Schaffen im Bereich Malerei, Grafik, Plastik/Skulptur, Installation, Performance, Fotografie und Neue Medien einen inhaltlichen oder biografischen Bezug zum östlichen Europa aufweist. Mit der Verleihung wird ein international bedeutendes Gesamtwerk gewürdigt, das einen relevanten Beitrag zur Entwicklung zeitgenössischer Ausdrucksformen leistet. Die Kandidatinnen und Kandidaten werden von den Mitgliedern einer Fachjury nominiert, die sich für die Benennung von Peter Weibel aus folgenden Personen zusammensetzte: Dr. Agnes Tieze, Direktorin des Kunstforums Ostdeutsche Galerie; Dr. Nina Schleif, bis März 2020 Leiterin der Grafischen Sammlung des Kunstforums Ostdeutsche Galerie; Prof. Dr. Burcu Dogramaci,Institut für Kunstgeschichte, Ludwig-Maximilians-Universität München; Hansjürgen Gartner, KünstlerGilde e. V.; Dr. Thomas Elsen, Leiter des H2-Zentrums für Gegenwartskunst im Glaspalast der Städtischen Kunstsammlungen Augsburg.


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