24.04.2020, 09:28 Uhr

Vernissage findet online statt „Mein Traum vom fliegenden Spiegelei“ – der sechste „Kunst.Preis“ 2020 wird Herzen berühren

Die Jury des „Kunst.Preises“ mit Peter Lang, Wilma Rapf-Karikari, Alfred Böschl, KJF-Direktor Michael Eibl, Dr. Maria Baumann, Edmund Klingshirn und Dr. Rudolf Ebneth. Foto: Uwe Moosburger/altrofoto.deDie Jury des „Kunst.Preises“ mit Peter Lang, Wilma Rapf-Karikari, Alfred Böschl, KJF-Direktor Michael Eibl, Dr. Maria Baumann, Edmund Klingshirn und Dr. Rudolf Ebneth. Foto: Uwe Moosburger/altrofoto.de

Am Freitag, 24. April, hätte die Vernissage zum sechsten „Kunst.Preis“ in den Räumen des Kunst- und Gewerbevereins Regensburg stattfinden sollen. Diese einzigartige Ausstellung, die einem zweijährig stattfindenden Wettbewerb für Menschen mit geistiger Behinderung in Niederbayern und der Oberpfalz zu verdanken ist, hat sich ihren Platz in der etablierten Kunstszene erobert.

Regensburg. Die Katholische Jugendfürsorge Regensburg der Diözese Regensburg e. V. und der Kunst- und Gewerbeverein Regensburg e. V. laden als Veranstalter trotzdem zur Eröffnung der Ausstellung ein – online! „Wir möchten allen danken und alle ehren, die zur Qualität dieser großartigen Schau beigetragen haben. Den Künstlerinnen und Künstlern sowie den Ateliers und Einrichtungen, die diesen Wettbewerb unterstützen. Ganz besonders aber möchten wir mit dem ,Kunst.Preis‘ 2020 einen lieben Menschen ehren, den wir unendlich vermissen und der nicht mehr da ist: Alfred Böschl, selbst ein ausgezeichneter Künstler, hat vor zehn Jahren in seiner damaligen Eigenschaft als Vorsitzender des Kunst- und Gewerbevereins und als Mitglied der Jury dem ,Kunst.Preis‘ maßgeblich den Weg bereitet.“

Alleine die Titel mancher Werke wie „Mein Traum vom fliegenden Spiegelei“ deuten an, dass der „Kunst.Preis“ 2020 in ganz besondere Welten entführt: „Der Lichtschrankenkartenautomat“ stellt sich als dreidimensionales Konstrukt vor. Angela Merkel oder Manuel Neuer dürfen sich glücklich schätzen, wurden sie doch mit je einem eigenen Kunstwerk bedacht. Über „Die fliegende Werkzeugmaschine mit Versteck“ oder die „Hochzeit mit Manitou Esma Jesus Bernhard und Sonnenuntergang“ sei hier nicht mehr verraten, will es doch selbst entdeckt werden.

Insgesamt haben dieses Mal 165 Künstlerinnen und Künstler 575 Arbeiten eingereicht. 86 von ihnen sind mit 133 Werken aus Malerei, Skulptur, Grafik, Plastik, Objekt und Fotografie in der Ausstellung vertreten. Die Jury hatte keine leichte Aufgabe, aus all diesen beeindruckenden Arbeiten die drei Preisträger zu ermitteln. Über den ersten Preis beim „Kunst.Preis“ 2020 darf sich Ardijan Gash freuen. Der Künstler, der kaum spricht, malt für sein Leben gerne. „Stunde um Stunde arbeitet er an seinen Bildern, nur durch die Pausen und das Arbeitsende am Abend unterbrochen.“ Mit dem zweiten Preis wurde Christina Kerscher ausgezeichnet. Die Künstlerin besucht regelmäßig das Atelier „Kunst inklusiv“ in Regensburg und experimentiert künstlerisch in alle Richtungen – mit großem Erfolg. Niels Raith, der am liebsten malt, was ihm gerade in den Sinn kommt, darf sich über den dritten Preis freuen. Seine Bilder strahlen und zeugen von seiner positiven Welteinstellung und seinem Humor.

