07.05.2020, 10:59 Uhr

Herzliche Einladung Weitere Online-Vorstellungen von „Patricks Trick“ auf dem Youtube-Kanal des Theaters Regensburg

 Foto: Theater Regensburg Foto: Theater Regensburg

„Es nicht gerecht, dass Menschen mit Behinderung weniger Geld verdienen als die anderen Menschen ihr Geld verdienen. Und ich finde, dass auch Menschen mit Behinderung in Deutschland eine Arbeit leisten können. Und im Grundgesetz in Artikel 3 steht drin, dass Menschen mit Behinderung die gleichen Rechte haben. Deswegen ist das etwas, wo es noch an der Inklusion hapert“, so Natalie Dedreux, Aktivistin mit Down-Syndrom zum Aktionstag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung am Dienstag, 5. Mai.

Regensburg. „#inklusionJetzt“ lautet entsprechend der Hashtag, der europaweit auf die Rechte von Menschen mit Behinderung hinweisen möchte. Das Theater Regensburg möchte diesen Tag zum Anlass nehmen, um auf weitere Ausstrahlungstermine des Online-Stücks „Patricks Trick“ hinzuweisen, in dem ein Junge mit seinem noch ungeborenen Bruder in Kontakt tritt, der mit Down-Syndrom auf die Welt kommen wird. Eine Besonderheit der neu angesetzten Streaming-Termine am 13. und 23. Mai sowie am 1. und 5. Juni besteht darin, dass Regisseur Michael Uhl, Schauspieler Peter Blum und Theaterpädagogin Lisa Hörmann im Anschluss am Telefon oder über Zoom-Videochat für Gespräche zur Verfügung stehen.

Seit 11. März dieses Jahres ist der Vorstellungsbetrieb am Theater Regensburg eingestellt, seit 16. März auch der Probenbetrieb, am 20. April wurden alle Vorstellungen bis Ende der Spielzeit 2019/20 abgesagt. Die „Corona-Krise“ konfrontiert die Theater mit der großen Herausforderung, Inszenierungen mit physischem Abstand erarbeiten zu müssen, Räume alternativ zu denken und vornallem Wege zu finden, dieses Theater trotz „Social Distancing“ für Publikum erlebbar zu machen – im besten Falle einschließlich des Live-Erlebnisses, das Theater so einzigartig macht. Besondere Situationen erfordern kreative Wege und so lud das Junge Theater Regensburg am 4. April erstmals zu einer Online-Premiere ein. Kristo Šagors Stück „Patricks Trick“ war seitdem vier Mal auf dem Youtube-Kanal des Theaters Regensburg zu erleben und wird nun aufgrund der großen Nachfrage an vier weiteren Terminen ausgestrahlt werden: Mittwoch, 13. Mai, 10 Uhr, Samstag, 23. Mai, sowie Montag und Freitag, 1. und 5. Juni, jeweils 16 Uhr.

Michael Uhl, der mit der Regie von „Patricks Trick“ beauftragt wurde, spricht vom „Glück des analogen Starts“: An sage und schreibe drei Tagen konnten sich Schauspieler und Regieteam noch persönlich kennenlernen und „eingrooven“, bevor der Probenprozess Corona-bedingt komplett in den digitalen Raum der Videochats verlagert wurde. Anfangs nur als Skype-Textprobe zur Zeitüberbrückung gedacht, entschloss man sich in Anbetracht der nicht absehbaren Zeit der Publikumsabstinenz, den Prozess sichtbar zu machen und eine Online-Premiere herauszubringen. In Zeiten, die von Absagen und Verschiebungen dominiert sind, war es dem Theater wichtig, dass es weitergeht, dass Dinge entstehen – trotz Corona-Lähmung. Autor und Verlag unterstützten die Idee einer digitalen Premiere sofort, zumal sich „Patricks Trick“ mit seiner starken Erzählstruktur gut für den Split Screen und die direkte Ansprache an das Publikum eignet. Und so konnte am 4. April erstmals eine Reise in die Isolation erlebt werden, bei einem Stück, das die Reise eines Bruders zu seinem ungeborenen Geschwisterchen zum Thema hat. Regisseur Michael Uhl sagt dazu: „Kommunikation ist unser Lebenselixier – und wenn das analog nicht möglich ist, testen wir nun eben den digitalen Raum, in dem wir interessanterweise wieder auf den Kern der Narration zurückgeworfen werden.“

Begleitend zu dem Stück hat die Theatervermittlung einen Blog entwickelt, zu finden im Internet unter patrickstrick.blogspot.com, auf dem Videointerviews, Links zu Hintergrundinfos, Materialsammlungen und Anregungen zu Mitmachaufgaben zu finden sind. Jeweils eine Stunde nach jeder Vorstellung stehen die Kolleginnen der Theaterpädagogik in den Kommentarspalten des Blogs Rede und Antwort. Das Theater Regensburg ist selbst sehr gespannt und freut sich auf das Publikum.

Zum Stück: Eines Abends belauscht Patrick seine Eltern: Er wird einen Bruder bekommen! Doch dann erfährt Patrick, dass dieser behindert sein wird und wendet einen Trick an: Er unterhält sich mit seinem ungeborenen Bruder und findet gemeinsam mit ihm heraus, was die Diagnose „Trisomie“ bedeuten könnte. Wenn sein Bruder zum Beispiel nicht sprechen kann, wird er es ihm eben beibringen müssen! Für diese und andere Eventualitäten sucht Patrick Rat bei einem kroatischen Boxer, einem Professor, seiner Lehrerin und einer Gemüseverkäuferin. Diese spricht aus Erfahrung und lehrt ihm den klugen Satz: „Man ist nicht behindert, man wird behindert.“ Als die Eltern endlich mit ihm reden, ist Patrick längst auf die Ankunft seines kleinen Bruders vorbereitet. Regisseur und Autor Kristo Šagor wurde für dieses Stück, das die deutschsprachigen Bühnen seit 2014 im Sturm erobert, unter anderem mit dem Jugendtheaterpreis Baden-Württemberg ausgezeichnet.

Weitere Ausstrahlungs-Termine im Internet unter www.youtube.com, bei freiem Eintritt:

Mittwoch, 13. Mai, 10 Uhr, im Anschluss telefonisches Nachgespräch mit Regisseur Michael Uhl unter der Telefonnummer 0941/ 507 27 27

Samstag, 23. Mai, 16 Uhr, im Anschluss Zoom-Nachgespräch – Leitung: Lisa Hörmann

Montag, 1. Juni, 16 Uhr, im Anschluss telefonisches Nachgespräch mit Schauspieler Peter Blum („Patrick“) unter der Telefonnummer 0941/ 507 27 27

Freitag, 5. Juni, 16 Uhr


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