Dass der „Kunst.Preis“ 2020 nicht wie gewohnt mit einer fröhlichen und kurzweiligen Vernissage gemeinsam gefeiert werden kann, ist schwer genug. Was jedoch dieses Mal am meisten schmerzt, so Michael Eibl, Direktor der Katholischen Jugendfürsorge, ist der Verlust von Alfred Böschl: „Wenige Tage nach unserer gemeinsamen Arbeit in der Jury haben wir einen ganz besonderen Menschen, eine Persönlichkeit verloren. Was für ein Bildhauer, einfühlsamer Künstler und Organisator er war! Alfred Böschl wollte die Outsider-Kunst mit uns in die Mitte der Gesellschaft bringen, sie öffentlich zugänglich machen. Dazu sind ein langer Atem und viel Überzeugungsarbeit notwendig; das war ihm bewusst. Dass der ,Kunst.Preis‘ heute diesen ausgezeichneten Ruf genießt und seinen Raum gefunden hat, ist wesentlich Alfred Böschl zu verdanken.“ Der Kunst- und Gewerbeverein sowie die Katholische Jugendfürsorge haben deshalb den „Kunst.Preis“ 2020 ausdrücklich Alfred Böschl, der ihn noch mit auf den Weg bringen konnte, gewidmet.

Eva Demski, von Beginn an Patin des „Kunst.Preises“, vermisst die Vernissage vor Ort besonders schmerzlich. Die bekannte Schriftstellerin liebt diese Kunst und befasst sich so innig mit ihr, dass sie nahezu jedes Werk und jede Künstlerin, jeden Künstler namentlich benennen könnte. „Ich werde Sie alle sehr vermissen. Ich werde die Dinglichkeit der Werke vermissen, die sichtbaren Pinselstriche, das Papier, die Materialien. Ich werde das unbefangene Gedränge in den liebgewordenen, schönen Räumen vermissen …“ Als Patin wirbt sie weiterhin unermüdlich für diese Kunst, diese auch zu kaufen und in öffentlichen Räumen auszustellen, geht doch von diesen Werken eine ganz besondere Magie aus.

Die Vernissage des „Kunst.Preises“ 2020 findet dieses Mal online statt

Es wird den Tag und den Ort geben, an dem der „Kunst.Preis“ 2020 tatsächlich in seiner wirklichen, natürlichen Gestalt zu sehen sein wird. Da sind sich Dr. Georg Haber und Michael Eibl, die Veranstalter, sicher. Eine gesonderte Einladung dazu wird rechtzeitig versandt. Die Vernissage findet trotzdem jetzt schon statt: Am Freitag, 24. April, ab 18 Uhr, eröffnet Michael Eibl die Ausstellung online, auch, um Alfred Böschl zu gedenken. Dr. Maria Baumann, Leiterin der Kunstsammlungen des Bistums, Edmund Klingshirn, ehemaliger Behindertenbeauftragter des Landkreises Kelheim, und Wilma Rapf-Karikari, Galeristin der Galerie Kunstpartner Adlmannstein, würdigen die drei Preisträgerinnen und Preisträger. Die gesamte Ausstellung mit allen Werken, teilnehmenden Künstlerinnen und Künstlern, einer Erläuterung in Leichter Sprache sowie einem Grußwort von Eva Demski ist im Internet unter www.galerie-st-klara.de zu sehen. Wie bei einer normalen Vernissage auch, ist es möglich, Kunstwerke zu erwerben. Preise und Modalitäten sind ebenfalls auf der Homepage der Galerie St. Klara zu finden.

Ohne finanzielle und ideelle Unterstützung wäre der „Kunst.Preis“ in dieser professionellen Aufbereitung nicht möglich. Ein herzliches Danke gilt: dem Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales; Günther Lange, Regionalstellenleiter, Zentrum Bayern Familie und Soziales, Region Oberpfalz; Max Harreiner, Vorsitzender von „Für junge Menschen.“ Stiftung kirchliche Kinder- und Jugendhilfe. Ein ganz besonderer und großer Dank für die ausgezeichnete Arbeit bei der Jurierung geht an: Dr. Maria Baumann, Leiterin der Kunstsammlungen des Bistums Regensburg; Alfred Böschl, Künstler und Mitglied des Kunst- und Gewerbevereins († 14. März); Dr. Rudolf Ebneth, Vorstandsmitglied des Kunst- und Gewerbevereins; Edmund Klingshirn, ehemaliger Behindertenbeauftragter des Landkreises Kelheim; Peter Lang, Herausgeber Kulturjournal Regensburg; Wilma Rapf-Karikari, Galeristin der Galerie Kunstpartner Adlmannstein.

Dieses Engagement, so Michael Eibl und Dr. Georg Haber, kann nicht genug gewürdigt werden: „Dass der ,Kunst.Preis‘ künstlerisch so hoch geschätzt wird und seinen festen Platz in der Kulturszene gefunden hat, ist wesentlich auch der Jury zu verdanken, die ihre Arbeit jedes Mal aufs Neue genau und sorgfältig – viele Aspekte und Kriterien abwägend – vornimmt. Wir danken Ihnen sehr!“


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